Mürren-Schilthorn – Grosse Zukunft


Das Schilthorngebiet ist mit frischem Schnee überzuckert, der Horizont strahlend blau. Inmitten dieses eindrücklichen Bergpanoramas tummeln sich bunt gekleidete Menschen. Sie strömen in zwei Richtungen – zu den unberührten Pulverschneehängen abseits der Piste oder zum brandneuen SKYLINE SNOWPARK zwischen Schiltgrat und Gimmeln. Schon seit längerem ist die ‘Wiege des alpinen Skisports’ ein Geheimtipp für Freerider. Diesen Winter jedoch hat auch die Freestyle-Szene in grossen Zahlen Einzug gehalten.

 


 

Mit seinen 54 Pistenkilometer zählt das Skigebiet Mürren-Schilthorn nicht zu den grössten Wintersportdestinationen der Alpen, ist aber mit 10 Abfahrtskilometern der Kategorie ‘schwarz’ sicherlich eine der anspruchsvollsten Skiregionen der Schweiz. Um ein Vielfaches erhöht sich das Potential weiters, berücksichtigt man die Flanken, Couloirs und Pulverschneehänge abseits der platt gewalzten Pisten.

An Tagen mit günstiger Wetterlage können dort die Wegbereiter des modernen Skisports noch wahrhaftig ihre eigenen Linien ziehen. Denn so überrannt wie manch andere Regionen ist das Gebiet rund um das Schilthorn nicht. Zudem bietet die Höhenlage bis auf knapp unter 3’000 Meter und die damit verbundene relative Schneesicherheit einen zusätzlichen Vorteil.

 

Der Hunger nach Pulverschnee

Frühmorgens kehrt Leben in die Talstation Stechelberg ein. Nach Tagen mittelstarken Schneefalls ist über Nacht die versprochene Wetterbesserung eingetreten. Noch wirbeln einige Schneeflocken um die erste Kabine, die zur Abfahrt bereit steht; vom Süden her kündigt sich jedoch die versprochene Auflockerung an. Darauf hat Sascha Schmid nur gewartet. Eine ganze Woche lang hat der Freerider den Wetterverlauf an seinem «Hausberg» beobachtet und seine heutige Tour geplant. «Ich habe zwar den Vorteil, dass ich den Berg und die Situation am Berg genau kenne, da ich die ganze Saison über regelmässig im Gelände unterwegs bin und dadurch genau über den Schneeaufbau sowie die Bedingungen an gewissen ‘Locations’ Bescheid weiss. Trotzdem informiere ich mich vor einem Freeride Tag so gut ich kann – zu viel Neuschnee, Nebel oder andere Witterungseinflüsse könnten eine geplante Tour letztlich zu gefährlich oder gar unmöglich machen.» Ein Blick auf das «Lawinenbulletin» (www.slf.ch) ist unabdingbar. Während sich die erste Kabine langsam füllt, blickt Sascha in die Runde. Skibrillen werden poliert, Helme aufgesetzt, Lawinensuchgeräte und ABS-Rucksäcke umgeschnallt, Handschuhe übergestülpt. Alle sind startbereit. Dann ist es endlich soweit.

Über die Mittelstationen Gimmelwald und Mürren schwebt die erste Bahn zur Station Birg auf 2’676 Metern. Dort steigt Sascha kurz aus. Mit einem Fernglas studiert er das Terrain, versucht zu eruieren, ob es entlang der Wunschroute Anzeichen möglicher Gefahren gibt – wie zum Beispiel Schneeverfrachtungen oder Stellen mit zu wenig Schnee. Erst wenn er mit der Lage vollends zufrieden ist, steigt er in die nächste Gondel und lässt sich auf den Gipfel des Schilthorns hochschaukeln.Auf 2’970 Meter tritt Sascha wiederum ins Freie, atmet tief durch und blickt in die Tiefe. Dort treffen nun die ersten Sonnenstrahlen auf braunen Felsen und unberührten Schnee. Auch nach 30 Jahren im Schnee ist seine Vorfreude ungebrochen gross.

 

Glück abseits der Piste

Variantenabfahrten sind vom Schilthorn in alle Himmelsrichtungen möglich und führen oftmals – ohne einen erneuten Aufstieg – direkt zu einem der Lifte. Sascha kennt jede einzelne wie seine eigene Westentasche. Regelmässig führt er Gruppen, veranstaltet Camps, macht Skiflime oder sucht für sich selbst eine Spur im strahlenden Weiss. Der gebürtige Berner Oberländer liebt das Erlebnis in der Natur und findet Gefallen an allem, was schwierig und nahe am Berg ist. Als 21-jähriger hängte er fürs Freeriden eine Karriere als FIS-Skirennfahrer an den Nagel und nahm später an der Freeride World Tour (IFSA) und den Redbull Snowthrills in Europa und Nordamerika teil. «Mir wurde klar, dass das eigentliche Skifahren abseits der Piste stattfindet», erinnert er sich. Heute ist sein Wissen bei der Entwicklung von technischen Produkten, bei der Ausarbeitung von sportbezogenen Dienstleistungen und bei gleichgesinnten Freeridern besonders gefragt. Denn Freeriding ist ein ‘Insider’ Sport. Wer mit wenigen Aufstiegen möglichst lange Pulverhänge abfahren will, muss den Berg kennen – oder gute Kontakte zum Kreise der Eingeweihten haben. Und da ist man bei Sascha genau richtig.

 

Surfen im Schnee

Am Rande der Skipiste steigt Sascha nun auf seine Bretter. Er ist mit Freeride-Skiern unterwegs – besonders breite Latten, die es ihm ermöglichen, auf dem Schnee zu gleiten und grössere Kurvenradien zu fahren, als dies mit herkömmlichen Skiern machbar ist. So ist es viel einfacher für ihn, im Pulverschnee zu manövrieren und entlang der unberührten Hänge zu «surfen.» Und um genau dieses Gefühl der grenzenlosen Freiheit und Naturverbundenheit geht es schliesslich auch. Mit einem Schwung verschwindet Sascha. Seine allerliebste Abfahrt wird ihn heute in Richtung Hundshorn führen, einem Gebiet westlich des Schilthorngipfels, das «fast immer guten Schnee und spannende Abfahrten bietet.» Nach einem kurzen Aufstieg wird er auf die Wasenegg gelangen und von dort zurück ins Skigebiet fahren. In der Gondelbar wird er vielleicht später auf die nächste Generation der Wintersportler treffen. Denn während Sascha als kleiner Punkt in der weiten Landschaft perfekt geschwungene Linien hinterlässt, fährt im neuen SKYLINE SNOWPARK schon die Zukunft Ski.

 

Weisse Luftschlösser

Cyrill Hunziker muss sich konzentrieren. Der Brienzwiler hat sich einen Sprung «switch» – also rückwärts auf die Schanze aufgefahren – mit dreifacher Rotation vorgenommen. Er rückt sich noch einmal die Brille zurecht und atmet ein letztes Mal tief durch. Dann schleudert er sein Körpergewicht von 73kg über den 3-4m hohen Kicker und setzt seinen Sprung sicher in den Schnee. Seine Kumpel jubeln begeistert – nach seiner Verletzungspause ist er in seiner alten Form zurück. Für Cyrill sind die Sprünge am Schilthorn mehr als nur ein Trainingsprogramm, wenngleich sich der Swiss-Ski Athlet bereits auf die nächsten Wettkämpfe vorbereitet. Der gebürtige Brienzwiler ist – gemeinsam mit seinem Bruder Jonas – einer der Botschafter des neuen Parks, der parallel zur Skipiste Gimmeln verläuft und über ein Dutzend Kicker, Rails und Boxes für spektakuläre Sprünge und Adenalinkicks verfügt. Mit dem Einzug der Freestyle-Szene auf seinem «Hausberg» ist für den 23-Jährigen ein Traum in Erfüllung gegangen: «Ich freue mich wie ein kleines Kind, meine Leidenschaft endlich mehr oderweniger zuhause ausleben zu dürfen und gleichzeitig die Möglichkeit zu haben, die Erfahrung die ich in anderen Parks gesammelt habe, teilen zu können», bestätigt er stolz.

 

Eine Einstellungsfrage

Dass das Schilthorngebiet im Bereich Freestyle über grosses Potenzial verfügt, zeigt der ‘Whitestyle Freestyle Contest’, anlässlich welchem sich im Frühjahr Scharen von begeisterten Freestylern im gemütlichen Mürren einfinden. Das mit einem Preisgeld von CHF 12’000 dotierte «Night Air» Event hat Cyrill selbst schon gewonnen. «In der Schilthornregion glaubt das ganze Gebiet an den Freestyle-Sport. Anderswo gibt es zumeist eine Gruppe, die engagiert für das Aufrechterhalten des Sportes kämpft und andere, die dagegenhalten. Hier ist das anders und das schafft unglaubliches Potential», erklärt Cyrill. Am 21. März ist anlässlich der QParks Tour schon das erste Schilthorn Open geplant. Zuvor wird Cyrill – gemeinsam mit seinem Bruder – bei guten Schneeverhältnissen ein Freeski-Camp veranstalten, um der Generation von morgen den Einstieg in ihren Sport zu erleichtern. «Ich wünsche mir, dass die ‘Kids’, die – wie ich einst selbst –so fasziniert von dem Freestyle-Sport sind, die Möglichkeit haben, ihn in ihrer Region auszuleben und dass dadurch der Wintersport für sie wieder cooler und attraktiver wird.»

Während sich so neben dem Gimmelnlift die Generation ‘von morgen’ vergnügt, trifft mit Sascha Schmid die Generation ‘von heute’ in der Gondelbar ein. Denn eines ist sicher – wenn die jungen Freestyler einmal zu alt für die Kicker sind, wartet für sie abseits der Piste schon das nächste Abenteuer – und Freerider kann man schliesslich auch noch im hohen Alter sein, solange man fit ist und über die nötigen Voraussetzungen verfügt. Somit ist das Schilthorn – mit seinen zwei neuen Schienen neben dem traditionellen Skisport – auch für die Zukunft gerüstet.

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Wo essen?

Spot Tipp

James Bond 007 Frühstück – gestärkt auf die Piste

Das James Bond 007 Frühstück wird täglich von 08:00 bis 10:30 Uhr im Drehrestaurant Piz Gloria serviert und beinhaltet unter anderem: ein Glas Prosecco oder Rimus (ohne Alkohol), diverse Brotsorten, Weggli & Gipfeli, lokale Wurst- und Käsespezialitäten, Rauchlachs, Konfitüren, Müesli und Cornflakes, Birchermüesli, Joghurt, Früchte, Apfel- und Birnensaft direkt ab Hof, knusprige Waffeln mit Ahornsirup, Speck und Würstli sowie Rühreier und gekochte Eier.

CHF 29.50/Erwachsener

CHF 16.50/Kind (6-14)

Kombi-Ticket mit Bahnfahrt ab Stechelberg: CHF 77 mit Halbtax

www.schilthorn.ch

Was unternehmen?

Tageskarten

CHF 63/Erwachsene

CHF 24/Kinder

 

Budget:

Am Samstag fahren pro gekaufter Tageskarte für Erwachsene zwei Kinder bis 15 Jahre gratis.

www.schilthorn.ch

Text: Carina Scheuringer
Fotos: www.markus-zimmermann.com






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