Tanz: Lausanne in Bewegung


Lausanne liegt dem Tanz zu Füssen

Manchmal reicht ein kleiner Funke, um eine grosse, langandauernde Leidenschaft zu entfachen. In Lausanne lodert sie seit mehr als einem Jahrhundert für die Kunst der Bewegung und hat die Stadt zum bedeutenden Zentrum und kreativen Brennpunkt der Szene gemacht. Hier geschaffene Choreographien werden in die ganze Welt exportiert. 


Tanz verwandelt Inspirationen, Gefühle, Rhythmen und Musik in Bewegung. Und von diesen Dingen scheint es in Lausanne jede Menge zu geben, obendrein eine auffällig grosse Leidenschaft und Liebe der Einheimischen zu dieser Kunstgattung. Warum sonst wäre die Stadt am Lac Léman ein fast magischer Anziehungspunkt für Tanzbegeisterte und so international renommierte Choreographen und Tänzer, wie Philippe Saire, Katarzyna Gdaniec, Marco Catalupo oder Nicole Seiler?

Über 20 Tanzkompanien und rund 100 Tanzschulen aller Stilrichtungen nennen Lausanne ihr Zuhause. Die Liebesbeziehung zwischen der Stadt und dem Tanz ist seit über hundert Jahren ungebrochen. An ihrem Anfang stand das Ensemble «Ballets Russes.» Es wurde 1909 vom Sankt Petersburger Impresario Sergei Diaghilev gegründet, versammelte die besten Tänzer und Tänzerinnen seines Landes und wurde schnell weltberühmt. Die Wirren des ersten Weltkrieges verstreuten die Mitglieder in ganz Europa, bis es Diaghilev gelang, das Ensemble in Lausanne neu zu formieren und ihm hier eine neue Bühne und Heimat zu geben.

Wo Talente entdeckt werden 

Der Schweizer Unternehmer Philippe Braunschweig platzierte 1973 mit der Gründung des «Prix de Lausanne» einen tänzerischen Meilenstein, welcher der Stadt weit über ihre Grenzen hinaus künstlerische Strahlkraft verleiht. Dieser internationale Wettbewerb ist für junge Talente des klassischen Tanzes seitdem ein Sprungbrett zu einer grossen Karriere. Etwa der französische Choreograph Benjamin Millepied oder Diana Vishneva, Solistin des Théâtre Mariinsky in Sankt Petersburg, wurden hier entdeckt.

Beginn einer neuen Ära für die Tanzszene 

Vierzehn Jahre später sorgt Braunschweig dafür, dass sein Freund, Maurice Béjart, von Brüssel nach Lausanne übersiedelt. Der Balletttänzer und Choreograph, der eigentlich auf den Bühnen der Welt zu Hause war und das Waadtland bei Ferienaufenthalten lieben lernte, hatte gleich seine ganze Kompanie im Gepäck und verortet sie namentlich mit der Stadt als «Béjart Ballett Lausanne». Wenige Jahre später gründet er die Ecole-Atelier-Rudra-Bejart, eine Ausbildungsstätte, in der fortan «junge Tänzer auch intellektuell und ethisch geschult» werden sollten.

Die Kreativität wirkte offenbar ansteckend, denn wie Béjart etablierte mit Philippe Saire ein wei-terer Choreograph eine Tanz-Kompanie in der Stadt. Saire gilt als einer der grossen Exponenten des zeitgenössischen Tanzes in der Schweiz. Auf der Suche nach Räumlichkeiten zum Ausleben seiner Kreativität stellte ihm die Stadt in den 1990er Jahren eine ehemalige Lagerhalle im Flon- Quartier zur Verfügung. Hier richtet er das Théâtre Sévelin 36 ein und sichert sich mit ihm 2013 den Spezialpreis für Schweizerischen Tanz, der damals erstmals verliehen wurde.

Erinnerungen leben auf 

Weil soviel Tanzgeschichte erzählt werden will und lebendig bleiben soll, gab Lausanne mit der Einrichtung seines Schweizer-Tanz-Archives der bewegenden Kunst zusätzlich Raum. In der «Collection Suisse de la Danse», die öffentliches Museum und Archiv ist, lassen sich unter anderem zahlreiche Publikationen, Fotografien, persönliche Objekte und Videos von Maurice Béjart begutachten.

Seine Affinität zum Tanz lebt Lausanne aber nicht auf ihren Bühnen oder im Museum aus. Überall in der Stadt sind die Spuren dieser, schon so lange andauernden, leidenschaftlichen Liaison mit der Kunst auffindbar. Bei einem Stadtspaziergang lassen sich tänzerische Highlights, bewegende Geschichte und lebendige Orte auf wunderbare Art und Weise entdecken und münden womöglich in einer spontanen, unvergesslichen Tanzaufführung. Denn in Lausanne wird immer und fast überall getanzt.

 

Tourismusbüros in Lausanne 

1) Place de la Gare 9 

2) Metro-Bahnhof «Ouchy-Olympique»

3) Kathedrale von Lausanne 

Öffnungszeiten: generell 9:00-19:00 Uhr 

Touristische Auskünfte per Telefon unter: +41 (0)21 613 73 73 

www.lausanne-tourisme.ch/de 

Blog: www.my-lausanne.ch 

Instagram: MyLausanne

 

Lausannes «Balade de la Dance»: Stationen des Tanzes 

Die Stadt selbst ist hier Bühne. Beim Flanieren zu eng mit dem Tanz verbundenen Orten taucht man ein in die Welt der Bewegungskunst und ihren Akteuren. Das ist eine inspirierende Erfahrung und ein Erlebnis der besonderen Art.

 

1 Metrostop m2 : «Riponne-Maurice-Béjart» 

Die 2008 eröffnete Metro-Station wurde nach Maurice Béjart benannt, der im Quartier La Riponne wohnte. Der Fotograf Marcel Imsand hat den bekannten französischen Tänzer, Choreograph und Liebhaber abessinischer Katzen in Portraitaufnahmen festgehalten. Sie begleiten den Rolltreppen-Aufgang der Station.

2 Bildliche Hommage an den Tanz in La Riponne 

Ebenfalls in der Metrostation zu entdecken: Eine Serie grossformatiger Fotografien des Berliner Künstlers Peter Welz als Hommage an den Tanz. Die Aufnahmen der Tänzerinnen und Tänzer des Béjart-Ballets schmücken die beiden Fussgängerübergänge der Haltestelle. Sie laden ein, das Béjart Ballet Lausanne hautnah und live auf der Bühne zu erleben.

3 Oper Lausanne 

Bereits seit seiner Gründung im Jahr 1871 waren im Lausanner Opernhaus Tanzaufführungen an der Tagesordnung. Bis heute ergänzen sie die prall gefüllte Opernsaison in der erst kürzlich renovierten Spielstätte. So können hier regelmässig Aufführungen international renommierter Ballettensembles erlebt werden.

4 Allée Ansermet in Montbenon 

Die Allée Ernest Ansermet auf dem Montbenon-Hügel trägt den Namen des Waadtländer Musikwissenschaftlers und Dirigenten. Der russische Impresario Sergei Diaghilev engagierte ihn für sein weltberühmtes Ballettensemble Ballets Russes. Ansermet leitete es von 1915 bis 1923.

5 Im Quartier Flon 

Im angesagten Flon-Quartier wird grundsätzlich bis zum Morgengrauen getanzt. Das «MAD» mit seinen vier Dancefloors wurde 2014 zum besten Club der Schweiz gekürt und ist seit über zwanzig Jahren die führende Institution im Bereich elektronischer Musik.

6 Arsenic und Sévelin 36 

Die in der Verlängerung des Flon-Quartiers auf einer ehemaligen Industriebrache angesiedelten Theater «Théâtre Sévelin 36» und «Arsenic» sind bedeutende Anziehungspunkte für die Ballettszene in all ihren aktuellen Strömungen. Ein kurzer Blick auf die jeweiligen Programme genügt, um den Spaziergang möglicherweise mit einer sehenswerten Aufführung namhafter Tanzensembles abzuschliessen.

8 Hotel Beau-Rivage-Palace 

Das Hotel Beau-Rivage-Palace ist einer der Sponsoren des «Prix de Lausanne», dem renommierten Wettbewerb für junge Tänzer. Grosse Namen der Tanzszene sind hier schon abgestiegen. Die berühmtesten Protagonisten wurden in einer Fotogalerie festgehalten, die von den Unterschriften im Goldenen Buch des Hotels inspiriert ist.

9 Lifar-Statue 

Der grosse ukrainische Tänzer und Choreograph Serge Lifar verstarb 1986 in Lausanne. Am Quai Delamuraz in Ouchy erinnert eine Metallskulptur an den Flug des Ikarus – eine Hommage an das gleichnamige Ballettstück, das dem ersten Startänzer der Pariser Oper in den Dreissigerjahren des vergangenen Jahrhunderts gewidmet wurde.

10 Park des IMD-Instituts 

An der Avenue de Rhodanie, südlich des der Wirtschafts-hochschule IMD, erinnert eine Gedenktafel an Serge Diaghilev. Hier in der Villa Bellerive fand er 1915 mit der Unterstützung des Komponisten Igor Strawinski die Kraft, dem Ensemble Ballets Russes neues Leben einzuhauchen. (Für Besucher nicht zugänglich. Bitte am Empfang des IMD melden.)

 

Spaziergang zumTanz: Praktisches 

Die Stadt selbst ist hier die Bühne. Beim Flanieren zu  eng mit dem Tanz verbundenen Orten taucht man ein in die Welt der Bewegungskunst und ihren Akteuren. Das ist eine inspirierende Erfahrung und ein Erlebnis der besonderen Art.

Anreise: Metro m2, Haltestelle «Riponne-Maurice Béjart» 

Start: Ab Place de la Riponne 

Ziel: Park des IMD, Av. de Rhodanie. Bus Nr. 2, 

Haltestelle «Pêcheurs» 

Länge: 3 km 

Dauer: ca. 1 Stunde 

Zwischenstopp: Casino de Montbenon mit seinem charmanten Bistro Brasserie de Montbenon 

Stadtführungen zum Thema Tanz 

Im Zusammenhang mit der landesweiten «Fête de la danse» bietet Lausanne als ‘Avant-Premiere’ geführte Stadtführungen am 6. und 7. Mai 2017. Informationen unter: www.lausanne-tourisme.ch/tanz

 






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