Bad Ragaz erwacht!


«Hiersein ist herrlich», Rainer Maria Rilke

Bad Ragaz | Seit zwei Klosterjäger im Jahre 1240 in der Taminaschlucht die Königin aller Heilquellen entdeckten, ist viel Wasser geflossen. 8’000 Liter pro Minute, um exakt zu sein. Die Thermalquelle bei Bad Ragaz ist die wasserreichste Akratotherme Europas. Seit Jahrhunderten belebt sie den Kurort Bad Ragaz und dessen Umgebung. Obwohl das Thermalwasser ein zentrales Element in Bad Ragaz geblieben ist, überrascht der St. Galler Kurort an der Grenze zu Graubünden mit neuen Veranstaltungen und Angeboten.


Der Zauber des frühen Morgens: Die Taminaschlucht döst im Schatten. Über Stein und Wald erheben sich schroff und mächtig die Felsen. Dicht gebündelt dringt warmes Licht in die Tiefe; zeichnet sanft die Konturen einer Landschaft nach, die über die Jahrtausende hinweg von Mensch und Natur geprägt wurde. Verborgen in der hintersten Ecke der Ferienregion Heidiland bewahrt sie ein kostbares Gut: Das Gold von Bad Ragaz.

Blaues Gold 

Der Weg entlang der Tamina ist eine Reise durch Zeiten und Welten. Einst war Ragaz ein unscheinbares Bauerndorf an der Nord-Süd-Verkehrsachse zwischen Deutschland und Italien. Dann entdeckten zwei Klosterjäger der Abtei von Pfäfers in einer engen, dunklen Felsengrotte in der Taminaschlucht eine Thermalquelle, aus der 36.5°C warmes Wasser sprudelte. Der Quelle wurden Heilkräfte zugeschrieben, die der Deutsche Arzt und Philosoph Paracelsus später belegte. Er wurde zum ersten Heilarzt von Bad Pfäfers und das blaue Gold ein begehrtes Gut.

Lebensader einer Region 

Seit dem 13. Jahrhundert pilgern Heilungsuchende in die Taminaschlucht, um im blauen Wunder zu genesen. Anfänglich war das Privileg schwer verdient. Ehe das Thermalwasser in hölzernen Leitungen aus der Felsenspalte geleitet wurde, war die Schlucht nur von oben zugänglich; der Abstieg so prekär, dass ihn die wenigsten wagten. Gäste wurden mit verbundenen Augen in Körben in die Tiefe abgeseilt. Dort verharrten sie dann sieben bis zwölf Tage im Wasser, Tag und Nacht, bis ihre Haut aufbrach und die bösen Geister entweichen konnten. Keine Kur für schwache Nerven!

Dies änderte sich 1716 schlagartig mit dem Bau des «Bad Pfäfers», dem ersten barocken Badehaus der Eidgenossenschaft. Mit einem Male wurde das Heilbaden zum Vergnügen für jedermann; eine frohe Botschaft, die sich wie Lauffeuer verbreitete. Zwei- bis dreihundert Menschen verweilten zur Hochblüte in Bad Pfäfers; darunter schillernde Persönlichkeiten wie Ulrich Zwingli, Thomas Mann, Carl Zuckermayr und Rainer Maria Rilke.

In ihre faszinierende Welt kann man Jahrhunderte später nicht nur bei den Ausstellungen und der Videothek der heutigen Gast- und Kulturstätte einblicken. Auch Räumlichkeiten wie Wannenbade-und Gästezimmer, Speisesaal, Küche und Kapelle sind im Original erhalten geblieben. Und bis heute wird Gastlichkeit in den Restaurationen des «Alten Bad Pfäfers» zelebriert. Nur gebadet wird hier längst nicht mehr…

Als das Thermalwasser vor über 175 Jahren zum ersten Mal nach Ragaz weitergeleitet wurde, begann der Aufstieg des einstigen Bauerndorfes zum renommierten Weltkurort. Das Badehaus «Hof» wurde kontinuierlich erweitert; die Infrastruktur des ganzen Dorfes an die Bedürfnisse der wohlhabenden Gäste angepasst, die nun aus aller Welt anreisten. Nebst dem «Grand Hotel Quellenhof» entstanden Pensionen und Gewerbebetriebe für den Mittelstand. Ab 1936 trug Ragaz das «Bad» auch namentlich.

Im Wandel der Zeit 

Als Rosa Ilmer im Juni 1986 in den Kurort kam, war der Zauber ungebrochen. «Es war nobel, einen Sommer in Bad Ragaz zu verbringen,» erinnert sich die heutige Präsidentin von Bad Ragaz Tourismus. «Die Gäste blieben monatelang und belebten das Dorf. Man witzelte sogar, dass man als Autofahrer gute Scheibenwischer brauchte, um den Menschen an einem Sommertag Herr zu werden.» 32 Jahre später ist vieles anders. Die Globalisierung und die veränderten Reisegewohnheiten sind am Kurort nicht spurlos vorbeigegangen. Wie andere traditionelle Tourismusorte in der Schweiz drohte auch Bad Ragaz in einen Dornröschenschlaf zu versinken. Dank innovativen Ideen gelang es dem Kurort in den letzten Jahren allerdings, sich neu zu erfinden.

Heute trägt Bad Ragaz als offizielle «Wellness Destination» nicht nur ein Gütesiegel für seine Gesundheits- und Wellnessangebote. Zahlreiche Kultur-, Naturerlebnis- und kulinarischen Angebote wissen vor Ort zu begeistern. Etwas ist allerdings gleich geblieben: Im Zentrum steht weiterhin das blaue Gold aus der Schlucht.

 

Geschichte erleben! 

In der Kulturstätte «Altes Bad Pfäfers» wird die Geschichte der Region und des Kurbadens über verschiedene Medien vermittelt: Mittels Ausstellungen im Museum Badgeschichte und der Paracelsus Gedenkstätte; crossmedial in der Mediathek; und interaktiv im Zuge des Audiowalks.

Spot Tipp: Laden Sie sich den Audiowalk als kostenlose App zuhause oder in der Mediathek auf Ihr Smartphone («ABP AudioWalk»)

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Wo essen?

87 GAULT-MILLAU-PUNKTE: Bad Ragaz vereint 87 GaultMillau-Punkte. Neben dem «Rössli» (15) und dem «Löwen» (14) finden sich mit dem «Igniv» (16), dem «Bel-Air» (15), dem «Gladys» (14) und dem «Namun» (13) gleich vier Gourmettempel im Grand Resort. spavillage.ch

WEINE DEGUSTIEREN: Vis-a-vis von Bad Ragaz liegt Maienfeld inmitten der Weinbauregion der Bündner Herrschaft. Dort steht der «Stall247», eine Mischung aus Vinothek, Taverna und Laden. Hier lässt sich ein-heimischer Wein degustieren. Stall 247, Spitalgasse 16, 7304 Maienfeld, +41 (0)81 599 46 76, stall247.ch

 

 

Wo schlafen?

TOP 3 HOTEL DER SCHWEIZ: Ob Wellbeing, Gastronomie, Unterkunft oder Casino: Das 5-Sterne Resort bietet ein Hotelerlebnis, das auf die individuellen Bedürfnisse des Gastes abgestimmt ist. Die «NZZ am Sonntag» wählte es kürzlich unter die Top 3 Hotels der Schweiz. Grand Resort Bad Ragaz, 7310 Bad Ragaz, +41 (0)81 303 30 30, resortragaz.ch

NEBEN CRISTO ÜBERNACHTEN: Das sympathische Boutique-Hotel Schloss Wartenstein thront neben der Ruine der namensgebenden Burg über dem Rheintal und überblickt das Tal. Es wurde vom «Der Grosse Restaurant & Hotel Guide» zum «Schweizer Hotel 2018» gewählt. Hotel Schloss Wartenstein, 7312 Pfäfers, +41 (0)81 302 40 47, schloss-wartenstein.ch

 

 

 

Was unternehmen?

QUELLE DER ERHOLUNG: Das ausgezeichnete Spa ist auf die 8 Quellen des Ragazer Thermalwassers ausgelegt. Es umfasst u.a. ein historisches Thermal Spa, eine Schlucht, eine Saunawelt und ein grosses Beauty- und Wellnessangebot. Day-Spa Angebote erhältlich.  36.5° Wellbeing & Thermal Spa, Grand Resort Bad Ragaz, 7310 Bad Ragaz, +41 (0)81 303 30 30, resortragaz.ch/wellbeing

GLÜCKSGEFÜHLE: Mit Live-Games, Slots, Golden Wave Bar und Events bietet das Casino Bad Ragaz ein abwechslungsreiches Gesamtunterhaltungsprogramm für Erwachsene. Spot Tipp: Die Golden Wave Bar bietet über 100 Sorten Gin aus aller Welt. Casino Bad Ragaz, Grand Resort Bad Ragaz, 7310 Bad Ragaz, +41 (0)81 303 30 30. resortragaz.ch/casino

ERHOLUNG IM GRÜNEN: Grün entspannt und tut der Seele gut – Das Naherholungsgebiet «Giessenpark» bietet nicht nur Spazierwege entlang des Sees oder Rheins. Hier befindet sich auch ein Freiluftbad, ein Campingplatz und ein Restaurant. Giessenpark GmbH, Seestrasse 41, 7310 Bad Ragaz, +41 (0)81 661 23 45, giessenpark.com 

HAUSBERG PIZOL: Bad Ragaz hat mit dem Pizol auch einen Hausberg, der vom Tal aus ein schönes Wandergebiet bis auf über 2’000 m.ü.M. erschliesst. Auf Kinder wartet der Heidipfad; auf Erwachsene der Panorama-Höhenweg. Pizolbahnen AG, Loisstrasse 50, 7310 Bad Ragaz, +41 (0)81 300 48 30, pizol.ch  

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Sam Anderson, Carina Scheuringer und zVg






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