Frühlingsgrüsse von der Rigi

Fotos: zVg

Rigi | Die Blütenpracht auf der Rigi ist legendär. Entsprechend farbenfroh ist auch der Lenz. Sind die Alpen gegen Süden noch schneebedeckt, so strecken auf der Königin der Berge bereits die ersten Vorboten ihre zarten Köpfchen der Sonne entgegen. Ein Tagesausflug erweckt somit garantiert Frühlingsgefühle.

Der bunte Teppich aus tausend Blüten ist ausgebreitet. Wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen das Land aus dem Winterschlaf kitzeln, erwacht auch auf der Rigi neues Leben. Die Krokusse machen den Anfang bereits im Februar und März öffnen sie ihre zierlichen weissen, gelben und violetten Blütenkelche. Später folgen Soldanelle, Frühlingsenzian und Mehlprimel; kurz darauf Seltenheiten wie die Korallenwurz, eine Orchideenart. Ab Juni zeigen sich die Wiesen dann gelb übersät mit Trollblumen. Die kugelrunden Hahnenfussgewächse sind auf der Rigi sogar derart verbreitet, dass man sie weithin als Rigi-Knolle kennt.

Mit ihren rund 890 Blütenpflanzen, 300 Flechten und 100 Moosarten ist das Rigigebiet eine Landschaft von nationaler Bedeutung und steht als solche auch zu einem guten Teil unter Naturschutz. Der Artenreichtum ist der Geologie, der Mischung aus Molasse-, Flysch- und Kalkgesteinen sowie dem Klima zu verdanken. Inmitten der Zentralschweizer Seen gelegen, profitieren vor allem die Südhänge an der Riviera des Vierwaldstättersees von milden Bedingungen. Zum einen sind sie windgeschützt; zum anderen werden sie durch die Rückstrahlung des Sees doppelt erwärmt.

Mit der Zahnradbahn VitznauRigi Kulm reisen wir vom türkis-blau schimmernden Vierwaldstättersee mitten ins Farbenmeer. Mit jedem Höhenmeter, den die älteste Bergbahn Europas gemächlich zurücklegt, weitet sich der Blick auf das grandiose Panorama der Gipfel der Voralpen und Alpen. Unser Waggon zuckelt vorbei an schmucken Holzhäusern mit Schweizer Flaggen an den Fahnenstangen. Und doch ist es vor allem die leuchtende Blumenpracht am Wegrand, die uns an diesem Tag in ihren Bann zieht. Nach einer gefühlten Ewigkeit unter der grauen Nebeldecke im Flachland, sehnen wir uns besonders nach drei Dingen: Licht, Weitblick und Farbe. Auf der Königin der Berge finden wir all das vor und noch viel mehr!

Bei Rigi Staffelhöhe ist für uns vorläufig Endstation. Hier kommen wir einem Geheimtipp nach, der in der Gastronomie-Szene seit einiger Zeit die Runde macht. Gastgeber Gabriella und Gregor Egger Vörös und Küchenchef Benjamin Just sind Pioniere in Sachen kreativer Naturküche. In ihrem «Kräuterhotel Edelweiss» kommt auf den Teller, was der 1'000 Quadratmeter grosse Kräutergarten nebenan oder die umliegende Natur hergeben. Das heisst zum Beispiel «Gin-tonig» aus Enzianwurzeln, begleitet von Selleriechips, geraffeltem Hirschschinken, getrockneter Kaki aus Vitznau und Eigelbcreme. Und das auf Michelin-Stern und 15-«Gault-Millau-Punkte» Niveau!

Es ist ein unvergesslicher wie lehrreicher Einstieg in unseren Tag, den wir mit einer Wanderung entlang des Blumenpfades fortsetzen. Die einfache, etwa einstündige Tour übers «Chänzeli» nach Rigi Kaltbad gilt als Klassiker. Sie offenbart einen herrlichen Ausblick von der Krete hinab ins Mittelland und führt nicht nur an sonnigen Aussichtsbänken und Grillstellen vorbei, sondern zelebriert entlang des Weges auch die vielfältige Flora auf der Rigi. So begegnet man zum Beispiel dem Bewimperten Steinbrech, dem Langspornigen Handwurz, der Glanz-Skabiose oder der Zwerg-Glockenblume. Die Bestimmung der Arten ist kinderleicht. Der Verein «Pro Rigi» hat dafür spezielle Informationsschilder installiert, die neben den lokalen auch die botanischen Namen der Pflanzen aufführen. Ausserdem ist ein kostenloser, bebildeter Prospekt an den Talstationen der Rigi Bahnen und bei der Tourist Info Kaltbad erhältlich. Ab Juni stehen zudem geführte Touren auf dem Programm.

Wer wie wir in Eigenregie unterwegs ist und nach Kaltbad von der Sonne, den Aussichten und den Blumen noch nicht genug hat, dem bietet der Felsenweg Richtung Rigi First die ideale Fortsetzung. Atemberaubende Tiefblicke zur Rechten und weitere beschilderte Besonderheiten zur Linken geleiten den Weg. Vor dem Einstieg lohnt sich ein Abstecher in das Reich des Restaurateurs und Slow Food Bekenners Stefan Winiger, der sich auf regionale und frische Küche spezialisiert; danach lässt dich die etwas andere «Rigi-Runde» über Rigi Klösterli und Goldau gebührend zu Ende bringen.

Praktisches

Gäste-Service Vitznau

Bahnhofstrasse 7

6354 Vitznau

+41 (0)41 399 87 87

rigi.ch


Blumenpfad

Route: Einstieg unter Rigi Staffelhöhe Chänzeli Rigi Kaltbad Felsenweg Rigi First

Distanz: 7.3 km

Kondition: einfach


Kräuterhotel Edelweiss

Staffelhöheweg 61

6356 Rigi Kaltbad

+41 (0)41 399 88 00

kraeuterhotel.ch


Chalet Schild

Scheideggstrasse 1

6356 Rigi Kaltbad

+41 (0)41 855 02 53

chaletschild.ch

Weitere Frühlingshighlights

Wildkräuterkraft, 21. März- 1. Juni, Haldihof Weggis: Sammeln Sie Wildkräuter und erfahren Sie, wie diese zubereitet werden können und welch heilsame Wirkungen sie bieten.


Kräuter Spaziergang, 9. April, Goldau: Suchen Sie Kräuter für die «9-Kräutersuppe» und lernen Sie, welche Heilpflanzen direkt vor der Haustüre wachsen, wie sie wirken und welche Gefahren sie bergen.


Karfreitags-Brunch auf Rigi Burggeist und Osterbrunch im «Chalet Schild»

Alle Informationen und weitere Veranstaltungstipps: rigi.ch/events


SpotMagazine l Frühling 2020