Region Willisau: Stadt Willisau – Wo sich der Kreis schliesst


Willisau, so lautet der Slogan, ist eine runde Sache. Genauso rund wie das berühmte Ringli, das seinen Namen trägt. Seit 165 Jahren gilt das «Guezli» aus Zucker, Mehl, Wasser und der Rinde von Zitrusfrüchten als Schweizer Spezialität und ist als solche im «Inventar des kulinarischen Erbes» erfasst. Aber nur in Willisau darf es rechtens hergestellt werden. Dabei stammt das Süssgebäck ursprünglich aus der Backstube des Schlosses Heidegg am Baldeggersee.


Es war die Liebe, die Willisau zum Ringli verhalf. Martha Peyer, die in Heidegg als Hausdame gearbeitet hatte, brachte das streng gehütete Rezept mit in ihre Ehe mit dem Aargauer Bäcker Heinrich Maurer. Gemeinsam erwarben die beiden ein Haus an der Hauptgasse in Willisau und holten dort im Jahr 1850 die ersten Ringlis aus dem Holzbackofen. Die Kunden waren sofort Feuer und Flamme.

So beliebt wurde das Süssgebäck, dass Jahrzehnte lang immer wieder um das Recht gezankt wurde, wer nun die «einzig echten» Willisauer Ringlis herstellen dürfe. Dem «Ursprungshaus», dem heutigen Café Amrein, wurde dieses Privileg bereits 1937 zugesprochen. Dort bäckt heute in 4. Generation die Familie Renggli-Kurmann die «Guezli» nach dem Originalrezept von Martha Peyer.

«Zuerst mit dem Ellenbogen darauf drücken», erklärt Michael Renggli und zeigt vor, wie man das Ringli richtig handhabt. Mit einem Ruck zerbricht das «Guezli» in vier gleich grosse Stücke. «Und jetzt», meint er, «einfach auf der Zunge zergehen lassen.»

Angenehm süss ist der Geschmack, der meinen Gaumen erfüllt. Erst nach ein paar Sekunden sind die Noten der Zitrusfrüchte spürbar. Der Genuss lässt Michael verstummen. Schon als Kind wusste er, dass er eines Tages die Tradition der Ringlis weiterführen würde. Mit Begeisterung erklärt der Willisauer, «wie das Loch zum Teig kommt» und «warum Ringlis weisse Punkte haben.»

Doch nicht nur Michaels Augen leuchten, wenn er von der Stadtspezialität spricht. «Als Buben haben wir immer ein Stückchen Teig stibitzt, wenn ihn der Bäcker zum Abkühlen ins Freie stellte», erinnert sich Roberto Rumi bei unserer anschliessenden Stadtführung. Für ihn ist das Süssgebäck ein fester Bestandteil seiner Heimatstadt, wenngleich diese «viel mehr hergibt, als ‘nur’ das Ringli.» Willisau ist eben auch allgemein eine runde Sache.

Vom Schlosshügel aus überblicken Roberto und ich das spätmittelalterliche Zentrum in Richtung Norden. Inmitten der weitläufigen Höhenzüge des Napfgebietes stellte die Stadt seit jeher einen wichtigen Knotenpunkt dar; erhielt als solche schon früh das Marktrecht, wurde immer wieder hart umkämpft und insgesamt vier Mal niedergebrannt.

Heute befinden sich die ältesten Häuser in der Müligass. Nur sie blieben beim letzten Stadtbrand 1704 verschont. Entlang der neu gestalteten Begegnungszone verbergen sich moderne Läden, Cafés und Restaurants hinter den schmucken Fassaden aus dem 16. Jahrhundert.

Willisau ist der Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart geglückt. Informationstafeln stellen an den wichtigen Stellen den Bezug zur Geschichte her. Bei den drei Stadtbrunnen erklären sie zum Beispiel, warum diese in der ungewöhnlichen Form eines Siebenecks gestaltet sind; beim Rathaus lenken sie die Aufmerksamkeit des modernen Betrachters unter anderem auf das «Willisauer Ellenmass», welches auf die einstige Verwendung des Gebäudes als Tuchlaube und «Schaal» (Verkaufslokal für Fleisch) hinweist.

Gegen den Uhrzeigersinn folgen Roberto und ich den Tafeln von der Schlossanlage über die Hauptgasse bis zur Heilig-Blut-Kapelle. Dort erzählen acht Ölgemälde die wohl zweitbekannteste Geschichte der Stadt – die Legende der Blutstropfen von Willisau, denen jedes Jahr die Sühne-Prozession gewidmet ist. Im Jahre 1392, so besagt die Legende, soll der Teufel an der Stelle des heutigen gotischen Baus den Jass-Spieler Ueli Schröter geholt haben, nachdem dieser über Gott gelästert hatte. Zurück blieben lediglich fünf Blutstropfen, die vom Himmel gefallen waren. Diese sind bis heute in der Heilig-Blut-Monstranz aufbewahrt.

Unsere letzte Station führt uns vorbei an den Schlossmauern und dem 700 Jahre alten Keller zum Landvogteischloss. Hier, an jenem Ort, wo einst Gericht gehalten wurde und heute viele junge Willisauer den Bund für das Leben besiegeln, schliesst sich auch für uns der Kreis. Mit wenigen Schritten sind wir wieder am Ausgangspunkt zurück. Eine wirklich runde Sache dieses Willisau!

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6130 Willisau

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Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer






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