Sardona: UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona


Man kann es sich kaum vorstellen. Genau hier, wo unsere prachtvolle Gipfelwelt so majestätisch in den blitzblauen Himmel ragt, erstreckte sich vor vielen Millionen Jahren ein grosses, weites Meer. Dann rückte die afrikanische Kontinentalplatte immer näher an die europäische, bis der Druck letztlich so gross wurde, dass Gesteinsschichten gefaltet, zerbrochen und übereinander geschoben wurden. So entstanden – über abermals Millionen von Jahren hinweg – unsere Alpen.


 

Viele Jahrhunderte rätselte die Menschheit über die frühen Vorgänge der Alpenbildung, schuf und widerrief Theorien, bis die Tektonikarena Sardona schliesslich erste Geheimnisse preisgab und sich damit als Region mit Naturwerten auf Weltklasse-Niveau etablierte. Denn in der ursprünglichen Landschaft im Grenzgebiet der Kantone St. Gallen, Glarus und Graubünden sind – weltweit einmalig – die Merkmale der Gebirgsbildungsprozesse auch an der Erdoberfläche deutlich sichtbar.

 

Aufgrund seines aussergewöhnlichen, universellen Wertes wurde das 330 km2 grosse Gebiet im Jahr 2008 ins UNESCO-Welterbe aufgenommen. Die unberührten Landschaften – Schwemmebenen, Gehänge-Schutthalden, Moorlandschaften, Seen und Hochmoore – sind dabei nicht nur aufgrund ihrer wissenschaftlichen Bedeutung schützenswert, sondern bieten wertvolle Lebensräume für Lebe-wesen und Pflanzen.

 

Für Besucher ist das Welterbe heute auf verschiedenste Weise zu erleben, so zum Beispiel durch Besucherzentren, Informationspunkte oder mittels erlebnis- und bildungstouristischen Ange-boten.

 

Informationen:

www.unesco-sardona.ch

 

Aus erster Hand: Interview mit Harry Keel, Geschäftsführer des UNESCO-Welterbes Tektonikarena Sardona

 

Was macht den aussergewöhnlichen, universellen Wert der Tektonikarena Sardona aus?

Im UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona ist weltweit am schönsten sichtbar, wie Berge entstehen. Es gibt eine Vielfalt an Phänomenen, welche in unmittelbarem Zusammenhang mit der Gebirgsbildung stehen.

 

Was bedeutet die Aufnahme in die UNESCO-Welterbe-Liste?

Die Auszeichnung als UNESCO-Welt-erbe bezeugt die globale Einzigartigkeit, Unversehrtheit und Ursprünglichkeit des Gebietes. Es ist die höchste Ehre, welche einem Naturwert weltweit überhaupt zuteil werden kann. Es gibt auf der ganzen Welt nur rund 200 derartiger Weltnaturerben. Dank der globalen Bekanntheit dieser Qualitäten ist die Auszeichnung eine grosse Chance für die Region – insbesondere in touristischer Hinsicht. Gleichzeitig muss diesen Naturwerten natürlich auch Sorge getragen werden. Die Idee des Weltnaturerbes ist es, einzigartige Naturwerte in die Obhut der gesamten Menschheit zu stellen und auch für kommende Generationen zu erhalten.

 

Wie wird man dieser Verantwortung gerecht?

Oberste Priorität hat bei allen Welterbe-Stätten der Schutz und der Erhalt der einzigartigen Werte. Fort-an gilt es auch, diese Werte publik zu machen und entsprechende Bildungsangebote zu entwickeln. Die Forschung sollte ebenfalls unterstützt und gefördert werden. Erwartungen in touristischer Hinsicht sind natürlich auch vorhanden.

 

Welche Projekte gibt es im Welterbe Sardona?

Im Moment werden grosse Anstrengungen unternommen, das Gebiet und seine Werte bekannter und sichtbarer zu machen. Der Zusammenarbeit mit dem Tourismus – zwecks Entwicklung touristischer Angebote – kommt somit in den nächsten Jahren eine bedeutende Rolle zu. Der Aufbau eines GIS (Geographisches Informationssystem) ist für diverse Aktivitäten eine wichtige Grundlage.

 

Wie können Besucher das Welterbe entdecken?

Der Sardona-Welterbe-Weg bietet in fünf bis sechs Tagen einen umfassenden Einblick ins Welterbe Sardona. Ausserdem gibt es weitere dokumentierte Wanderwege – wie zum Beispiel die Via Geo Alpina – welche etwas kürzer sind. Am meisten profitieren natürlich diejenigen, die solche Wanderungen unter fachlicher Leitung eines ausgebildeten GeoGuides Sardona unternehmen. Menschen, die nicht gerne wandern, können indessen im Besucherzentrum Glarnerland in Elm oder Glarus Wissenswertes zum Thema erfahren. Zu guter Letzt stehen auch die rund 50 GeoStätten des Geoparks Sardona zur Verfügung. Hier kann man einiges zur Gebirgsentstehung und zur Nutzung der Gesteine durch den Menschen erleben.

 

 

 

« Zurück

Was unternehmen?

Spot Tipps

GeoStätten:

Der Name bezeichnet geologisch besonders attraktive Orte innerhalb des GeoParks

www.geopark.ch

GeoGuides Sardona:

Geologisch ausgebildete Wanderführer enthüllen Highlights und Geheimtipps bei öffentlichen Führungen oder im Zuge massgeschneiderter Touren.

Swisstopo-Wanderkarte „Tektonikarena Sardona” 5080T:

Diese ganz speziell entworfene Karte informiert über Aussichtspunkte, GeoStätten und Sehenswürdigkeiten.

www.swisstopo.admin.ch

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Cherez Tschopp






Kommentare