Chäserrugg: Churfirstner Höhenflüge


Der Chäserrugg, der erste und östlichste der Churfirsten, zählt zum Eidgenössischen Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Auf 2‘262 m ü. M bietet er nicht nur atemberaubende Ausblicke, sondern auch ein naturnahes, wegweisendes Tourismusangebot. Davon überzeugten wir uns aus erster Hand.


Wohin geht ein Schweizer Überflieger, wenn er Kraft tanken möchte? Die Antwort ist einfach: In die Höhe natürlich! Ein Schweizer Überflieger geht dorthin, wo der Weitblick über den eigenen Gedanken-horizont hinaus reicht, wo die Welt unendlich zu sein scheint und er selbst nur ein klitzekleiner Punkt inmitten des Wunders Natur ist. Kurzum: Er geht auf den Gipfel, so wie Skispringer Simon Ammann. Und Ammann ist mehr als repräsentativ; ist er doch der beste Schweizer Überflieger.

Doch darf es für den vierfachen Olympiasieger nicht einfach irgendein Gipfel sein. Den gebürtigen Toggenburger zieht es auf den Chäserrugg, den Hausberg seiner Kindheit, wo er seit Ende 2012 Hauptaktionär und Verwaltungsratsmitglied ist. Dort kann er nicht nur Energie tanken, sondern auch seiner Heimat Wertschöpfung erweisen.

Und was für den grossen Meister der Lüfte gut ist, kann wohl auch für einen Fan seines Sportes nicht falsch sein. Das können auch wir bestätigen, denn an einem Bilderbuch-Nachmittag begeben wir uns auf Höhenflüge im Erholungsgebiet über dem Walensee und erleben hierbei sowohl naturnahen als auch innovativen Tourismus.

Hoch hinaus 

Vom Skisprung-Matador ist heute zwar nichts zu sehen, jedoch ist auch unsere Begleitung keine Unbekannte in diesen Gefilden. In den letzten Jahren hat Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburger Bergbahnen, gemeinsam mit Ehemann Matthias und Investoren wie Simon Ammann, der Chäserrugg-Region neues Leben eingehaucht und damit positive Zeichen für die Zukunft gesetzt.

Vor fünf Jahren kam die gebürtige Französin während eines Anlasses mit Pierre de Meuron ins Gespräch und konnte den Stararchitekten zu einem Besuch des östlichsten Churfirsten begeistern. Einmal vor Ort, war für die Basler «Herzog & de Meuron» klar: Hier wollten sie bauen und die funktionale, alte Seilbahnstation sowie das schmucklose Bergrestaurant durch Neubauten mit Signalwirkung ersetzen.

Gemäss der Aussage der Macher sollten die neuen Bauwerke «die Sprache der lokalen Architektur in Material und Form aufnehmen und der eindrücklichen Umgebung und ihren Traditionen den gebotenen Respekt zollen.» Nach einer zweijährigen umfassenden Studie stand das Konzept für beide Projekte. Schon ein Jahr später war das erste Unterfangen Realität: Das praktische und flexibel nutzbare Gipfelgebäude.

Natürliche Ästhetik 

Heute zeigt der hölzerne Bau, was Architektur auf dem Berg zu leisten vermag. Natur, Kultur und Gebäude stehen in einer spannenden Wechselbeziehung zueinander; ergänzen, unterstreichen und zelebrieren sich gegenseitig und erfüllen zudem die technischen, betrieblichen und ökonomischen Anforderungen eines exponierten Berghauses.

Jedem Element kommt eine bestimmte Aufgabe zu. Nichts ist nur Zierde oder Schein. Schon auf den ersten Blick hat man den Eindruck, die Konstruktion zu verstehen. Ein mächtiges Flügeldach breitet sich wie eine schützende Hand über das Gebäude, widerspiegelt die asymmetrische Form des Bergrückens und verankert den T-förmigen Bau, der ein 53 Meter langes Restaurant, eine Küche, Toiletten und flexible Veranstaltungsräume beherbergt und gegen Süden durch eine weitläufige Sonnenterrasse verlängert wird.

Ein sockelartiger Aufbau reduziert den Bodenverbrauch, sodass das Gebäude zurückversetzt und der Gipfel wieder frei gegeben wurde, der viele Jahre verdeckt war. Auch Fenster eröffnen erstmals den Blick Richtung Nordwesten und verweisen Stilelemente auf die Tradition und Kultur des Toggenburgs.

Leidenschaft Landschaft 

Ist der Chäserrugg schon auf Grund dieses Neubaus mit seiner faszinierenden Architektur, seinem spannenden Veranstaltungsprogramm und seiner regionalen Küche wahrlich einen Besuch wert, so bleibt doch der Berg, als solcher, die eigentliche Attraktion und ist tatsächlich so ein Hingucker, dass es sich hier viele Stunden verweilen und entspannt die Aussicht geniessen lässt.

Gemeinsam mit Hinterrugg und Rosenboden bildet der Chäserrugg – als erster und östlichster der Churfirsten – ein Hochplateau, dessen Horizontalität in starkem Kontrast zu den schroffen Felswänden steht, die im Süden steil zum Walensee und im Norden ins Toggenburg abfallen. Auf 2‘262 M. ü. M. bietet die Hochebene einen atemberaubenden Weitblick auf den Walensee, das Rheintal und auf insgesamt 500 Gipfel in sechs Ländern. Ein Anblick, der nicht nur Überflieger Simi entzückt: 2015 kürte das deutsche Magazin «Geo» diese Aussicht zu einem der zehn schönsten Alpenpanoramen.

Es ist eine Schönheit, die sowohl Bund als auch Tourismusträger als schützenswert befinden. So ist der Chäserrugg Teil des Eidgenössischen Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Seit Jahren verfolgen ferner die Tourismusträger, die Toggenburger Bergbahnen, eine «dezidierte Strategie des naturnahen und genussorientierten Tourismus inmitten einer intakten Naturlandschaft.»

Diese Philosophie macht sich bezahlt. Ist das Gebiet zwar schon seit 1972 durch eine Bahn erschlossen und nur eine Stunde von Zürich entfernt, so hat es dennoch viel von seiner Ursprünglichkeit bewahrt. Davon kann man sich im Zuge eines der neun Themenwege überzeugen, die dieses Terrain auf ebenso faszinierende Weise erlebbar machen, wie das Gipfelgebäude.

Auch die neue Stöfeli-Bahn, die eine Erschliessung des Chäserrugg für die Skifahrer ermöglicht, wurde schon fertig gestellt. Niemand vermag zu sagen, welche Streiche die klugen Köpfe im Verwaltungsrat später noch aushecken werden. Eines ist jedoch gewiss: Der Chäserrugg wird sicherlich ein Ort der Überflieger bleiben!

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Was unternehmen?

SPOT TIPPS: WANDERROUTEN 

DER BLUMENWEG: Chäserrugg – Rosenboden – Chäserrugg 

Je nach Saison ist auf dem Blumenweg eine einmalige Alpenflora zu entdecken und mittels Schildern beschrieben. 

Wanderzeit: 45 bzw. 90 min, je nach Routenwahl 

Länge: 3 km gesamt 

Höhendifferenz: 60 m gesamt 

Schwierigkeitsgrad: leicht (T1) 

 

RUNDWEG ROSENBODEN: Chäserrugg – Rosenboden – Chäserrugg 

Die flache Hochebene Rosenboden lädt zu gemütlichen Spaziergängen mit atemberaubender Aussicht über das Alpsteinmassiv, den Alpenbogen und steil auf den Walensee hinab, ein. 

Wanderzeit: 45 bzw. 120 min, je nach Routenwahl 

Länge: 3 km gesamt 

Höhendifferenz: 60 m gesamt 

Schwierigkeitsgrad; leicht (T1) 

 

DER GESCHENKTE GIPFEL: Chäserrugg – Hinterrugg – Chäserrugg 

Von der Bergstation ist der Gipfel des Hinterruggs, des höchsten der sieben Churfirsten, in nur 15 Minuten erreichbar und bietet wunderschöne Ausblicke auf das Bergpanorama sowie das Gipfelgebäude. 

Wanderzeit: 45 Minuten 

Länge: 1.5 km 

Höhendifferenz: 44 m 

Schwierigkeitsgrad: anspruchvoll (T2) 

Informationen: www.chaeserrugg.ch 

 

RailAway-Kombi-Angebot 

10% Ermässigung auf die ÖV-Fahrt (Zug/Postauto) nach Unterwasser, Post. 

10% Ermässigung auf die Wander-Tageskarte inkl. Postautofahrt Unterwasser–Alt St. Johann 

Angebot gültig bis 16. Oktober 2016 

www.sbb.ch/wandergenuss-chaeserrugg

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer






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