Vals: Zwischen Himmel und Erde


Man sagt, es bestünde eine mystische Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Umgebung. Im hintersten Winkel der Surselva stossen wir im Valsertal auf eine Welt, wo die Natur mächtiger ist als der Mensch und treffen auf Dorfbewohner, deren Geist so weit und offen ist wie das Firmament über ihren verschneiten Bergspitzen. Von ihnen erlernen wir die Kunst, unseren Alltag hinter uns zu lassen und in der Kraft der Natur neue Energien zu tanken.


«In Vals erlebt man die Natur auf spezielle Weise. Ich glaube, das hat schon mit dem Prozess zu tun, wie man hier ankommt.» Markus Casutt 

Das Tal wird eng; immer enger. Links und rechts ragen unwirtliche Felswände in den Himmel. Dazwi-schen – in der Tiefe des Abgrundes – donnert der Vorderrhein ungestüm wie ein Geschöpf der Unterwelt. Immer wilder windet sich nun auch die Strasse vor uns.

Doch unser Postauto fährt unbekümmert weiter; unbeeindruckt von den sich aufbäumenden Naturgewalten tuckert es der steinernen Welt entgegen. Mit der letzten Kurve ist dann mit einem Mal die Enge vorbei. Plötzlich öffnet sich das Tal und vor uns schlummert ein malerisches Bergdorf, so schön wie ein kleines Paradies auf Erden.

Wir haben es erreicht: Das gefühlte Ende der Welt. Vor uns liegt Vals, einer der wenigen Orte, der den Menschen noch Dinge bietet, «die sie in der urbanen Welt nicht (mehr) vorfinden.» Die mit Valser Quarzit gedeckten Häuser des urigen Bergdorfes sind idyllisch von Dreitausendern umrahmt.

Kraft der Berge 

«In Vals kann man runterfahren.» Marionna Casutt 

Vals ist einer dieser Orte, die zwischen Himmel und Erde liegen. Hier hat die Isolation Mensch und Umwelt auf geheimnisvolle Weise zusammengeführt und dem Tal eine magische Kraft verliehen, die augenblicklich berührt und verbindet. Nach Vals kommt man nicht zufällig. Doch war man einmal hier, kommt man wieder.

Seit Jahrzehnten hält sich die Einwohnerzahl des Dorfes auf konstantem Niveau: 1’000 Menschen, 1’000 Schafe. Viele, die weggehen, kehren wieder zurück. Und immer sagen sie dasselbe. Die Stimmen der Valser werden sanft, wenn sie von ihrer schönen Bergwelt sprechen, die einen Ausgleich zur modernen Welt bietet und ihnen Halt gibt. Hier begann vor 700 Jahren ihre Geschichte, als die Walser vom Oberwallis in die Surselva auswanderten und sich im wilden Valsertal niederliessen. Und hier wird auch ihre Zukunft sein.

«Die Berge sind ganz wichtig», bestätigt Marionna Casutt, die sich vor drei Jahren mit dem Hotel «Steinbock» ihren Jugendtraum im Dorf verwirklichte. Auf einem der Berggipfel habe sie den bedeutenden Entschluss der Betriebsgründung gefasst und während der anstrengenden Umsetzung in den Bergen immer wieder Kraft getankt. «Die Berge», so sage sie ihrem Sohn Sandro immer, der ein Tattoo Studio unterhält, gingen eben «auch unter die Haut – aber farblos!»

Fasziniert beobachtet die Valserin heute, wie die Natur nicht nur das Dorf als solches, sondern auch ihre Gäste ständig aufs Neue zu stärken vermag; wie der Alltagsstress von den städtischen Besuchern innert kürzester Zeit abfällt und Menschen zur Ruhe kommen. Die Therapie ist einfach: Sie beginnt mit einem Tag am Berg und endet mit einem Tag Wellness. All das wird begleitet von wunderbaren Menschen, köstlichen Mahlzeiten und himmlischen Betten.

Ganz persönlich 

«Vals ist ein Kraftort für Geist Seele und Körper.» Janine Westenberger 

150 Quadratkilometer und 50 Berggipfel umfasst die Gemeinde Vals und ist damit die grösste in der Surselva. Fünf Beförderungsanlagen führen entlang der sonnigen Ostflanke des Dachberges in die hochalpine Szene auf 3’000 Meter Höhe, wo der Blick an klaren Tagen bis in die Walliser Alpen reicht.

Hier – in der höchstgelegensten Skiregion Graubündens – verzaubert uns die himmlische Winterstille. Es herrscht keine Hektik, kein Gedränge. Fast überall glitzert noch unberührter Schnee und stehen einsame Büsche und Bäume wie stumme Märchengestalten umhüllt im weissen Wintermantel. Nur vereinzelt hinterlassen Ski- und Variantenfahrer, Snowboarder und Carver Spuren im griffigen

Schnee der breiten Pisten oder vergnügen sich in den natürlichen Halfpipes. Wer ein ungeteiltes, individuelles Wintererlebnis sucht, ist hier goldrichtig. Selten gibt es mehr Raum, der Natur – und sich selbst – am Berg näher zu kommen.

Gadastatt, die Bergstation der modernen Achtergondelbahn, ist neben Schneeschuhwanderungen und Touren auch ein idealer Ausgangspunkt für einfache Winterspaziergänge, darunter auch der Klassiker nach Zerfreila, den wir heute mit Edi Schnider und seiner Hündin Ester begehen.

Das grosse Kino 

«In der Natur kann man so richtig abschalten. Sie ist der beste Fernseher.» Edi Schnider 

Hat es Ester in der Nase, so hat es Edi längst erspäht. Nichts entgeht dem geschulten Auge des ehemaligen Kriminalpolizisten, der in der Pension aus dem Churer Exil zurückgekehrt ist. Mit seinem Fernglas beobachtet der gebürtige Valser verschiedenste Tiere – wie Gämsen, Steinböcke und Adler – erklärt ihr Verhalten und lässt uns auf unvergessliche, humorvolle Weise in das Leben dieser Tiere Einsicht nehmen.

Ob Tag oder Nacht; Regen, Nebel oder Sonnenschein; Frühling, Sommer, Herbst oder Winter – Edi weiss immer, wo es etwas zu entdecken gibt und dass man hierfür manchmal gar nicht so viel Zeit aufwenden muss. Denn, so verrät er augenzwinkernd, könne man sogar mitten im Dorfzentrum von Vals faszinierende Natur im Bachbett des Vorderrheins erleben, wenn man zum Beispiel Wasseramseln beim Fischen beobachtet.

Eines seiner schönsten Erlebnisse sei ihm jedoch hier auf dem Berg widerfahren: Die Geburt eines Kitzes. Mit angehaltenem Atem habe er damals zwei Stunden ausgeharrt, bis das Kleine endlich gesund und munter das Licht der Welt erblickte. Es wäre fast über den Felsvorsprung geplumpst, hätte es die Geiss nicht doch noch im letzten Moment retten können. Spannender, als der beste Krimi, meint er.

Auf Anfrage bietet Edi ganzjährig Wanderungen für Gruppen und Einzelpersonen durch das Valsertal an und spricht dabei auch gerne über Land und Leute. Während eines Mittagessens im Restaurant Ganni erzählt er uns aus dem Geschichtsbuch seines Dorfes – von den grossen Errungenschaften und Herausforderungen; der ersten Milchpipeline, der grossen Lawine, der Therme, der nachhaltigen Landwirtschaft und dem neuen Altersheim.

Er beschreibt hartarbeitende und innovative Menschen, die unter weitsichtiger Nutzung der drei vorhandenen Ressourcen – Wasser, Stein und Wiesen – gemeinsam ein Bergdorf mit Vorbildcharakter geschaffen haben und in ihrer zukunftsorientierten Haltung nun weiter gefordert sind.

Stein und Wasser 

«Entdeck dini Quella.» Valser Wasser 

Wasser und Stein haben in Vals eine lange Tradition. Mit der unter Denkmalschutz stehenden Therme des Bündner Architekten Peter Zumthor, erlangte Vals vor nunmehr zwanzig Jahren internationalen Ruhm. Seine zeitlose Hommage an das Ritual des Badens ist Stein auf Stein aus 60’000 Valser Quarzit-Stücken in die Landschaft gebaut und mit Licht formvollendet in Szene gesetzt.

Wir erleben die «7132 Therme» aus erster Hand und verlieren das Gefühl für Zeit und Raum in den sieben versteckten Bädern mit Temperaturen zwischen 14°C und 42°C. Das Wasser ist mit den heilsamen Mineralien der einzigen Thermal-Mineralquelle im Bündnerland versetzt, die genau hier im Valsertal entspringt. Wohlig umspült es nun unsere müden Glieder, lässt uns schweben und entspannen.

Einige Glückliche gehen nach diesem behaglichen Erlebnis ins angeschlossene «7132 Hotel», wo neben den traditionellen Zumthor- und Stucco lustro-Zimmern drei neue Raumtypen zur Verfügung stehen: die neuen Zumthor Zimmer und die Zimmer von Tadao Ando (an japanische Teehäuser angelehnt mit viel Holz gestaltet) und Kengo Kuma (Zimmer mit japanischen Kokon-Charakter). Abends werden sie im ebenso neuen ‘fine-dining’ Restaurant «Silver» speisen, welches mit einem Michelin-Stern und 17 Gault&Millau Punkten als Entdeckung des Jahres ausgezeichnet wurde.

Andere Glückliche wiederum gehen – so wie wir – ins Hotel «Steinbock», wo uns Marionna mit köstlichen Bünderspezialitäten verwöhnt und zum Abschluss unseres perfekten Kurzurlaubes im hauseigenen Hotpot zwei «Röteli» serviert. Als wir abends in unserer «Rückzugs-Oase», dem schönen Zimmer mit Talblick, in die weichen Federn fallen und den klaren Sternenhimmel über dem Dorf bestaunen, hat uns diese Welt längst völlig eingenommen. Selten haben wir uns der Natur – und uns selbst – näher gefühlt wie eben jetzt. Und das, so wissen wir, nennt sich Auszeit.

 

Spot Tipp: Cosmic Art Photography 

Der Valser Nachthimmel fotografiert von Sandro und Markus Casutt. In limitierter Auflage als Kalender 2015. CHF 42

Nachtfotografie-Kurse: 2 Tage, 1 Übernachtung im Hotel Steinbock Vals (Einzelzimmer). CHF 512 

www.cosmicartphotography.com

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Wo essen?

Hotel Steinbock

Valé 199C, 7132 Vals

www.hotel-steinbock.ch 

Vergünstigter Eintritt in die 7132 Therme

Aktivitäten, Wellness, wunderbare Küche und Gastfreundschaft

Schöne Zimmer mit herrlichem Ausblick über das Dorf

 

7132 Hotel & Therme

7132 Vals

www.7132.com 

Verschiedene Zimmer designt von internatio-nalen Stararchitekten

Drei Restaurants: Silver, Red, daPapà und die Blue-Bar

Wo schlafen?

Hotel Steinbock

Valé 199C, 7132 Vals

www.hotel-steinbock.ch 

Vergünstigter Eintritt in die 7132 Therme

Aktivitäten, Wellness, wunderbare Küche und Gastfreundschaft

Schöne Zimmer mit herrlichem Ausblick über das Dorf

 

7132 Hotel & Therme

7132 Vals

www.7132.com 

Verschiedene Zimmer designt von internatio-nalen Stararchitekten

Drei Restaurants: Silver, Red, daPapà und die Blue-Bar

Was unternehmen?

Edi Schnider

Kontakt über Visit Vals

+41 (0)81 920 70 70

visitvals@vals.ch

Visit Vals

Poststrasse 45

7132 Vals

www.vals.ch

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer und zVg






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