Vor Ort In Mürren


Zwischen sattgrünen Alpweiden und Wäldern auf einer Sonnenterrasse eingebettet; von Berggiganten umrankt: von einer senkrechten, schroffen ‘Felsmauer’ aus, überblickt die höchstgelegene Dauersiedlung im Berner Oberland das Lauterbrunnental. Dabei ist das Bergdorf Mürren nicht nur aufgrund seiner erhöhten Lage eine beliebte Feriendestination. Ein 200 Kilometer langes Netzwerk aus Sommerwanderwegen, sowie 53 Kilometer präparierte Winterpisten zählen ebenso zu den Hauptanziehungspunkten wie das packende, geschichtsträchtige Inferno-Rennen. Wir statten dem ‘Dorf auf der Mauer’ einen Besuch ab, um hinter die Kulissen zu blicken.

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Von Lauterbrunnen führt eine Pendelbahn auf das Plateau auf 1’640 Metern über dem Meeresspiegel. Dort, direkt vor der Bergstation steht er. Mit dicker Pudelhaube, flauschigem Vollbart und strahlenden Augen – das Mürrner Dorforiginal. Kaum jemand kennt das Walser Bergdorf besser als der 69-Jährige Böbs (Albert Feuz).

Und so spazieren wir entlang historischer Bauten ins Dorfzentrum. Auch 700 Jahre nach der ursprünglichen Besiedelung von ‘Mons Murren’ im Jahr 1257, ist ein Walliser Einschlag nicht nur in der Mundart weiterhin unverkennbar – Blockbauten im Strickbauverfahren prägen das Erscheinungsbild der ältesten Gebäude, die sich heute unter moderne Chalets und Hotels mischen. Die jüngste Geschichte Mürrens, so verrät Böbs, wurde durch die Wende vom Bergbauernhof zum Ferienort geprägt. So entstand das erste Hotel im Jahre 1860 und war vor allem bei englischen Gästen beliebt – darunter zum Beispiel George Bernhard Shaw, Alfred Tennyson und Princess Mary. Die ehemals anglikanische Kirche steht als Zeitzeuge am Weg. Sie wurde 1878 unter Verwendung einheimischer Baumaterialien von Georg Edmund Street erbaut.

“Es war auch ein Brite, der die erste Wintersaison in Mürren instigierte,” erzählt Böbs weiter. “Dieser Pionier, auf dessen Drängen hin die Lauterbrunnen-Mürren-Bahn erstmals 1912 den Winterbetrieb aufnahm, hiess Sir Arnold Lunn. Später war er auch verantwortlich für das erste moderne Slalom-Rennen und brachte somit die Idee ins Rollen, sich mit Skiern in Wettkämpfen zu messen.” Dass die Idee einschlug, ist bis heute während des alljährlichen ‘Inferno-Rennens’ ersichtlich. “Das ‘verrückteste Rennen der Welt’, wie man es gerne nennt, wird 2014 bereits zum 71igsten Mal ausgetragen,” verrät Böbs. Er selbst freut sich, seine 50igste Jubiläumsfahrt zu bestreiten. Schliesslich fährt er schon seit seiner Kindheit Ski. Solange er denken kann.

Von seinem Talent zeugt nicht nur seine Aufnahme ins Schweizer Ski Nationalteam in seiner Jugend: Vor nunmehr über 50 Jahren wurde er beinahe zum Double eines weltberühmten Geheimagenten rekrutiert. “In den 1960er Jahren drehten internationale Filmcrews den James Bond Klassiker ‘On Her Majesty’s Secret Service’ im Piz Gloria Restaurant und auf dem Schilthorn,” erinnert sich Böbs, “man suchte jemanden, der den Berg auf Skiern herabrasen konnte. Leider musste ich absagen, da ich gerade eine neue Stelle angenommen hatte. So habe ich das Spektakel nur vom Helikopter aus gesehen.”

Heute sind die Zeiten im Scheinwerferlicht längst vorbei und auch bedeutend weniger Briten tummeln sich regelmässig im Bergdorf. Doch alleine wegen der Geschichten, dem Gipfelpanorama des Alpen-Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau, sowie dem Inferno-Rennen lohnt sich ein Abstecher auf die Mauer bis heute.

 

Unterkunft
Chalet Böbs: Direkt unter der Bergstation vermietet Böbs drei Ferienwohnungen mit Ausblick über das Alpenpanorama. Wer Glück hat, bekommt vielleicht sogar ein Ständchen, denn Böbs ist ein ausgezeichneter Alphornbläser. www.boebs.ch.

 

Verpflegung
Piz Gloria: Wenn man schon mal in Mürren ist, kann man sich auch wie James Bond verwöhnen lassen. Das Piz Gloria Restaurant auf dem Schilthorn bietet ein 007 Champagner Frühstück. www.schilthorn.ch (25% Rabatt auf die Gondelfahrt mit dem Jungfrau Railway Pass).






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