Lavaux: Im Land der drei Sonnen


Lavaux, Lausanne | Die pulsierende Waadtländer Hauptstadt am Lac Léman liegt eingebettet in eine malerische Landschaft. Auf ihren sonnigen Weinterrassen gedeihen Chasselas & Co. seit rund 800 Jahren aufs Prächtigste. Und das hat seine Gründe, wie sich bei einem Besuch bei den, mit viel Herzblut und Liebe geführten, Weingütern schnell offenbart. Dabei ist sogar die Stadt Lausanne selbst Weinbaueigentümer. 


Eine sanfte Brise lässt das Weinlaub auf der Terrasse leise rascheln. Der Lac Léman liegt uns glitzernd zu Füssen. In den Gläsern auf dem pinkfarbenen kleinen Tisch funkelt ein kühler Chasselas. Maude hat ihn gerade eingeschenkt. Die junge Frau bewirtschaftet gemeinsam mit ihrem Bruder Simon das Weingut «Domaine Croix Duplex.»

Den Grundstein für dessen Erfolgsgeschichte legte einst ihr Grossvater Samuel Vogel. Der in Zürich geborene Weinenthusiast, der eigentlich Hydraulik- Ingenieur war, erwarb 1929 Rebland oberhalb des Dörfchens Grandvaux, an einer der schönsten Lagen in Lavaux. Mittendrin baute er ein Haus und einen Weinkeller. «Als zu gezogener Fremder hatte er es anfangs schwer, Abnehmer für seinen Wein zu finden. So fuhr er einfach mit seinem Traktor los, von Haus zu Haus, und verkaufte seine Weinflaschen über die Schwelle», erzählt Simon. «Deshalb haben wir heute Kunden, die schon in der vierten Generation ihren Wein bei uns kaufen.»

Aus den einst drei Hektar Rebbergen sind inzwischen 30 Hektar geworden, auf denen die Familie Wein anbaut. Das Mikroklima und der Boden der Region lassen die Trauben besonders gut gedeihen. Ihre Qualität profitiert zudem von drei Sonnen, verrät der Oenologe. Gemeint sind neben der am Himmel strahlenden Sonne, auch der See, der das Sonnenlicht zu den Weinbergen hin reflektiert, sowie die in den Weinterrassen typischen Natursteinmauern. Diese speichern die Wärme und geben sie über Nacht an Boden und Rebstöcke ab. «Eigentlich gibt es noch eine vierte Sonne, nämlich das Herz des Weinbauern», fügt Simon an und Iächelt.

Insgesamt 27 verschiedene Weine bietet das Haus aktuell an. Darunter sind allein zehn Sorten Chasselas, also Gutedel, dazu Chardonnay, Sauvignon Blanc, Silvaner, einige Rotweine sowie Spezialitäten. Degustieren kann man diese an sechs Tagen der Woche auf der romantischen Terrasse mit dem atemberaubenden Ausblick und in der gemütlichen Gaststube. Hier bewirtet das Geschwisterpaar auch leidenschaftlich gerne Gäste und organisiert Geschäftsessen, Seminare, Geburtstage oder andere individuelle Anlässe.

Das Weinerbe der Mönche 

Ein paar Weinberge weiter östlich bietet sich eine nicht weniger beeindruckende Szenerie. Wir stehen in einer kleinen Kapelle aus dem 14. Jahrhundert. Schon 200 Jahre vor deren Bau gründeten Zisterziensermönche hier das «Clos de Abbayes» und verwandelten den einstigen Waldhügel in den Rebberg «Dézaley», erfahren wir von Tania Gfeller. Sie ist quasi die Hausherrin der kleinen Oase und verantwortliche Repräsentantin von «Vins de Lausanne.»

Die Stadt Lausanne ist mit 33 Hektar Weinanbaufläche der grösste öffentliche Weinbaueigentümer der Schweiz. Dazu gehören fünf Weingüter, die vornehmlich Chasselas und etwa zehn klassische Cru-Weine produzieren. Dézaley ist mit seinen fünf Hektar Reben das kleinste, aber prestigeträchtigste davon und wird bis heute traditionell für Empfänge der Lausanner Gemeinde genutzt. Beim Rundgang durch die historischen Gemäuer mit Fresken und Holztäfelungen wird die Geschichte hautnah spürbar. Auch der Weinkeller ist eine Seltenheit. Er befindet sich oberirdisch und besteht Richtung Süden aus zwei dicken Mauern mit einem Zwischenraum vom einem Meter. Hier reift der Chasselas in grossen Holzfässern. «Er braucht viel Luft, um sich zu entwickeln», weiss die erfahrene Oenologin und degustiert mit uns auf der schattigen Terrasse hinter dem Haus einige ihrer Spezialitäten.

«Unser Wein ist idealer Begleiter zum Essen, denn er ist kräftig und reich an Mineralien, die er aus dem Boden mitbringt», verrät Tania während wir den erfrischenden Rebensaft und das Panorama mit Weitblick über dem Lac Léman geniessen. Noch ist der Besuch dieses zauberhaften Anwesens ein Privileg. Doch demnächst wird im Hause umgebaut. Ab nächstem Jahr soll hier dann ein neuer Weinladen entstehen und die Terrasse öffentlich zugänglich gemacht werden.

Weinreise mit Ausblick 

Entlang der waadtländer Weinterassen von Lavaux – das Gebiet zählt übrigens seit zehn Jahren zum UNESCO Welterbe – lassen sich noch viele solch entzückender Weingüter entdecken. Bequem geht das mit dem «Lavaux- Express», einem kleinen Touristenzug der tageweise wechselnd von den Schiffsanlegestellen in Lutry oder Cully aus gemächlich durch die Weinberge zuckelt.

Die einstündige Tour führt bergauf und bergab durch romantische Ortschaften wie Riex, Epesses oder Grandvaux und eine malerische Landschaftskulisse aus Weingärten, See und Bergen, die am Horizont thronen. Ein Zwischenstopp auf halber Strecke bietet Gelegenheit, sich mit einem Glas Wein zu verwöhnen und Fotos zu machen.

Unterschätzte Destination 

Nicht nur das Umland, auch Lausanne selbst hat Besuchern viel zu bieten. Seit 1994 darf sich der Ort Olympische Hauptstadt nennen, weil unter anderem das Internationale olympische Komitee hier seinen Hauptsitz hat. Neben Wein und Sport sind in der Universitätsstadt ebenso Kunst und Kultur in allen Facetten zu Hause. Das offenbart schon ein Spaziergang durch das lebendige Zentrum.

«Die City ist jung und pulsiert; es ist wunderbar hier», sagt Marie, die junge Französin, die uns im Restaurant Nomade im angesagten Stadtviertel Le Flon ein unvergessliches «Tartar de filet de féra du lac» serviert. «Zürich, Luzern und St. Moritz sind vielleicht weltbekannt, aber Lausanne ist eine bisher unterschätzte Feriendestination; eine Perle, die es noch zu entdecken gibt», findet sie und schenkt uns noch ein Glas Chasselas aus Lavaux ein.

Es spricht für sich, dass schon Berühmtheiten wie Voltaire, Victor Hugo, Charles Dickens, George Simenon und Coco Chanel Lausanne zu ihrer Wahlheimat machten, weil sie hier gleichermassen Ruhe wie Inspiration fanden. Und mag sich inzwischen auch viel verändert haben, so sind Landschaft, Geschichte, Charakter, Charme und die Seele der Stadt doch gleich geblieben. Und der Weinbau wird heute noch genauso wie damals mit viel Leidenschaft und Tradition zelebriert.

 

Gewusst, dass…  Europas älteste Weinversteigerung findet in Lausanne statt. Seit 1803 versteigert die Stadt jeden zweiten Samstag im Dezember seine klassische Weinkollektion

« Zurück

Was unternehmen?

Lausanne Tourisme Organisation Ihres Wochenendes: www.lausanne-tourisme.chwww.my-lausanne.comwww.facebook.com/MyLausanne

Vins de Lausanne: www.vinsdelausanne.ch

Domaine Croix Duplex, Route de Chenaux 2, 1091 Grandvaux, +41 (0)21 799 15 31, www.croix-duplex.ch

Text: Jacqueline Vinzelberg
Fotos: Jacqueline Vinzelberg






Kommentare