Vier-Seen-Wanderung: Spektakulär Seen-swert


Die Vier-Seen-Wanderung verbindet Melchsee-Frutt und Engelberg. Auf knapp 18 Kilometern und 600 Höhenmetern führt die abwechslungsreiche Wanderung durch eine fantastische Bergwelt einer faszinierenden Hochebene mit wunderschöner Flora, glasklaren Seen und atemberaubenden Ausblicken auf Titlis und die Obwaldner- und Berneralpen.


Ehe wir ankommen, heben wir ab. Von der Stöckalp ob Kerns schaukelt uns die moderne 15er- Gondelbahn in nur zwölf Minuten auf die Frutt. Einst war die Luftverbindung, die in den 1930er Jahren von Hotelier Otto Reinhard realisiert wurde, die längste der Schweiz. Ihre Konstruktion legte den Grundstein für die erste Tourismusblüte auf der Hochebene, die schon damals weithin für ihre Schönheit bekannt war.

Im Jahre 1869 schrieb der Basler Botaniker und Jurist, Dr. Hermann Christ, über die Melchseealpen: «Es ist zum Glück noch ein Eden übrig (…); ein unbekanntes, unberührtes Land voll Grün und Frische, gross genug, um ferne darin zu schwei-fen, ein Land der blumigen Matten, der ernsten Wälder, der lachenden Seen, der weiten Hochtriften, der Gipfel mit dem Ausblick auf die schönste Gebirgsgruppe der Alpen.»

Unbekannt und unberührt ist Melchsee-Frutt heute zwar längst nicht mehr. Über 150 Jahre Tourismus haben die «Wildi» – wie die Einhei-mischen die traditionellen Sommerweiden sowohl liebevoll als auch respektvoll nennen – vielerorts gezähmt. Doch ist der Charme der «lachenden Seen» und grosszügigen, «blumigen Matten» im Kranze der Berge durchaus erhalten geblieben.

Der hochalpine Garten 

Auf der Sonnenterrasse der «Frutt Lodge & Spa», jenem Ort, wo einst das erste Kurhaus stand, blicken wir in die befreiende Weite. Selten kann der Blick auf gut 1’900 Höhenmetern so ungehemmt und weitreichend über die sanften Hügel gleiten. Zu unseren Füssen schlummert friedlich der tiefblaue, forellenreiche Melchsee und das Blumenmeer der drei Alpen der Hochebene: Aa, Melchsee-Frutt und Tannen. Jede dieser Alpen mit eigener Kapelle und den fröhlich bimmelnden Glocken zahlreicher Kuhherden.

Diese Szenerie umgebend, ragen auf allen Seiten und nackte Felsen, teils schneebedeckt. Blickfänge bietet besonders der Osten, wo die weissen Gletscherhauben von Titlis und Gadmenflühe verheissungsvoll in der Sonne gleissen. Und sie werden wir später noch aus anderen Blickwinkeln bestaunen dürfen, geleitet uns doch die heutige Wanderroute entlang der vier Seen am Fuss des Titlis nach Engelberg.

Abwechslungsreiche Routen 

Rund 50 Kilometer Naturwege durchkreuzen das beliebte Wandergebiet der Melchseealpen; führen sowohl gemächlich entlang der Ebene als auch – über Stock und Stein – zu den aussichtsreichen Gipfeln. Die Vielfalt hat Melchsee-Frutt als 3-Generationen Destination etabliert; das umfassende Angebot mit dem Gütesiegel «Familien willkommen» ausgezeichnet. Tatsächlich werden hier verschiedenste Bedürf-nisse erfüllt.

Auch unsere Vier-Seen-Wanderung ist in unterschiedlichen Varianten zu begehen und kann zum Beispiel mit Sesselliften verkürzt werden – eine besonders interessante Variante heute, zumal am Nachmittag ein Wetterumschwung erwartet wird. Hurtigen Schrittes machen wir uns also auf den Weg, zweigen nach dem Panoramalift links ab und wandern zwischen dem Boni-Klettergarten und der asphaltierten Strasse vom Melchsee, unserem ersten See, in Richtung Tannalpsee, während sich am Horizont bereits die Wolkenberge zu türmen beginnen.

Begegnungen am Weg 

Auf halber Strecke begegnet uns der Engel der Frutt, Engelbert Ettlin. Er ist an einem Montagmorgen mit einem Mini-Bagger unterwegs und führt, gemeinsam mit Pisten- und Rettungschef Bärti Durrer, Erhaltungsarbeiten durch. Letzterer lässt sich spontan zu einer kurzen Schaffenspause bewegen und gewährt spannende Einblicke in die Geschichte der Hochebene. Einst, so verrät der Kernser, habe es hier mehrere Stillgewässer und Moore gegeben, die teilweise verschwanden, als zur vorletzten Jahrtausend-wende der Tannen- und Fruttsee zur Stromgewinnung aufgestaut und die Landschaft so gestaltet wurde, wie wir sie heute vor uns sehen.

Griff der Mensch damals unwiderruflich in die Natur ein, so ist man hier heute besonders bemüht, ihr auch immer wieder einen Teil von dem zurückzugeben, was sie einst verlor. Fünf Bartgeier wurden in den letzten zwei Jahren ausgewildert, in der Hoffnung, dass der grösste Vogel des Alpenraumes auf den Melchseealpen wieder Fuss fassen möge. Wir halten nach Alois, Cierzo und Co Ausschau, während wir den Markierungen zur grünen, begehbaren Mauer des Tannensees folgen, wo Engels Sohn Linus fleissig am Fischen ist.

Noch beissen die Forellen zwar nicht, jedoch entschädigen ihn dafür das fantastische Panorama der im See kopfüberstehenden Berggiganten sowie die verträumte Uferlandschaft mit ihren kleinen Seen. Kein besserer Ort, um einen freien Tag auf der Frutt zu verbringen, versichert uns Linus und winkt uns, wie schon zuvor sein Vater, fröhlich unseres Weges.

Interessante Einblicke 

Kurz nach unserem zweiten See erreichen wir die Tannalp. Im Weiler liegen schmucke Hütten rings um eine hübsche Kapelle verstreut, eingebettet in saftige, bunte Weiden. Die Kühe von dreissig Bauern verbringen hier den Alpensommer. Von Mitte Juli bis Ende August verarbeitet Noldi Bucher ihre Milch täglich nach alter Tradition zu Käse, Joghurt und Butter, während ihm neugierige Besucher über die Schulter blicken.

Unter dem wachsamen Auge dieser Vierbeiner lassen wir die Idylle hinter uns und folgen dem nun abschüssigen Weg am Fusse der Spycherflue in Richtung Engstlenalp. Atemberaubend ist der Ausblick der uns fortan begleitet. Unendlich steil fällt der Hang am Wegrand in die Tiefe. Unten, ganz weit unten, schlummert – wie entrückt von dieser Welt – das Gental. Dahinter erheben sich felsige Stöcke – mal schroff, mal gerundet, mal firngepanzert, wie Wächter am Tore eines geheimnisvollen Ortes. In der Ferne schillert einladend der schöne Engstlensee, der dritte See unserer heutigen Wanderung.

Magische Orte 

Schon zu alten Zeiten war die Engstlenalp ein beliebter Ausgangspunkt für Touren und Wanderungen. Der Anblick des alten Berghotels katapultiert uns augenblicklich zurück in längst vergangene Tage, als man hier noch mit Maultieren Station machte. Bis heute ist das Gebiet beliebt und so teilen sich an einem Sommertag Fischer das Ufer mit fröhlichen Ausflüglern.

Wir schlagen das Mittagslager unweit des markan-ten hohen Felsen auf, der neben einer grossen Tanne einen Kraftort markiert. Hier – wo angeblich jeder Kompass verrücktspielen soll – lassen wir Beine und Seele baumeln und stillen unseren Hunger, bis uns das dunkle Wolkenband zum Aufbruch mahnt. Immer enger zieht sich nun die Schlinge zu – ein Anzeichen, welches meine Begleiterin, Ursi Meier, genau erkennt. Wegen der Liebe kam sie einst hierher und ist nun Leiterin Info & Verkauf bei den Sportbahnen.

Kleine Abenteuer

Schnell muss es nun weiter gehen; die Route mittels Sessellifte über den Jochpass verkürzt werden. Im Nu erreichen wir so unsere heutige Nummer vier: den funkelnden Trübsee, ein kleines Paradies ob Engelberg, wo Grillstellen, Ruderboote, Spielplätze und ein Themenweg zum Verweilen einladen würden, wäre jetzt keine Hast angesagt.

Immer stürmischer wird der Wind, der über Wiesen und Weiden fegt; die Kühe nach Hause treibt. Spürbar ist das nahende Unwetter, das sich über unser aller Köpfe zusammenbraut und uns schnellen Schrittes den See umrunden lässt. Noch ein Blick auf das Spiegelbild des Titlis und schon ist er verschwunden, umhüllt von dichten, dunklen Wolken.

Als die Gewalten der Natur schliesslich losbrechen und die schöne Landschaft verschlucken, sind wir dem Schauspiel gerade noch in der Gondel ent-schwebt und stossen unten in Engelberg an auf einen erfolgreichen Tag. Eine wahrlich schöne, interessante Wanderung – und an diesem heutigen Tag auch ein bisschen abenteuerlich.

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Was unternehmen?

PRAKTISCHES 

Vier-Seen-Wanderung 

Route: Melchsee-Frutt – Melchsee – Tannensee – Engstlensee – Trübsee – Engelberg 

Anreise: mit der Gondelbahn von Stöckalp nach Melchsee-Frutt 

Schwierigkeit: mittelschwer, mit Sessellift vereinfach- und verkürzbar 

Höhendifferenz: ± 600 Höhenmeter 

Wanderzeit: ca. 4 Stunden 

Sportbahnen Melchsee-Frutt 

Sarnerstrasse 1, 6064 Kerns 

+41 (0)41 669 70 60 

www.melchsee-frutt.ch 

 

RailAway-Kombi-Angebot 

20% Ermässigung auf die ÖV-Fahrt (Zug/Postauto) nach Engelberg und ab Stöckalp zurück 

20% Ermässigung auf die Fahrt mit den Gondelbahnen Engelberg–Trübsee und Melchsee-Frutt–Stöckalp sowie wahlweise mit Jochpass- oder Engstlen-alplift (auf Wunsch muss der zweite Sessellift dazu gebucht werden) 

Angebot gültig bis 16. Oktober 2016 

www.sbb.ch/vier-seen-wanderung

SPOT TIPP: AKTIONSWOCHE MELCHSEE-FRUTT

10. bis 18. September 2016

CHF 13: Retourfahrt mit der Gondelbahn Stöckalp – Melchsee-Frutt

CHF 18: Retourfahrt mit der Gondelbahn Stöckalp – Melchsee-Frutt – und weiter mit der Luftseilbahn zum Bonistock und retour

CHF 25: Tageskarte (Gondelbahn, Luftseilbahn, Fruttli-Zug)

Bis 16. Oktober fahren Kinder bis 16 Jahre gratis auf allen Anlagen in Begleitung eines Erwachsenen mit gültigem Fahrausweis. Nicht gültig für Kleingruppen, Gruppen und Schulen.

Informationen: www.melchsee-frutt.ch

Text: Carina Scheuringer 
Fotos: Carina Scheuringer und Ursula Meier 






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