Klettern & Biwak: Höhenflüge auf der Frutt

Fotos: Rainer Eder, Produkte: zVg

Melchsee-Frutt | Atemberaubende Aussichten, frische Luft und Kuhglockengebimmel: Das Klettern in den Bergen vereint Sport und Naturerlebnis. Dani Geiger berichtet von der perfekten kleinen Auszeit auf Melchsee-Frutt.

Am Ende des Grossen Melchtals entschweben wir dem Alltag. Von der Stöckalp ob Kerns gondeln wir gemütlich vorbei an steilen Wiesen, Wäldern und Felsen auf die Frutt. Einst war die Luftverbindung, die in den 1930er Jahren von einem lokalen Hotelier realisiert wurde, die längste der Schweiz. Sie legte den Grundstein für die Tourismusblüte auf der Hochebene, die schon früh bei Sommerfrischlern beliebt war. Zu unseren Füssen liegt der alte Säumerpfad, auf dem sich betuchte Besucher einst auf Sänften hochtragen liessen. Heute ist er im Winter ein beliebter Schlittelweg.

Oben, auf knapp 2000 m ü.M., eröffnet sich die Weite. Die Blicke schweifen vorbei am Hotel «frutt Lodge & Spa», wo einst das erste Kurhaus auf Melchsee-Frutt stand. Am friedlichen Melchsee bleiben sie hängen. Idyllisch liegt dieser eingebettet zwischen sanften Hügeln und blumenübersäten Weiden; umrankt von hohen Bergen, welche die Hochebene wie Schutzwälle flankieren. Im Osten gleissen die weissen Gletscherhauben von Titlis und Gadmenflühe so verheissungsvoll, als würden sie uns zu sich rufen. Doch wir haben heute nur Augen und Ohren für einen Berg: Den Bonistock.

Mit einer Höhe von 2168 m ü.M. markiert der Hausberg der Frutt den höchsten Punkt der Ferienregion, der mit einer Bahn erschlossen ist. Auch zahlreiche Wanderwege führen zum beliebten Berghotel auf dem Gipfel, das über 100 Gästebetten und ein Panoramarestaurant mit grosser Terrasse verfügt. Das Highlight für uns ist jedoch die steile Felswand. Hier befindet sich nämlich der grösste Klettergarten der Zentralschweiz. Über 140 Routen in den Schwierigkeitsgraden 3 bis 8 stehen zur Auswahl. Zusätzlich gibt es seit 2011 den Fruttli-Klettersteig.

Der Weg nach oben

Meine Aufregung ist gross! Nach einigen Jahren der Pause bedeutet der heutige Tag meine langersehnte Rückkehr zur Kletterei. Und noch besser: Ich befinde mich mit dem Outdoor Fotografen Rainer Eder und seiner Freundin Sara Seichter in allerbester Gesellschaft. Vollbepackt laufen wir kurzerhand los.

Der Weg führt vorbei an zahlreichen Fischern, die im forellenreichen Melchsee ihr Glück versuchen. Gleich nach dem Panoramalift zweigen wir links ab. Wenig später lässt das wohlbekannte Klimpern der Karabiner mein Kletterherz höher schlagen. Die ersten Sportler hängen schon in der sonnenverwöhnten Wand. Auch Rainers Blick ist auf den Felsen gerichtet. Er studiert die verschiedenen Routen mit geschultem Blick, bis ihm eine exponierte Kante ins Auge sticht. «Das ist es!» verkündet er mit einem Strahlen und zeigt mit dem Finger nach oben.

Eine kurze Auffrischung der neusten Sicherungstechniken und Griffe und dann ist es endlich soweit. Ich zwänge mich in meine Kletterschuhe, schnüre Helm und Gurt fest und stehe bereit. Ab jetzt ist absolute Konzentration gefragt. Jeder Griff, jeder Schritt muss gut überlegt sein und sitzen. Gleichzeitig habe ich absolutes Vertrauen in Sara, welche mich bei einem allfälligen Sturz sicher im Seil auffangen wird.

Durchatmen. Schauen. Planen. Klettern. Wenig später balanciert meine Fussspitze auf einem schmalen Vorsprung, der kaum eine Fingerlänge breit ist. Die altbekannten Tipps schwirren mir durch den Kopf. Es ist wichtig, aus den Beinen heraus zu klettern und nicht nur an den Fingern zu hängen. Sonst ist man schneller am Kraftlimit, als man möchte. Ich bewege mich langsam, bedacht, Meter um Meter zum Ziel.

Geschafft! Als ich oben am Stand mein Seil schliesslich durch den grossen Sicherungskarabiner ziehe, ist das Gefühl, nach so langer Zeit eine anspruchsvolle Route erfolgreich bezwungen zu haben, unbeschreiblich. Ich geniesse den Moment, lasse meinen Blick über die schroffen Felsformationen zur Alp schweifen, die von hier oben winzig klein aussieht.

Sara und ich wechseln uns einige Male ab und versuchen verschiedene Schwierigkeitsgrade, bis uns die Kräfte in Armen und Beinen verlassen und uns der Hunger zurück ins Dorf lockt. Im kleinen Laden decken wir uns mit Produkten aus der Region ein Würste, Bergkäse, frische Eier, Bergbutter und vieles mehr und marschieren zurück in Richtung See, wo wir biwakieren werden.

Nacht unter dem HimmelszeltNach kurzer Suche finden wir ein perfektes Stück mit weichem Wiesenuntergrund, um unser Lager aufzuschlagen und ein kleines Festessen zu veranstalten. Das Bier und ebenso die Milch für das morgige Frühstück kühlen wir im kalten Melchsee. Als wir hier auf unserem kleinen Gaskocher Pasta kochen, scheint die Welt vollkommen in Ordnung zu sein. Der Himmel strahlt, die Kühe grasen friedlich auf der Weide und das Essen schmeckt so gut, wie es nur inmitten der Natur schmecken kann. Ich lehne mich zurück, lasse das mächtige Bergpanorama auf mich wirken und vermeine in der Ferne die anspruchsvollste Route zu erkennen, die wir heute geklettert sind. Glück pur!

Mit dem Sonnenuntergang wird es mit einem Male frisch. Im Handumdrehen stellen wir unsere Biwaks auf und statten sie mit Isomatten und Schlafsäcken aus. Einige zusätzliche Heringe, die ich im letzten Moment noch in die Tasche geworfen habe, erweisen sich nun als überaus praktisch, um meinem Biwak noch zusätzliche Spannung zu verleihen. Mit diesen und vielen anderen Tipps hatte man mich in der TRANSA Filiale in der Europaallee bestens beraten. Unglaublich klein ist auch das Packmass meiner Schlafutensilien, die ich dort auf Anraten gekauft habe. Sie passen ohne Probleme in meinen Tagesrucksack und bieten auch noch genügend Platz für den Gaskocher und eine warme Daunenjacke. Perfekt!

Wir verweilen nun noch einige Stunden, betrachten den fast vollen Mond und lassen den eindrücklichen Klettertag Revue passieren, bevor wir schliesslich in unsere warmen Schlafsäcke kriechen. Die Nacht ist überraschend bequem wenngleich ich froh bin, Ohrenstöpsel eingepackt zu haben, um das Bimmeln der Kuhglocken auszublenden. Es ist schon lange her, seit ich das letzte Mal unter freiem Himmel schlafen durfte. Umso mehr geniesse ich jetzt den Moment, der mir ein Gefühl von absoluter Freiheit gibt. Ich nehme mir vor, kleine Abenteuer wie diese zukünftig wieder häufiger zu machen. Sie sind schliesslich der ideale Ausgleich zum hektischen Alltag, in welchem wir uns immer wieder zu schnell verlieren.


Experten Tipp


GUT GEKOCHT MIT PRIMUS

Das schwedische Unternehmen PRIMUS wurde bereits 1892 gegründet und gehört damit zu den weltweit ältesten Herstellern von Outdoor-Ausrüstung. Trotzdem zählen die Produkte dieser Marke wie Kocher, Gaslaternen, Geschirr und seit kurzem auch LED-Stirnlampen zu den innovativsten und hochwertigsten überhaupt. Bei TRANSA sind eine Vielzahl von PRIMUSProdukten im Online Shop und in den zehn Filialen und Outlets erhältlich, darunter auch das praktische und leichte «Primetech Stove Set» mit integriertem Wärmetauscher und antihaftbeschichtetem Topf. Dani Geiger liess sich für diese Geschichte in derTRANSA Filiale in der Europaallee beraten. Dieoutdoor-begeisterten Mitarbeiter hatten zahlreiche wertvolle Tipps. «Personal Shopping» ist kostenlos bei TRANSA und kann online auf transa.ch/services/personal-shopping gebucht werden.

transa.ch

Praktisches


Sportbahnen Melchsee-Frutt

Sarnerstrasse 1

6064 Kerns

+41 (0)41 669 70 60

melchsee-frutt.ch

Gut gerüstet

Klettern: Alles im Griff


1. BLACK DIAMONDMOMENTUM KLETTERSCHUH: Der Momentum ist ein idealer Einsteigerschuh. Mit seinen zwei Klettverschlussriemen kombiniert er innovative Technologien mit einem klassischen Design und flachen Leisten. UVP: CHF 120, blackdiamondequipment.com

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5. OR AXIS T-SHIRT: Das Axis Shirt besteht aus einem Mischgewebe aus organischer Baumwolle und Hanf. Hanf filtert UV-Licht, hat die 4-fache Haltbarkeit und Stärke von Baumwolle und ist bakterien- sowie geruchsresistent. UVP: CHF 49, outdoorresearch.com

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Gut gerüstet

Gut gebettet 


1. OR HELIUM BIVY: Das Helium Bivy ist gemacht für Minimalisten, die Gewicht gegen Geschwindigkeit, Agilität und Leistung eintauschen. Auch Kletterer, Weitwanderer und Bikepacker lieben dieses Biwakzelt wegen seines reduzierten Gewichtes und vertrauen auf sein federleichtes, wasserdichtes und atmungsaktives Pertex Shield+ Gewebe. Preis: CHF 259.90, outdoorresearch.com

erhältlich bei TRANSA, transa.ch 


2. THERM-A-REST NEOAIR UBERLITE SCHLAFMATTE: Leichter geht es kaum! Mit dem NeoAir UberLite hat man kein Gramm zu viel mit dabei. Trotzdem muss man beim Nachtlager nicht auf Komfort verzichten: Auf der Triangular-Core-Matrix liegt es sich bequem und die spezielle Quer-Kammer-Konstruktion vermindert das sonst so typische Schaukeln bei Luftmatratzen. Preis: Ab CHF 189.90, thermarest.com, erhältlich bei TRANSA, transa.ch 


3. THERM-A-REST HYPERION 32F/0C SCHLAFSACK: Der Hyperion setzt neue Massstäbe: Er ist einer der leichtesten Schlafsäcke seiner Klasse, ohne dabei an Performance einzubüssen. Seine thermisch effiziente Kammerkonstruktion garantiert Wärme und Komfort bei nur 450 g Gewicht. Aufbewahrungstasche und Kompressionspacksack sind inbegriffen. Preis: Ab CHF 450, thermarest.com