Ferienregion Heidiland: Spitzmeilenhütte – Alpenzauber


An einem verträumten, spätsommerlichen Morgen späht auf 1’818 Meter über dem Meeresspiegel die Sonne zaghaft durch die schmalen Fenster der Murgseehütte. Drinnen herrscht Aufbruch-stimmung. Teller und Gläser klirren. Eifrig werden Rucksäcke gepackt. Bereits am Nachmittag soll das Wetter umschlagen.


 

Eine Stunde später blicken Cherez Tschopp und Marina Satapathy von der gegenüberliegenden Bergkuppe auf die gestrige Bleibe zurück. Wein- bis violett-rote Verrucano-Gesteine färben das gletschergeprägte, skandinavisch-anmutende Tal. Diese entstanden vor rund 250 bis 300 Millionen Jahren unter Bedingungen, wie sie heute im Death Valley herrschen – unwirtlich und lebensfeindlich.

 

Eine klare Linie trennt den Murgsee- vom Widersteinfurggel. Auf einer Seite ist das Gestein grobkörnig; auf der anderen schieferig feinkörnig – ein Beweis dafür, dass während der Entstehung der Alpen die Verrucano-Schichten an dieser Stelle übereinander geschoben wurden.

 

Kontrastreiche Welten

Vom Widersteinfurggel fällt der Weg steil bergab und mündet in das sanfte Mülibachtal. Der Kontrast könnte nicht grösser sein, denn wellt sich dort die Landschaft in grasbewachsenen Sonnenhängen aus 50 Millionen Jahre jungem Flysch. Schon von weitem hören die Wanderinnen die lockenden Rufe eines Älplers, der noch vor Einbruch des Schlechtwetters seinen einzigen Bullen zurück zur Alp treiben will. ‘Gerold’ lässt sich heute besonders bitten.

 

Das Schauspiel begleitet Cherez und Marina während des steilen Aufstieges zum Wissmilengipfel. Hart und steinig ist der Weg; locker und rutschig das Geröll. Cherez klettert teilweise auf allen Vieren und bereut, keine Wanderstöcke dabei zu haben. Doch umso grösser ist am Gipfel die Belohnung: am „Dach der Welt” reicht das Panorama meilenweit über die Berggipfel, Täler, Seen und Wälder der Ferienregion Heidiland. Nur die am Horizont aufziehenden, dunklen Wolken mahnen die Wanderinnen schliesslich zum Weitergehen.

 

Am Gratweg folgt bereits der nächste Blickfang. Schneeweisser Gips steht auf der Flumser Seite des Wissmilen und säumt den Pfad zum Furggel, wo die Route zur Spitzmeilenhütte abzweigt. An dieser Stelle eröffnet sich ein weiter Blick über die zerfurchte Ebene Fursch, an dessen Ende der vorbeieilende Gletscher eine Moränenwand hinterlassen hat. Es ist ein Anblick, der mit dem aussergewöhnlichen Etappenziel, der Spitzmeilenhütte, schlussendlich noch vervollständigt wird.

 

Die Würfel sind gefallen

Wie ein überdimensionaler Würfel balanciert die vom Buchser Architekten Rolf Berger entworfene Spitzmeilenhütte mächtige 2’087 Höhenmetern über dem Tal. Sieben Jahre zuvor wurde sie an der Stelle ihres über hundertjährigen Vorgängers realisiert und bietet seither sowohl Winter- als auch Sommer-gästen Zuflucht und Erholung.

 

Im Keller befindet sich der Winterraum mit acht Betten, im Erdgeschoss die Küche und Hüttenstube samt grosser Glasfronten; darüber ein Schlafgeschoss mit Zimmern für vier, sechs oder acht Personen. Eine kleine Wasserturbine liefern Energie; eine Quelle Trinkwasser. Trotz ihrer 50 Schlafplätze verfügt die SAC Hütte über die Energiebilanz eines Einfamilienhauses – eine beachtliche Leistung.

 

Wichtiger noch – besonders in einem Moment als das Gewitter seine Drohung wahr macht: die Hütte ist auf den ersten Blick einladend, die Begrüssung warm und herzlich. Schon beim Abstieg hat Hüttenwartin Anna-Barbara Kayser ihre Gäste erspäht und geleitet die beiden nun zu ihrem Schlafgemach.

 

Cherez und Marina können ihr Glück kaum fassen. Sie werden die Nacht im eigenen Zimmer verbringen und können ihre müden Wanderschuhe sogleich gegen gemütlichen „Crocs” tauschen. Mit Apfelmus- und Schoggi-Kuchen sowie „Geist Apèro” erholen sich die beiden verdienterweise von den Strapazen der letzten Tage und blicken dabei immer wieder hinaus in die dunkelnde Landschaft. Dort erwartet sie morgen früh zum perfekten Abschluss am Weg zum Walensee der eindrückliche Spitzmeilen. Die Erinnerungen des Welterbe-Weges werden die beiden auf lange Zeit begleiten.

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Wo schlafen?

SAC Spitzmeilenhütte

Anna-Barbara Kayser, Paul Buchmann

+41 (0)81733 22 32,

+41 (0)79 600 58 11

info@spitzmeilenhuette.ch

www.spitzmeilenhuette.ch

 

Übernachtung

Sommer: bis 19. Oktober offen und bewartet

Erwachsene CHF 40

Kinder CHF 19

SAC Mitglieder CHF 29/Jugend CHF 17

Halbpension CHF 35

Dusche CHF 5

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Cherez Tschopp






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