Schmetterlingspfad: Aus Grau wird bunt

Fotos: Christiane Flechtner, swiss-image.ch/Christof Sonderegger, Carina Scheuringer und zVg

Lungern | Die Zentralbahn, die mit dem LuzernInterlaken Expressvon Luzern über den Brüningpass nach Interlaken Ost fährt, ist die perfekte Möglichkeit, ins Herz der Schweiz zu gelangen. Lungern am Brüningpass im Kanton Obwalden ist Ausgangspunkt für abwechslungsreiche Wandertouren. Eine besonders reizvolle Tour ist der Schmetterlingspfad.

Wie ein Werbefilm zieht die traumhafte Landschaft an uns vorbei: Tiefgrüne Hügel wechseln sich mit blauen Seen ab, während ich mit meiner Wanderpartnerin Gaby im Speisewagen der Zentralbahn gemütlich einen Kaffee geniesse. Die Meterspurbahn schlängelt sich durch das Gebiet und führt an idyllischen Dörfern vorbei. Es ist morgens, kurz nach neun Uhr, als wir in Lungern ankommen. Dort wartet schon unser Buschauffeur Hans Schallberger auf Bahnreisende wie wir, die er mit dem RufShuttlebus zur Talstation bringt. Zu dieser Uhrzeit sind wir die einzigen Fahrgäste in der Lungern-Turren-Seilbahn, die uns in wenigen Minuten zur Bergstation Turren (1562 m ü. M.) bringt.

Hier beginnt der Schmetterlingspfad: Er führt durch das artenreichste Schmetterlingsgebiet der Schweiz und beheimatet mehr als 115 tagaktive Arten. Einige von ihnen sind sehr selten und geschützt. Von den flatternden Bunten ist bislang aber weit und breit nichts zu sehen. Es ist nasskalt und grau kein perfektes Wetter für Schmetterlinge. Die bunten Wiesenblumen warten ebenso auf die flatternden Besucher wie wir. Doch die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. So machen wir uns auf den rund zwölf Kilometer langen Weg und folgen dem ersten grünen Schild mit Schmetterlingssymbol und der Nummer 575. Der Weg schlängelt sich erst durch ein Tal und dann auf der anderen Seite nach oben bis zum Dundelegg (1727 m ü. M.).

Wir tappen im Nebel, ganz in der Nähe hören wir die Kuhglocken läuten. Die Sicht reicht nur wenige Meter. Schemenhaft taucht ein Steinkunstwerk auf. Ein Schild weist es als «Ort der Begegnung» aus, im Jahr 2000 von Schülern aus Giswil gebaut. Dort machen wir aufgrund der schlechten Sicht und leicht frustriert eine kleine Trinkpause. Doch innerhalb von Sekunden weicht die Frustration einem grossen Erstaunen: Als würde ein Vorhang aufgezogen, weichen die Wolkenschwaden und geben den Blick frei auf die Berner Alpen und die Zentralschweizer Alpen. Plötzlich wird aus SchwarzweissBildern ein Farbfilm mit schier unglaublich bunten Nuancen. Vor uns erscheint eine atemberaubende Kulisse. Und auch die Schmetterlinge lassen nicht lange auf sich warten.

Als erstes flattern Grosse Ochsenaugen an uns vorbei. Sein Name leitet sich von dem runden dunklen Fleck am Flügel her. Beschwingt wandern wir weiter, an weidenden Kühen und bunten Wiesenvorbei. Ein Fotostopp vom Sädel (1670 m ü. M.) in Richtung Lungerer See, Sarnersee, Kaiserstuhl und Giswil entschädigt uns nun vollends für die schlechten Startbedingungen. Wenig später sehen wir überall Flatter-Tierchen: Kleine Bläulinge, Kaisermantel, Schachbrett und viele andere gelbe, weisse und bunte Schmetterlinge fliegen über die Bergwiesen, setzen sich auf die Blüten der Bergblumen und tanzen im Wind. Im Tal leuchtet der Lungerer See von einem solch intensiven Türkis, dass wir ungläubig stehen und staunen.

Dann geht es bergab durch ein sumpfiges Waldgebiet. Wir kommen an einer der insgesamt 17 Infotafeln vorbei, die Auskunft zu den Schmetterlingen und deren Entwicklung geben. Es geht weiter durch knallgrüne Wiesen, auf denen wir Frösche, Grashüpfer, Hummeln und natürlich jede Menge Schmetterlinge beobachten. Als wir nach rund vier Stunden wieder in Kaiserstuhl ankommen, sind wir hungrig und glücklich. Ein grandioser Tag mit traumhaften Ausblicken und bunten Begegnungen liegt hinter uns. Und eines ist sicher: Wir kommen noch einmal wieder, um dann möglicherweise auf dem gesamten Schmetterlingspfad beste Sicht zu haben.

Praktisches

zb Zentralbahn AG

Bahnhofstrasse 23

6362 Stansstad

+41 (0)58 668 87 06

zentralbahn.ch


Spot Tipp: Zur Schmetterlingsbeobachtung eignet sich besonders die warme Zeit von Anfang Juni bis Ende August. Bei sonnigem Wetter sind die Tiere auch im frühen Herbst noch aktiv.


LuzernInterlaken Express: Mit dem LuzernInterlaken Express (IR) der Zentralbahn gelangt man durch atemberaubendes Alpenpanorama von Interlaken oder Luzern nach Lungern. Die Züge verkehren stündlich in beide Richtungen. Zwischen dem Bahnhof Lungern und der Talstation der Lungern-Turren-Bahn liegen etwa 20 Gehminuten. Vom Bahnhof Lungern zur SeilbahnTalstation wird ein Shuttle-Bus angeboten. Eine Voranmeldung ist ratsam: +41 (0)41 679 01 11.

SPOT TIPPS

Hinauf zum Brienzer Rothorn

Von der Bergstation Turren führt ein Bergweg durch blühende Wiesen in rund eineinhalb Stunden auf den Schönbüel. Hier sind die Wetterhörner zum Greifen nahe und Eiger, Mönch und die Jungfrau sind gut zu sehen. Auch ein Blick in die Zentralschweizer Alpen in Richtung Mittelpunkt der Schweiz oder zum Titlis lohnt sich. Weiter führt die Wanderung in Richtung Brienzer Rothorn. Der Brienzersee, das Arniseeli wie auch der Eisee liegen den Wanderern zu Füssen. Vor allem in den Morgenstunden oder bei etwas kühlerem Wetter können auch Gämsen und Steinböcke aus nächster Nähe beobachtet werden. Die Wanderung beträgt rund neun Kilometer bei 4,5 Stunden.

Brienz-Rothorn-Bahn

Wie eine Reise in die Vergangenheit fühlt sich die Fahrt mit der einzigen Schweizer Zahnradbahn mit Dampfbetrieb an. Sie begeistert seit 1892 als Schweizer Kulturgut von Brienz nach Rothorn Kulm und lässt nicht nur die Herzen von Eisenbahn- und Dampflokfans höherschlagen. Eine nostalgische Lok verheizt 350 kg Kohle und benötigt 2000 Liter Wasser pro Fahrt. Wer bei einer Wanderung am Brienzer Rothorn auf 2350 m ü. M. an gekommen ist, kann mit der Dampfbahn mit einer Geschwindigkeit von 9 Kilometern pro Stunde ins Tal fahren.


Spot Tipps: Die Bahn fährt mehrmals täglich (bis 25. Oktober). An Spitzentagen muss mit Wartezeiten gerechnet werden. Reservierung: Berghaus Rothorn Kulm,

+41 (0) 33 951 12 21, brienz-rothorn-bahn.ch