Kloster St. Johann, Müstair: Zwischen Himmel und Erde


Kloster St. Johann, Müstair: In den Bündner Bergen errichtete Karl der Grosse einst ein mächtiges Kloster. Zwölf Jahrhunderte später kann man hier auf den Pfaden der Geschichte wandeln und in diese Zeit zurückblicken. 


Müstair – das rätoromanische Wort für «Monasterium» – ist das letzte Dorf vor Südtirol im gleichnamigen Tal. Hier, im östlichsten Winkel der Schweiz, liess der frisch gekrönte König der Langobarden, Karl der Grosse, um 775 ein mächtiges Kloster erbauen. Damit, so besagt die Legende, wollte er sich beim Herrgott für seine Rettung während eines Schneesturms am nahen Umbrailpass erkenntlich zeigen. Dass das «Clostra Son Jon» genau dort entstand, wo sich damals zentrale Handelswege kreuzten, war nicht zufällig. Müstair war ein wichtiger Stützpunkt für die Expansionspolitik des Frankenherrschers und fortan Gotteshaus, Festung, Refugium und Quartier für Händler zugleich.

1’200 Jahre später ist vom Vermächtnis Karl des Grossen erstaunlich viel erhalten geblieben, denn die Anlage wurde in ihrer Geschichte nie völlig zerstört, war durchgehend bewohnt und wurde auch immer nur partiell umgebaut. Folglich präsentiert sie sich heute als ein Konglomerat an Gebäuden verschiedenster Baustile unterschiedlicher Epochen und ist so ein wertvolles Fenster in längst vergangene Tage. Ursprünglich als Mönchskloster gegründet, ist es seit dem 12. Jahrhundert Frauenkonvent des Benediktinerordens.

Entdeckungen der Schweizer Wissenschaftler Robert Durrer und Joseph Zemp Ende des 19. Jahrhunderts zeigen den historischen und kulturgeschichtlichen Wert der Klosteranlage – vor allem der Wandmalereien in der Klosterkirche, die den grössten und besterhaltendsten Freskenzyklus aus dem Frühmittelalter darstellt. Zu dieser Zeit waren die Gebäude dringend sanierungsbedürftig. Schilderungen der Nonnen zufolge, waren die Dächer so undicht, dass bei Regen Eimer aufgestellt werden mussten.

1969 schärfte eine «Schoggitaler-Aktion» des Schweizerischen Heimatschutzes das Bewusstsein der Bevölkerung für die Notwendigkeit einer langfristigen Unterstützung für Müstair. Es wurde die Stiftung «Pro Kloster St. Johann in Müstair» ins Leben gerufen, die sich bis heute für die Sanierung und Erhaltung der Anlage engagiert sowie für die Öffentlichkeitsarbeit einsetzt.

Im Jahr 1983 wurde St. Johann Müstair als eine der ersten Stätten der Schweiz zum UNESCO-Welterbe erhoben.

Heute ist das Clostra Son Jon vor allem noch eines: Ein lebendiges Kloster; jedoch gleichzeitig auch ein Ort der Wissenschaft und Forschung sowie ein Ort, an dem man als Besucher in Führungen oder bei einer Klosterübernachtung in eine andere Welt eintreten kann, die einen so schnell nicht wieder los lässt.

Mit dem Klosterbau wollte sich Karl der Grosse beim Herrgott für seine Rettung während eines Schneesturms erkenntlich zeigen.

 

Kloster St. Johann, Müstair 

Klostermuseum Müstair 

7537 Müstair 

+41 (0)81 851 62 28 

visit-museum@muestair.ch 

www.muestair.ch 

Museums- oder Kirchenführungen ab 6 Personen 

Kombi- und Privatführungen auf Anfrage 






Kommentare