Bündner Herrschaft: Kleine Region der grossen Weine


Mitten in der Ferienregion Heidiland befindet sich das Schweizer Burgund: die Bündner Herrschaft. Zwischen Sargans und Landquart wachsen hier entlang des Rheins 42 Rebsorten, aus denen über 70 Betriebe hervorragende Weine keltern, die Land und Leute Ehre machen.


Dort, wo der Rhein noch jung ist und die Bündner Berge zu Höhenflügen ansetzen, reifen auf sonnigen Südhängen Weine wie im Burgunderland. Nur eben fast doppelt so hoch; auf etwa 500 Meter über dem Meer. Die Römer brachten die Reben einst über die Alpenkette in das Rheintal und pflanzten sie entlang des Flussufers bis nach Köln.

«In vino veritas – Im Wein liegt die Wahrheit», sagten sie und wussten, wovon sie sprachen. Denn ist das Glas erst leer, ist der Verstand plötzlich reicher. So zumindest in der Bündner Herrschaft, wo Sein und Wein nahe beieinander zu liegen scheinen und der Wein die Geschichte von Land und Leuten erzählt.

«Hier geht es um die Herkunft», bestätigt Gian Carlo Casparis, der seit drei Jahren Weintouren durch die Region führt. Der gebürtige Maienfelder musste seine Heimat zuerst verlassen, um zurück zu seinen Wurzeln zu finden und zu realisieren, dass sich die grössten Schätze vor seiner eigenen Haustüre befanden: Pioniere und Visionäre, die im kleinen Weinanbaugebiet Grosses vollbringen und herausragende Weine produzieren.

Land der Sonne 

Rund 6’900 Menschen leben auf dem nach Süden und Westen exponierten Landstrich der Bündner Herrschaft zwischen Fläsch und Landquart, einem Geröllschuttkegel des Falknis. Die Berge bilden ein natürliches Amphitheater, das den kalten Nordwind abschirmt. Dadurch wird das Klima vom warmen Südwind bestimmt, welcher von Chur her aus den Alpen weht und den Nebel vertreibt, der anderswo in den Tälern hängt.

Macht die Wärme die Höhenmeter wett, so sorgen kalkreiche Böden für eine gute Entwässerung und schenken den Trauben ideale Bedingungen, damit sie perfekt ausreifen können.

Dementsprechend gross ist die Diversifikation auf den rund 350 Hektar Anbaufläche. 42 Rebsorten gedeihen heute in Maienfeld, Jenins, Malans und Fläsch. Wurden früher vorwiegend weisse Trauben kultiviert, so ist heute der Blauburgunder (Pinot Noir) die bei weitem überwiegende Rebe. Aber auch die historische Sorte Completer wird wieder angebaut.

Mit dem Blauburgunder hat schon so mancher Winzer aus der Herrschaft einen Preis gewonnen, wie auch Andrea Davaz aus Fläsch. Sein URIS 2014 wurde beim letzten «Grand Prix du Vin Suisse» 2016 zum Pinot Noir des Jahres der Schweiz gewählt. Durchaus leistbare CHF 42 kostet die Flasche, doch ist dieser Wein leider schon restlos ausverkauft. Ein Exemplar befindet sich aber noch im Schauraum, in welchem Andrea regelmässig Besucher zu Führungen und Degustationen begrüsst. Die Davaz Geschichte ist exemplarisch für viele Winzer in der Region.

Leidenschaft aus Tradition 

«Du hättest auch einen guten Lehrer gegeben», ist auf dem Rückband der Biografie seines Vaters zu lesen. «Ja, könnte sein – dann gäbe es aber heute keine Porta Raetia und ringsum keine Weinberge, und ich würde irgendwo ein pensionierter Schulmeister sein.» Das Weingut Davaz, die besagte Porta Raetia, ging aus Güterzusammenlegungen zwischen 1966-1978 hervor. Vater Hans wagte damals den mutigen Schritt, Weinbauer zu werden. Er zählte zu der ersten Generation von Visionären und entfachte in seinen Kindern dieselbe Passion.

Ohne jegliche Ersparnisse und Sicherheiten erwarben die beiden Söhne Andrea und Johannes 1990 in der Toscana das Weingut «Poggio al Sole.» Während Johannes in Italien die Führung des Betriebes übernahm, kehrte Andrea in die Heimat zurück und erweiterte in der Herrschaft den elterlichen Betrieb zur heutigen hochmodernen Produktions- und Event-Stätte.

Mit verdientem Stolz präsentiert Andrea – gute 25 Jahre später – während eines Rundganges die eindrücklichen Maschinen, welche heute in Fläsch bei der Produktion zum Einsatz kommen und lässt mit Anekdoten in sein Leben blicken. Die digitale Welt, insbesondere Social Media, stellt heute eine grosse Herausforderung für ihn dar, denn er weiss: Macht man seine Sache auch noch so gut, wird es niemand wissen, wenn die Informationen nicht in die Welt getragen werden. Deshalb ist der Winzer auch froh, wenn Gian Carlo im Zuge der «Wine Tours» regelmässig mit Gästen zu ihm kommt und er Wissenswertes aus seinem Leben erzählen kann. Seine Liebe zum Beruf ist wahrlich das beste Marketing!

Zukunftsträger der Region 

Über diese Leidenschaft verfügt auch Jungunternehmer Andy Hartmann. Vor mittlerweile drei Jahren kam ihm die Idee einer aussergewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeit inmitten der Weinberge der Herrschaft. Hierfür funktionierte er kurzum vier 8’000-Liter Weinfässer aus Lärchenholz in eine romantische Bleibe, beziehungsweise ein Restaurant um und fand auf zwei landschaftlichen Betrieben einen idealen Platz für sie.

Die Resonanz ist gross. Derart gut gebucht sind die Schlaf-Fässer heute, dass Andy bereits Expansionspläne in Betracht zieht. Spannend an seinem Konzept – wie auch dem von Gian Carlo – ist das Miteinbeziehen des kulinarischen Erbes der Region.

Für Gian Carlo liegt die Verbindung auf der Hand: «Wein und Kulinarik verfolgen in der Bündner Herrschaft eine ähnliche Philosophie. Man bezieht sich auf den Ursprung und begleitet das Produkt vom Boden auf den Teller oder in das Glas. Es geht nicht darum, Quantität zu fabrizieren, sondern das Beste aus dem Land herauszuholen – und zwar auf nachhaltige Weise.» Das Resultat lässt sich schmecken und widerspiegelt sich in der Anzahl der mit Punkten und Sternen ausgezeichneten Betriebe und Köche – allem voran Starkoch Andreas Caminada, für den Gian Carlo eine eigene Tour konzipiert hat.

Auf unserer heutigen Weintour halten wir im «Alten Torkel Jenins», der neben dem Restaurant das neue «Huus vum Bündner Wii» beherbergt. Das knorrige Gebäude wurde einst zum Keltern verwendet und stellt nun ein Stück Winzerkultur in Form einer mächtigen Baumpresse aus. Wie überall in der Herrschaft ist der Bezug zu Land und Leuten klar erkennbar. Der Torkel steht stellvertretend für den grossen Unterschied im kleinen, feinen Weingebiet.

 

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Wo essen?

ESSEN WIE EIN KÖNIG 

Mit der Neueröffnung von 2016 hat der bekannte Bündner Spitzenkoch Christian Kaiser das Zepter in der neu angebauten Torkelküche übernommen. Lokale Produkte, qualitativ hochwertige Zutaten und kreative Ideen zeichnen sein Handwerk aus. Dafür wurde er vom Gastroführer Gault Millau bereits wieder mit 14 Gault Millau Punkten ausgezeichnet. Überhaupt sind die Bündner Herrschaft und das angrenzende Sarganserland wahre Genussregionen, in denen auf kleinstem Raum 14 Betriebe fast 200 Gault-Millau-Punkte vereinen.

Alter Torkel

Jeninserstrasse 3

7307 Jenins

+41 (0)81 302 36 75

www.torkel.ch

Wo schlafen?

SCHLAFEN IM WEIN-FASS 

In den zwei mal zwei 8’000-Liter-Wein-Fässern wird eine Übernachtung mit Abendessen oder Frühstück zu einem unvergessliches Erlebnis. Je ein Fass dient zum Schlafen, das andere als Wohn- und Aufenthaltsraum. In Jenins ist sogar das WC/Lavabo im Fass integriert. In Maienfeld befindet sich dieses im Weingut neben an.

Schlaf-Fass

Alte Brunnen 3

7206 Igis

+41 (0)79 280 02 62

info@schlaf-fass.ch

www.schlaf-fass.ch

Was unternehmen?

Heidiland Tourismus AG

Infostelle Bad Ragaz

Am Platz 1

7310 Bad Ragaz

+41 (0)81 300 40 20

www.heidiland.com

WINE TOURS 

Als gelerner Hotelfachmann weiss Gian Carlo Casparis: Immer mehr Menschen sind auf der Suche nach besonderen Erlebnissen, die ihnen Einblicke in Welten gewähren, wie sie sonst den Einheimischen vorbehalten sind. Deswegen hat er für seine «Wine Tours» auch ganz spezielle Pakete geschnürt, die seine Heimat – die Bündner Herrschaft – in kürzester Zeit auf unvergessliche Weise erschliessen.

Mehrmals wöchentlich oder nach Vereinbarung bietet er exklusive Weintouren geführt von lokalen Weinreiseleitern und einem persönlichem Chauffeur in fünf verschiedenen Sprachen (weitere Sprachen auf Anfrage).

Das Angebot beinhaltet zum Beispiel:

  • Vintage Tours: Tages- oder Halbtages-Tour
  • Oeno Tours
  • Weintour & IGNIV
  • Wein & Kulinarik Tours
  • Corporate Tours
  • Events

Spot Tipp: Zu den besonderen Schmuckstücken, die man während eines Tages mit Gian Carlo je nach Programm entdecken kann, zählen neben dem Weingut der Familie Davaz auch zum Beispiel das Schloss Salenegg (Bild auf der Folgeseite), das Scadenagut, das Restaurant IGNIV von Andreas Caminada im Grand Resort Bad Ragaz oder auch die imposante Privatbibliothek der Familie von Salis inmitten des Städtchens Maienfeld.

WINE TOURS SWITZERLAND

Postfach 48

7304 Maienfeld

+41 (0)78 735 00 42

www.wine-tours.ch 

«HUUS VUM BÜNDNER WII» 

Von April bis Oktober finden freitags um 16:00 Uhr Führungen im «Huus vum Bündner Wii» statt. Diese dauern ca 1.5 Stunden und erlauben einen erster Kontakt mit den Bündner Winzern.

Preis: CHF 20/Person inkl. Degustation

 

WEINWANDERUNGEN 

Insgesamt sind in der Bündner Herrschaft 40 km Wanderwege ausgeschildert. Das Herzstück bilden drei Rundwanderungen durch die Reben auf folgenden Routen:

Trimmis/Zisers: ca. 4 km

Malans/Jenins: ca. 10 km

Maienfeld/Fläsch: ca. 10 km

 

Informationen unter: www.heidiland.com/wein

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer, Gian Carlo Casparis, Adrian Flütsch und zVg






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