Schweizer Berghilfe – Wegweiser der Zukunft


Menschen mit Mut, Engagement und innovativen Ideen: das sind die Zukunftsträger der peripheren Berggebiete der Schweiz. Davon ist Eva Brechtbühl überzeugt. Deshalb fungiert die Tourismusfachfrau, die 37 Jahre für Schweiz Tourismus tätig war, ab dem Zeitpunkt ihrer Pensionierung vor sechs Jahren, auch als ehrenamtliche Expertin für die Schweizer Berghilfe.


Etwa ein Viertel der Schweizer Bevölkerung lebt im geografisch definierten Berggebiet, welches wiederum rund zwei Drittel der Landmasse der Eidgenossenschaft umfasst. Besonders in peripheren Regionen verfügen Menschen nicht über dieselben Möglichkeiten, wie in der Stadt oder im Unterland. Die Arbeit ist hart, der Ertrag gering. Schulen und Ausbildungsstätten liegen oft meilenweit entfernt. Teilweise fehlt sogar ein einfacher Dorfladen oder eine gemütliche Gaststätte.

Die Folgen sind weitreichend. Viele Dörfer und Talschaften leiden unter Abwanderung und Überalterung. Manche laufen sogar in Gefahr, in naher Zukunft völlig von der Landkarte zu verschwinden. Es ist eine Realität, der sich die Bergler schon seit Generationen bewusst stellen – und das tatkräftig.

 

Movers und Shakers

An Potential mangelt es den Bergregionen nicht. Das verdeutlichen alleine die unzähligen agro-und kulturtouristischen Projekte, die im letzten Jahrzehnt so manche Region neu belebten. Auch liegt es selten am Mut oder Engagement der lokalen Bevölkerung. Denn um neue Verdienstquellen zu erschliessen, sind viele Bergler gerne bereit, hart zu arbeiten und innovative Wege zu gehen. Schlafen im Stroh, Käsern auf der Alp oder Schlittenhunde-Touren zählen zu den Erfolgsgeschichten von heute.

 

Doch wo ein Wille, ist leider nicht immer ein Weg. Denn zukunftsorientierte Projekte setzen oft Investitionen voraus, die die finanziellen Möglichkeiten vieler Einzelpersonen übersteigen. Sind alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft, bleibt schlussendlich nur noch eine Hoffnung: die Schweizer Berghilfe.

 

Hilfe zur Selbsthilfe

Die, im Zuge des Zweiten Weltkrieges gegründete Stiftung, ist eine ausschliesslich durch Spenden finanzierte Organisation mit dem Ziel, die Existenzgrundlagen und Lebensbedingungen in den Schweizer Berggebieten zu verbessern. Durch die finanzielle Unterstützung von zukunftsweisenden Projekten fördert die Schweizer Berghilfe die „Selbsthilfe der Bergbevölkerung” in mittlerweile acht Bereichen: Landwirtschaft, Tourismus, Gewerbe, Energie, Wald und Holz, Gesundheit, Bildung und Nothilfe.

 

Alleine im letzten Jahr wurden 617 Projekte mit CHF 28.4 Millionen gefördert. Die finanziellen Mittel wurden von mehr als 57’900 Spenderinnen und Spendern zur Verfügung gestellt und das vorwiegend aus den Stadt-und Agglomerationsgebieten. Dort ist das Solidaritätsgefühl gegenüber der Schweizer Bergbevölkerung ungebrochen.

 

Der Virus Berg

Auch für die gebürtige Zürcherin, Eva Brechbühl, ist die Unterstützung der Schweizer Bergbevölkerung eine Herzensangelegenheit. Schon vor zwanzig Jahren begleitete sie ihren Vater bei ‘Hausbesuchen’ für die Schweizer Berghilfe durch das Gotthard-Gebiet. Dort – in der Heimatregion ihres Vaters – erlebte sie hautnah, „wie schön und wichtig es war, diesen Menschen beim Kampf um ihre Existenz zu helfen.” Seit Eva vor sechs Jahren – nach einer 37-jährigen Tätigkeit bei Schweiz Tourismus – ihre wohlverdiente Pension antrat, engagiert sich die Tourismusexpertin persönlich für diese Anliegen.

 

Folglich hat ihr Ruhestand auch wenig mit Ruhe zu tun. Für die Schweizer Berghilfe ist Eva im ganzen Land unterwegs. Ihr Ziel: die entlegensten Dörfer und verstecktesten Talschaften der Schweizer Bergwelt. Denn dort ist ihre Meinung besonders gefragt. Die 66-Jährige ist eine von 34 ehrenamtlichen Fach-und Regions-Experten der Schweizer Berghilfe, die Anfragen vor Ort einschätzen und Anträge an den Projektausschuss verfassen.

 

Gemeinsam mit ihren Kollegen und Kolleginnen leistete sie im Jahre 2013 insgesamt 6’400 Stunden Freiwilligenarbeit. Nur so ist sichergestellt, dass die gespendeten Gelder auch gezielt und wirksam eingesetzt werden. Eva hat ein feines Gespür für Menschen und stellt gezielte Fragen – manchmal auch indiskrete –und freut sich immer wieder aufs Neue über das Feuer und die Leidenschaft der Schweizer Bergbevölkerung. Sie sieht vor allem in der Vernetzung von Menschen und Bereichen das grösste Potential für die Zukunft.

 

Projekte, die Geschichte schreiben

Wird ein Projekt letztlich bewilligt, kehrt Eva nach zwei Jahren zur sogenannten „Wirkungsmessung” zurück. „Das mache ich besonders gerne”, verrät sie. „Denn der Austausch ist immer spannend. Die Menschen haben Freude, wenn sie uns Erreichtes zeigen oder auch ihre Sorgen mit uns teilen können. Und wir wiederum können aus jedem Beispiel unsere Lehren ziehen.”

 

Und vieles hat Eva in den letzten sechs Jahren gelernt! Unzählig sind die Erfolgsgeschichten und eindrücklichen Begegnungen, an die sie sich immer wieder gerne erinnert. Doch eine aussergewöhnliche Begebenheit gibt es, die ein besonders herzliches Lächeln in ihr Gesicht zaubert: die Geschichte von Matthias Hehl.

 

Vor Jahren übernahm der Geograf und Lehrer Hehl die Alpenrose, ein stillgelegtes Gasthaus im einsamen Gadmental, um dort eine Betreuungs-und Ausbildungsstätte für Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen zu schaffen. Doch es fehlten die Gäste, die durch diese jungen Menschen bekocht und bewirtet hätten werden sollen. So entwickelte Hehl ein zweites, zukunftsweisendes Projekt, welches touristische und gewerbliche Ziele vereint: die Gadmen-Lodges.

 

„Ich bewundere diese Menschen”, verkündet Eva strahlend. „Denn in ihren Händen liegt die Zukunft der Schweizer Berggebiete. Hoffentlich gelingt es uns – mit vereinten Kräften – diese zu erhalten.”

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Projektbeispiele

 

Ernen

Seit nunmehr vierzig Jahren findet in der Barockkirche von St. Georg, in Sälen und auf Plätzen das Festival „Musikdorf Ernen” statt. Mit 5’000 Besuchern ist diese Veranstaltung, die Tradition und Moderne auf beindruckende Weise vereint, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Region. Bedauerlicherweise stand jedoch für die vielen Besucher nur eine einzige Toilette zur Verfügung. Das konnte, mit Hilfe der Schweizer Berghilfe, geändert werden.

 

Seelisberg

Am Seelisberger Seeli wurde mittels Spendengelder ein Naturcamping Platz realisiert. Dieses führte zur Belebung der ganzen Region. Denn die Gäste zahlen nicht nur Platzmiete, sondern kaufen auch im Dorfladen oder im Badi-Kiosk ein oder besuchen womöglich auch das Dorfrestaurant.

 

Dallenwil

Was ist zu tun, wenn die traditionelle Milchwirtschaft kein Einkommen mehr garantiert? Man züchtet doch einfach Hirsche, dachte die Familie Durrer und schuf sich damit eine zukünftige Verdienstmöglichkeit.

 

Val-de-Travers

La Maison de l’Absinthe soll die Geschichte der berühmten grünen Fee an der Route de l’Absinthe wieder aufleben lassen. Entlang des Weges können die Besucher bei Bauern einkehren und Absinth kaufen.

Schweizer Berghilfe

Soodstrasse 55

8134 Adliswil

+41 (0)44 712 60 60

www.berghilfe.ch

Spenden: www.berghilfe.ch/de/spenden/moeglichkeiten

Text: Carina Scheuringer
Fotos: swiss-image.ch / Robert Boesch & Carina Scheuringer






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