Patnunstafel, St. Antönien: Berggasthaus Sulzfluh – Grenzgänger


Gefrierende Atemluft bahnt sich den Weg zu meiner Nasenspitze; dennoch kann ich den Blick nicht vom Horizont abwenden. Dort funkeln, über den Flanken des Prättigaus, mächtige Schleier und Bänder in den schönsten Gold- und Violett-Tönen. Im Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Österreich mutet die Welt an so manchen Abenden nahezu überirdisch an.

 


 

Hoch über dem Partnunstal, dort, wo sich Hügel wie weisse Walrücken erheben und sich grazile Äste vor einem in Bronzefarben getauchten Bächlein verneigen, stehen wir am Fusse des mächtigen Schijenfluh und bestaunen den durch das Abendrot entflammten Himmel. Die Wolken, die noch zuvor grau im Nirgendwo hangen, funkeln und leuchten nun lebendig in diesem sphärischen Lichterspiel. «Hinter dem Mond, links», wie der örtlichen Verkehrsverein die Region um St. Antönien definiert, scheint die Welt in Momenten wie diesen dem Himmel tatsächlich ein Stückchen näher zu sein, als der Erde.

Wenn draussen endgültig die letzten Sonnenstrahlen erloschen sind, zünden im Berggasthaus Sulzfluh die Wirtsleute Käthi Meier und Ernst Flütsch Kerzen und Petroleumlampen an. Die lichtdurchfluteten Fenster des 130-jährigen Schindelhauses sind dann in klirrend kalten Winternächten das einzige Licht weit und breit. Ihr Schein erhellt den Weg, den einst Prättigauer Schmuggler und Montafoner Junggesellen begingen, um jenseits der Grenzen ihr Glück zu finden.

Heute wie damals herrscht abends reges Treiben in der vom Holzofen erwärmten Stube. Käthi und Ernst eilen von Tisch zu Tisch, servieren, plaudern und beraten ihre Gäste, die korbweise Brot und Kartoffeln in grosszügige Fondue-Töpfe tunken. Es wird gejasst und gescherzt, bis sich irgendwann die Erstenin Richtung Freiluft-Hotpot davon stehlen, um den Tag entspannt unter einem kristallklaren Sternenhimmel ausklingen zu lassen.

Wohlig satt und zufrieden finden auch die letzten dieser nächtlichen Besucher schliesslich ihre Nachtruhe in den gemütlichen Arvenholz-Betten des modernen Neubaus –oder im Sommer auch in den Jahrhundert alten, kerzenbeleuchteten Holzzimmern des Schindelhauses, wo vor langer Zeit Grenzgänger die erste nächtliche Herberge in Partnun vorfanden.

Wenn am nächsten Morgen im Untergeschoss die alten Dielen zu besonders früher Stunde knarren, ist das ein gutes Vorzeichen für den beginnenden Tag. Die Prognose lautet: Schönwetter! Tage zuvor haben begeisterte Tourengeher die Wettersituation studiert und bereiten sich nun aufgeregt auf das bevorstehende Abenteuer vor, während der Rest –so wie auch wir selbst –an einem vielversprechenden Freitagmorgen hochmotiviert unsere Schneeschuhe festschnallen. Die ersten Spuren kann man in unberührter Natur, wie dieser, auf verschiedenste Weise ziehen.

 

Erlebnis – Bergrestaurant Sulzflu

 Über 120 Jahre war das 1875 erbaute, Berghaus Sulzfluh nur im Sommer in Betrieb. Die verträumte Holzstube und die nostalgischen Zimmer zeugen von jener Zeit, als Prättigauer Schmuggler und Montafoner Junggesellen, Schulter an Schulter, die Tanzbeine schwangen, sich von den Schätzen und Schönheiten der Region verzaubern liessen oder sich mit Widersachern wüstest prügelten.

 

Urtümlichkeit und Moderne:

Während das Schindelhaus im Originalzustand belassen wurde und noch immer ohne Elektrizität ist, bietet der Neuanbau von 2003 alle modernen Komforts und ermöglicht so auch einen Winterbetrieb. Die Gastgeber Käthi Meier und Ernst Flütsch sind seit 1983 die Seelen des Sulzfluhs und bewirtschaften das Berghaus mit spürbarer Liebe und Leidenschaft.

 

Vollmondschlitteln:

Zu fortgeschrittener Stunde führt Ernst seine Gäste mit dem Schneemobil von St. Antönien-Rüti nach Partnun. Ein ausgelassener Apéro, gefolgt von einem ausgedehnten Fondue-Plausch und anschliessend geht es – im Schein des Mondes – mit dem Schlitten wieder talwärts zurück in die Zivilisation.
Daten: 3. und 4. April. Preis: CHF 45.

 

Lawinenrettungs-Trainingscenter:

In Partnun befindet sich unterhalb der Sulzfluh das einzige Lawinenrettungs-Trainingscenter der Region. Die Anlage ist öffentlich zugänglich und der Besuch kostenlos. Dieses Center ermöglicht Wintersportlern mit ihren Lawinen-Suchgeräten das Aufspüren von Verschütteten unter realistischen Bedingungen zu üben. Die Betreiber der Anlage bitten um eine Voranmeldung, um so die Benutzung derselben möglichst gut koordinieren zu können.

 

Skitouren:

Das Sulzfluh ist ein beliebter Ausgangspunkt für Tourengeher. Im Winter unterhalten die Gastgeber ein Testcenter, wo Interessierte die neuesten «Dynafit Ski» samt Fell und Tourenschuhe gegen einen Kostenbeitrag von CHF 20/Tag testen können. Tourenrouten finden sich ebenfalls auf dem Portal des Prättigau Tourismus.

 

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Wo schlafen?

Berggasthaus Sulzfluh

Ernst Flütsch & Käthi Meier

7246 St. Antönien

+41 (0)81 332 12 13

+41 (0)79 679 39 14

www.sulzfluh.ch

Was unternehmen?

Spurenjäger

Oberhalb des Berghauses Alpenrösli, ebenfalls im Besitz von Käthi Meier und Ernst Flütsch, führt eine neue, markierte Schneeschuhwanderroute über den Partnunsee zum Sulzhüttli und zurück nach Partnunstafel. Verlängert können die Touren beliebig werden, zum Beispiel zur Carschinahütte und zum Schafberg.

Musikalische Tradition

Musikalische Abende haben im Sulzfluh eine lange Tradition. Vom 28. Juni bis zum 4. Juli und vom 9. bis 15. August finden die beliebten Schwyzerörgeli-Ferienwochen statt, anlässlich derer im Sulzfluh Alphornbläser und Blockflötenspieler zu Gast sind.

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Sam Anderson






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