Save the Date: Interview mit Dani Arnold


Berge versetzen

Dani Arnold ist ein Grenzgänger. Der Bergführer und Extremkletterer bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Leben und Tod und verschiebt so im alpinen Bereich die Grenzen des Möglichen. Im April 2013 gelang Arnold gemeinsam mit dem Österreicher David Lama die Erstbegehung der 1’500 Meter hohen Nordostwand des ‘Moose’s Tooth’ in Alaska. Zuvor vollbrachte er mit Stefan Siegrist die erste Winterbesteigung des Torre Egger in Patagonien und war unter den Erstbesteigern des ‘Wild Woman Peaks’ in China. In der Schweiz sorgte der Urner aus dem winzigen Bergdorf Biel für Schlagzeilen, als er 2011 in der legendären Eigernordwand die bisherige Rekordzeit von Ueli Steck um über 20 Minuten unterbot. Wir treffen Dani vor seiner Schweizer Tour ‘Der Grenzgänger’ und erhaschen erste Einblicke in seine Welt der Abenteuer:


Wie wurdest du zu einem Grenzgänger?

Meine Heimat, die Urner Bergwelt, hat mich sehr stark geprägt und spielt auch heute noch eine grosse Rolle in meinem Leben. Ich liebe es, nach Hause zu kommen. Bereits als Kind habe ich versucht, meine Grenzen auszuloten. Ich habe mich immer bemüht, mein Bestes zu geben und so weit zu gehen, wie es möglich war. So ist es auch heute noch – wenngleich ich jetzt bedeutend erfahrener bin als damals.

Was macht den Reiz für dich aus, an deine Grenzen zu gehen?

Das Gefühl etwas geschafft zu haben, für das ich kämpfen musste. Das Geniale dabei ist, dass das jeder machen kann. Es geht ja letztlich immer nur darum, an die eigenen Grenzen zu gehen.

Deine Grenzen übersteigen die der meisten Menschen. Wie steckst du dir Grenzen?

Ich habe mir immer schon grosse Ziele gesetzt. Ich versuche einfach gleich gut oder besser als die andern zu sein.

Du hast gesagt, dass man heutzutage um das ‘Recht auf Risiko’ kämpfen muss. Was meinst du mit dieser Aussage?

Wenn heute jemand von Risiko spricht, ist das immer negativ gemeint. Wenn man sich aber seriös auf ein Unterfangen vorbereitet, dessen Ausgang nicht klar ist, empfinde ich das als ein ‘gutes’ Risiko. Der Mensch braucht Herausforderungen.

Deine Spezialität ist das Eisklettern – wie hast du diese Sportart für dich entdeckt?

Ich liebe das Eis. Am Anfang war dieses unbekannte Medium an sich interessant. Jetzt bleibt das Erlebnis, einen Eisfall zu beklettern, welcher einige Monate später nicht mehr da ist.

Wie kamst du dazu, Rekordversuche in Angriff nehmen zu wollen?

Es reizte mich, einmal zu sehen, wie schnell ich klettern kann. Es ging dabei nicht um einen Wettkampf mit andern, sondern um ein Ringen mit mir selbst.

Die höchsten Berge sind bestiegen. Welche Grenzen können im alpinen Bereich überhaupt noch überwunden werden?

Es gibt immer wieder neue Möglichkeiten, durch bessere Technik (z.B. mit Eisgeräten im Fels), besseren Material oder bessere Trainingsgegebenheiten, die Grenzen des Möglichen zu verschieben. Viele enschen denken, dass es nicht mehr möglich ist, erschwert oder schneller zu klettern, doch das ist keineswegs der Fall.

Mit 2 Stunden 28 Minuten für die Eigernordwand wurdest du zum schnellsten Aufsteiger aller Profi-Alpinisten und unvermittelt ins Rampenlicht katapultiert. Wie war diese Erfahrung?

Rückblickend habe ich die Reaktionen – ehrlich gesagt – unterschätzt. Der Umgang mit dem Medienrummel war neu für mich und ich musste lernen, damit umzugehen, dass plötzlich Leute an meiner Person interessiert waren.

Im April 2013 gelang dir die Erstbesteigung der 1’500 Meter hohen Nordostwand des ‘Moose’s Tooth’ in Alaska zusammen mit David Lama. Wie war diese Meisterleistung möglich?

Es war ein sehr ambitioniertes Ziel. Wir waren beide noch nie in Alaska. Mit David hatte ich einen tollen Partner und die Bedingungen waren ideal: Schon bei unserer Ankunft machte sich ein stabiles Hochdruckfeld breit. Dieses bot uns die Gelegenheit, diese Route zu wählen. Dennoch war das Unterfangen alleine schon aufgrund der extremen Kälte sehr schwierig. David und ich hatten noch einige Wochen später ein eigenartiges Gefühl in den Fingern – sicherlich die Folgen einer leichten Erfrierung. Trotzdem war Alaska eine jener Expeditionen, wo alles klappte – das ist zumeist nicht der Fall…

Wie bereitest du dich auf deine Abenteuer vor?

Ich arbeite auch noch als Bergführer. Dadurch bin ich über das ganze Jahr einigermassen fit. Dann ist entscheidend, welches Projekt als nächstes ansteht. Wenn zum Beispiel eine Expedition zu den hohen Bergen geplant ist, dann versuche ich mehr Kondition als Kraft zu trainieren.

Was ist dein nächstes Ziel?

Ich werde den Winter in unseren Alpen verbringen. Auch da gibt es noch viel zu tun. Speziell im Winter.

Du bereist die Welt auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Was bedeutet Heimat für dich?

Heimat ist für mich eines der wichtigsten Dinge im Leben. Ich liebe das Reisen; ich liebe es, andere Regionen und Kulturen kennen zu lernen. Aber nach einiger Zeit freue ich mich wieder auf Uri. Zwangsläufig ist nicht nur meine Heimat wichtig, sondern haben auch mein Umfeld, meine Familie, Freunde usw. eine sehr grosse Bedeutung für mich.

Von Februar bis Ende März entführst du deine Mitmenschen mit ‘Grenzgänger’ auf eine Reise in deine Welt. Warum ist es wichtig für dich, andere an deinen Abenteuern teilhaben zu lassen?

Es gibt nur wenige Menschen, die die Möglichkeit haben, die Berge auf diese Weise zu erleben. Die Bilder, die ich dank der Fotografen teilen kann, sind einzigartig und bringen sicherlich viele Zuhörer zum Träumen. Es ist mir auch sehr wichtig, aufzuzeigen, wie Expeditionen vorbereitet werden –der extreme Alpinismus ist eine ernsthafte Sache. Schliesslich geht es auch mir darum, zu verdeutlichen, dass man sich nicht zu wichtig nehmen sollte. Ich möchte zeigen, dass ich auch mit Rekorden nur ein Mensch bin..

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Information

 

Vortrag: ‘Der Grenzgänger’

  1. Februar: Thun
  2. Februar: Bern
  3. Februar: Solothurn
  4. März: Basel
  5. März: Altdorf
  6. März: Buchs AG
  7. März: Stans
  8. März: Cham
  9. März: Luzern/Kriens
  10. März: Schwyz
  11. März: Nottwil
  12. März: Zürich
  13. März: Winterthur
  14. März: Wil SG
  15. März: Jona
  16. März:  Chur
  17. März: Schaan FL

Dauer: 2 h 15 min

www.explora.ch






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