Trail Running mit Bernhard Hug – Körperliche Hochleistungen


Laufen, laufen, immer weiter laufen. Einen Kilometer nach dem anderen entlang kleiner Bergpfade und über himmelhohe Pässe. Doppelte, dreifache Marathon-Distanzen, tausende Höhenmeter. Der Thuner Bernhard Hug vollbringt Leistungen, die nur für Extremsportler vorstellbar sind. Nach einer erfolgreichen Karriere im Triathlon als Teil der Schweizer Nationalmannschaft misst sich der 41-Jährige seit nunmehr 12 Jahren in Adventure Wettkämpfen und Ultratrails. Letztes Jahr belegte er beim Swiss Iron Trail in Davos über eine Distanz von 48 km den ersten Platz. Im August 2014 bestritt er das T41 Rennen über 42.7 km. Wir sprachen vor dem Rennen mit dem Mammut Pro Athleten über die neue Trendsportart:


 

Worin liegt für dich der besondere Reiz des Trail Runnings?

Trail laufen fordert nicht nur die Beine, sondern auch die Geschicklichkeit, die Konzentration und die genaue Planung im Voraus (Material, Training, Verpflegung etc.). Die Natur stellt zudem gewisse Anforderungen. So ist das Verhalten der Witterung, dem Wind und der Temperatur anzupassen. Auch das Orientieren im Gelände ist Bestandteil des Trainings – und wenn man dann hoch oben auf den Bergen ins Tal blicken kann, dann ist das wahrlich ein tolles Lebensgefühl!

 

Auf welche Distanzen hast du dich spezialisiert?

Je länger, umso besser. Ich war nie ein grosses Sporttalent. Je länger die Strecke, umso mehr spielt eine minutiöse Vorbereitung und ein starker Wille eine grosse Rolle. Darum war ich im Laufe meiner Sportlerkarriere auf längeren Distanzen auch immer besonders erfolgreich.

 

Du warst nun lange verletzt. Was bedeutet dies für deine Zukunft als Trail Runner?

Ein Comeback wird schwer, da ich einen schwerwiegenden Meniskus-schaden hatte und in der Folge auch Arthrose. Das kann nicht kuriert werden und so werde ich nur noch ganz bewusst und gezielt trainieren und an Wettkämpfen teilnehmen können. Jährlich sollten ein bis zwei Trail Runs möglich sein, wenn ich Sorge trage. Mein grösster Traum wäre es, noch einmal einen langen Trail laufen zu können und zwar den «Tor des Géants.» Da die Startplätze für diesen ausgelost werden, brauche ich dazu etwas Glück.

 

Du nimmst am T41-Rennen des Swiss Iron Trails in Davos teil. Was macht dieses Rennen aus?

Dieses Rennen findet in einer der schönsten Regionen der Alpen statt. Das Weisshorn bietet einen unglaublich schönen Ausblick auf Arosa und die umliegenden Berge. Ich wäre gerne eine längere Strecke gelaufen, um die Region als Ganzes besser kennen lernen zu können.

 

Was sind die Highlights und Schlüsselstellen?

Das Highlight ist sicher das Weisshorn. Schlüsselstellen sind der letzte Aufstieg und Abstieg, wo die Rennen entschieden werden. Ich kann nicht Vollgas bergab laufen und werde dadurch sicher Zeit verlieren. Aber das Ankommen kommt dieses Jahr vor dem Rang!

 

Wie hast du dich vorbereitet?

Eigentlich kaum. Ich habe vier bis fünf Wanderungen gemacht und nach meiner letzten OP im Mai und der Entfernung der Me-tallplatten im Bein rund sechs Lauftrainings absolviert. Insgesamt gerade mal etwas mehr als die Laufdistanz des Rennens. Nicht sehr empfehlenswert; jedoch kann ich es mir dank meiner jahrelangen Erfahrung erlauben, auch so an den Start zu gehen.

 

Was isst du am Vorabend?

Das, worauf ich Lust habe! Hauptsache, es ist leicht verdaulich und hat einen hohen Kohlenhydrate-Anteil. In Frage kommen Reis-, Kartoffel- oder Pasta-Gerichte. Bei den letzten Mahlzeiten vermeide ich Ballaststoffe.

 

Was hast du beim Rennen mit dabei?

Das obligatorische Material. Zwei bis drei Gels und einen Notriegel. Ich laufe oft mit einem Winforce-Sportgetränk, weil das für mich am bekömmlichsten ist. Wenn es angeboten wird, greife ich auf Coca-Cola zurück.

 

Welche Ansprüche stellt das Trail Running an die Lauftechnik?

Die Anpassung der Schrittlänge, Schrittfrequenz und des Körperschwerpunkts an die Gegebenheiten, eine schnellere Kniehebephase, das Antizipieren des optimalen Fussaufsatzes, etc. Somit benötigt man eine hohe Kompetenz in Bezug auf die sensomotorischen Kontrolle, Gleichgewicht, Rhythmisierungsfähigkeit, Differenzierungsfähigkeit,   Steigungsfähigkeit, Geländegängigkeit und die Fähigkeit, hohe Lasten an Exzentrik zu ertragen.

 

Was ist das richtige Tempo?

Man sollte so laufen, dass man immer alles unter Kontrolle hat. Ein Sturz hat meistens Folgen… Aber richtig Spass macht es erst, wenn man das Gefühl hat, zu fliegen – darum nehme ich diese Empfehlung nicht immer ganz ernst.

 

Mit welchen Trail Läufen sollte ein Anfänger beginnen?

Mit kürzeren Distanzen von maximal 20 km oder ganz einfach mit Wald- oder Bergläufen. Auch mal eine Teilnahme an einem Plausch-OL ist empfehlenswert!

 

Was ist die beste Strategie um das Auf und Ab zu meistern?

Folge deinem Rhythmus. Höre auf deinen Körper (Atmung, Intensität etc.). Laufe möglichst konstant und mache keine längeren Pausen… es ist auch gut, sich kleine Ziele setzen, wie z.B. die nächste Verpflegungsstelle, etc.

 

Welche Ausrüstung sollten sich Einsteiger unbedingt zulegen?

Ein gutes Schuhwerk und Socken, eine entsprechende Regen- und Windjacke, Funktionskleidung, leichte Stöcke und einen Trinkrucksack.

 

Welche praktischen Tipps hast du für das erste Rennen?

Auch wenn’s dir mal ganz schlecht läuft. Durchbeissen lohnt sich. Der Zieleinlauf ist das Schönste, das es gibt!

 

Spot Materialtest

Spot testete die Skins Coldlack Women’s 3/4 Tights aus 76 Prozent Nylon und 24 Prozent Elastan für CHF 155. Das Material reflektiert Sonnenstrahlen und vermindert so die Erwärmung des Stoffes. Dadurch bleibt auch der Körper beim Laufen spürbar kühler. Das Prinzip der Dynamic Gradient Compression ermöglicht eine bessere Sauerstoffversorgung der Muskeln, während Muscle Focus die Stabilität und Koordination der Muskulatur optimiert. «Perfekt für lange Distanzen,» bestätigt Cherez Tschopp. Sie fand den Kühlungseffekt sehr angenehm und schätzte ausserdem die ‘Anti-Rise Strips’ am Top, die ein lästiges Hochrutschen verhinderten. Die ‘Muscle Focus’-Technologie gewährte ihrem verletzten Knie zusätzlichen Halt.

 

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Swiss Iron Trail

Der Iron Trail ist ein extrem langes, hochalpines, technisch, physisch und psychisch ausserordentlich anspruchsvolles Trail Running Event. Einzelne Stellen sind exponiert.

Für T201 und T141 stehen je maximal 400, für T81, T41 und T21 unbeschränkt Startplätze zur Verfügung.

www.irontrail.ch

Praktisches

www.trailrunningswitzerland.ch

www.trailrunning.de/termine

 

Wetter

www.meteoblue.com

www.wetteralarm.ch

Text: Carina Scheuringer
Fotos: zVg von Mammut, Cherez Tschopp, Sam Anderson






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