UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona: Gelebtes Brauchtum


Am 16. Oktober 2008 ratifizierte die Schweiz das UNESCO-Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes und begann alsdann gemeinsam mit kantonalen Kulturstellen, eine Liste von Traditionen aus verschiedensten Bereichen zu erarbeiten, darunter zum Beispiel Musik, Tanz, Handwerk, Wissen und Theater. Dieses Inventar umfasst heute 167 Traditionen, von denen die folgende kleine Auswahl im Welterbe Sardona praktiziert wird:


 

Betruf

Nach dem Melken, wenn im Alpensommer die einfallende Dämmerung die Nacht ankündigt, steigt –nach alter Tradition –der Älper zu einem Holzkreuz auf einer Anhöhe hoch und ruft den sogenannten „Betruf”, den abendlichen Alpsegen, ins Tal hinab. Zur Verstärkung seiner halb zitierten, halb gesungenen Anrufungen zu Gott, der Muttergottes Maria und anderen Heiligen verwendet er die „Volle”, einen hölzernen Milchtrichter. Der Brauch wurde bereits im 16. Jahrhundert im Sarganserland belegt und verbindet urtümlich-heidnische Bräuche mit christlichem Gebet.

 

Maskenschnitzerei

Seit 150 Jahren wird im Sarganserland das Brauchtum der Holzmaskenschnitzerei praktiziert. Bis in die 1930er Jahre stellten die «Larven»typischerweise Dorfpersönlichkeiten in verzerrter, karikierter Form dar. Später wurden dann auch Dämonen, Teufel, Hexen und andere furchterregende Gestalten porträtiert. Heute gilt Flums als eine Hochburg dieser Tradition. Dort befindet sich in den Kellerräumlichkeiten des Rathauses das Sarganserländer Maskenmuseum. Es ist jeden Samstag Nachmittag im Monat von 15:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.

 

Schybefleuge (GL)/ Scheibenschlagen (GR)

Nach den Herbstferien beginnen die Matter Buben mit den Vorbereitungen für einen uralten Brauch. Die 11- bis 15-Jähren versammeln sich auf dem Mutten; die Erst- bis Viertklässler bei einem grossen Felsbrocken auf der anderen Talseite. Die Feuerstelle wird vorbereitet und der „Schybelade” errichtet. Am Fasnachtsonntag wandern die Buben schliesslich mit selbst gebastelten Fackeln, Haselstöcken und einem Kranz aus zentimeterdicken Holzscheiben zur Feuerstelle. Dort entzünden die Scheiben und lassen sie mit einer Widmung „fleuge.”

 






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