Freiburg – Das Original an der Saane


Das Schöne an Freiburg? Stadtführerin Maria Janke ist perplex. Das verrät uns ihr Blick. Eine unsinnige Frage auch. Aber Maria verzeiht sie uns. Schliesslich haben wir ja ausser dem Bahnhof noch nichts von Freiburg gesehen. Das soll sich nun umgehend ändern. Schnurstracks führt uns Maria in Richtung «Funiculaire.» Doch ehe wir einsteigen, halten wir einen Moment inne und blicken zuerst einmal in die Tiefe.


Mit einem Mal hat sich damit unsere Frage tatsächlich erübrigt. Vor uns liegt die wohl grösste mittelalterliche Stadt der Schweiz. Auf drei Seiten von der grünen Saane umwoben, die sich hier durch einen Moränenhügel schlängelt, schlummert Freiburg auf seiner steilen Felsenhalbinsel wie im Dornröschenschlaf. Industrialisierung und die Moderne haben nur wenige Spuren hinterlassen.

Erste Eindrücke 

Die Reste einer mächtigen Befestigungsmauer begrenzen die Oberstadt, die im 12. Jahrhundert durch die Zähringer Herzöge plangetreu ange-legt wurde. Parallel zu jeder der vier Abschnitte der Stadtmauer verläuft eine Gasse; eine fünfte parallel zur Hauptgasse. Allesamt sind sie flankiert von kunstvoll verzierten Häuserreihen; lediglich überragend von der Kathedrale St. Nicolas, dem Wahrzeichen der Stadt.

Dieser kehren wir zunächst den Rücken und schweben hinab in die Freiburger Unterwelt. Unser Gefährt: Das Funiculaire, die ökologischste Standseilbahn der Schweiz und einzige, die noch mit Wasserballast betrieben wird; und zwar mit jeweils rund 3’000 Liter filtriertem Abwasser aus der städtischen Kanalisation. Klingt geruchsträchtig und ist es auch. «Aber man gewöhnt sich daran», bemerkt Maria pragmatisch.

Tatsächlich haben die Freiburger ihr «Funi» so gerne, dass in den 1990er Jahren eine angedachte Einstellung auf heftigsten Widerstand stiess und die grüne Bahn stattdessen aufwendig renoviert und zum nationalen Kulturgut erkoren wurde. Für uns durchaus verständlich, da sie nämlich nicht nur sehr originell ist, sondern uns – mit tollem Ausblick inklusive – mehr als 55 Höhenmeter über steile Treppen erspart.

Tiefe Einblicke 

Auf der Ebene der Saane angekommen, spüren wir den Wind längst vergangener Zeiten. Unver-kennbar weht er durch die Gassen und entlang der historischen Häuserfronten des Quartiers ‘Neustadt’; trotz dieses Namens alt und nicht minder einzigartig. Nirgendwo sonst sind so viele gotische Häuserzeilen komplett im Original erhalten geblieben als in diesem ehemaligen Gewerbequartier der Tuchfäber und Weiss-Gerber.

«Das hängt mit der Geschichte zusammen», er-klärt Maria. Denn habe dieses Gebiet ein grosses Auf und Ab erlebt. Hatten ihm die Pilger einst

Reichtum beschert, so wurde ihm dieser durch den Bau der Zähringerbrücke wieder genommen. Daher konnten es sich die Bewohner hier lange nicht leisten, ihre Häuser umzubauen oder zu renovieren. «Heute habe sich das Schicksal jedoch zum Guten gewendet und liegt das Viertel wieder im Trend.»

Lebendige Traditionen 

Über die St. Johann Brücke überqueren wir die Saane und damit die Sprachgrenze. «Bestellt man auf der einen Seite Rösti, so wird auf der anderen nur der Kopf geschüttelt, als hätte man von dieser Speise noch nie gehört», lacht Maria und fügt hinzu, dass man sich sonst aber sehr gut verstünde. Nur habe es mit den Übersetzungen manchmal weniger gut geklappt. Davon zeugt die Palmegasse, deren deutscher Name eigentlich auf das Loch im Felsen Balm hinweist.

Von diesen Sprachbarrieren abgesehen, verbindet die Legende des Drachens aus dem Galterental. Seiner bediente sich das 75-jährige Stadtoriginal Hubert Audriaz, als er dem HC Fribourg-Gottéron – und damit der ganzen Stadt – ein Wappentier bescherte, das uns heute in Freiburg in den ungewöhnlichsten Formen begegnet.

So zum Beispiel in der gegossenen Ausführung des «Atelier du Chocolat», wo uns Hausherr John Lehmann im Zuge eines Workshops in die hohe Kunst der Confiserie einführt und uns das Temperieren von Schokolade lehrt. Wir staunen, als vor unseren Augen ein Drache aus drei verschiedenen Schokoladearten entsteht.

Anschliessend üben wir uns in einer von einer Freiburger Schülerin inszenierten modernen Tradition: dem Stadtgolf. Mit 18 Löchern führt der einzigartige Parcours durch die Altstadt. Wir spielen eine Runde und schlendern später weiter zur 46 Meter hohen Zähringerbrücke, die seit fast 200 Jahren die Quartiere Schönberg und Bürgeln und den Sensebezirk mit der Stadt verbindet.

Brücke zur Moderne 

Das heutige Bauwerk wurde 1922 anstelle einer Hängebrücke errichtet, die bei ihrer Fertigstellung im Jahre 1834 mit einer Länge von 273 Metern weltweit die grösste Spannweite aufwies.

Seit Eröffnung der Poyabrücke vor zwei Jahren ist die heutige Zähringerbrücke für den Autoverkehr gesperrt; ein Entschluss, der wieder Ruhe in die Stadt einkehren liess, so versichert uns Maria.

Über die Stalden – die steilste Strasse der Stadt – steigen wir zum Herzen Freiburgs hoch. Besonders eindrücklich ist hier die Kathedrale mit ihren wunderschönen Glasfenstern und ihrer bewegten Geschichte. Sie ist dem Stadtpatron, dem heiligen Nikolaus, gewidmet und Schauplatz des über die Stadtgrenzen hinaus bekannten, alljährlichen St. Nikolaus-Festes jeweils am ersten Samstag im Dezember.

Am Ende des Burgquartiers erreichen wir das Rathaus, ein hübsches Gebäude im spätgotischen Stil. Auf dem Platz stand einst die sogenannte Murtenlinde, gezogen aus einem Lindenreisig, das der Meldeläufer nach dem Sieg der Freiburger über Karl den Kühnen in die Stadt gebracht haben soll, ehe er tot zusammenbrach. Vor einigen Jahren wurde die Linde jedoch beschädigt und schliesslich durch eine Skulptur ersetzt. Ein Zeichen der Zeit!

Tatsächlich wird moderner Kunst in Freiburg ein grosser Stellenwert eingeräumt. Zu den Geheimtipps für Kunstliebhaber zählt die Ausstellung «Espace Jean Tinguely et Niki de Saint Phalle», die in einem ehemaligen Strassenbahndepot Einzug gehalten hat. Maria empfiehlt uns auch die Kunst-halle Fri-Art, das Marionetten-Museum sowie das didaktisch hervorragende Naturhistorische Museum; wertvolle Tipps, die wir uns eifrig notieren.

Für heute aber verbleibt nur noch ein letzter Ausblick. Und dieser ist leicht zu finden, denn in Freiburg ist man nie weit von einem Aussichts-punkt entfernt. Das ist sicherlich der Lage auf dem Felsenvorsprung zu verdanken. Und wenn wir so am Ende eines Tages mit vielen Eindrücken auf der Terrasse des ehemaligen Jesuiten Kollegium Saint Michael die Stadt ein letztes Mal überblicken, können wir gar nicht anders, als selbst über unsere eingangs gestellte Frage zu lachen. Das Schöne an Freiburg? Eine unsinnige Frage, aber wirklich!

 

Fribourg Tourisme et Région 

Place Jean-Tinguely 1 

Case postale 1120 

1701 Fribourg 

+41 (0)26 350 11 11 

www.fribourgtourisme.ch 

 

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Wo schlafen?

City Break Angebot 

Inklusive: 

1 oder 2 Nächte im DZ 

Frühstück-Buffet 

1 City Card 2 Tage 

(Die Karte beinhaltet freie Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, freier Eintritt für 14 Museen und die Kathedrale, Audiotouren, Stadtgolf, Minizug-Fahrt, Partie Bowling und die Schwimmbäder von Freiburg) 

Preis: pro Person und Nacht im DZ 

3* Hotel: CHF 89 

4* Hotel: CHF 99 

Information und Buchung: http://www.fribourgtourisme. ch/de/Package-city-break 

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Pierre Cuony, Sam Anderson, CS, swiss-image.ch/Markus Buehler-Rasom






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