Appenzellerland: Ebenalp nach Säntis – Dem Himmel entgegen


Der Weg zur Ebenalp ist steil. Wie aus dem Nichts faltet sich der Alpstein inmitten der sanften Wogen des Appenzeller Hügellandes auf. Unten liegen friedlich in grüne Weiden eingebettet kleine Streusiedlungen. Oben ragen gewaltige Felsformationen selbstbewusst und majestätisch in den blitzblauen Horizont. Dazwischen verschlingen hungrige Schluchten Wolken am Abgrund tiefer Täler.


In Mitten der Südostwand des Ebenalpstocks schmiegt sich der Äscher an die nackte Schratten- Kalk-Felswand. Der tollkühne Holzbau mit seinen verspielten Holzläden ist das meistfotografierte Berggasthaus der Schweiz. Rechts davon blinzelt das ebenso schwindelfreie Wildkirchli unter dem Gewölbe zweier prähistorischer Höhlen hervor. Schon am frühen Morgen sind hier Fussspuren auf dem exponierten Pfad in Richtung Ebenalp erkennbar. Wir passieren das Wegstück im Flug –in der knallroten Kabine der Luftseilbahn.

Oben angelangt, schweift unser Blick endlos in die Ferne. Das Panorama erstreckt sich vom Thurgau bis zum Bodensee. Dutzende ‘bunte Vögel’umkreisen, wie Habichte, mit grossen Gleitschirmen die Berg- und Tallandschaft.

 

Bezaubernde Tiefblicke

Im Berggasthaus Ebenalp herrscht reger Betrieb. Auf der Terrasse stehen neben einer Sitzbank ein Paar Wanderschuhe. Dahinter trocknen –über Wanderstöcke gehängt –zwei schlappe Socken. Sie gehören Tobi, einem 38-jährigen Informatiker aus Zürich, der soeben die 723 Höhenmeter von Wasserauen hochgestiegen ist und nun seine brennenden Waden und müden Beine wohlver-dient der Sonne entgegenstreckt. Auch er hat den höchsten Berg des Alpsteins, den Säntis, als Wanderziel vor Augen. Wir werden ihm, eine knappe Stunde später, bei unserem ersten Etappenziel, dem Schäfler, wieder begegnen.

Der Weg zur Chlus über den Füssler und entlang des Zisler Kamms verläuft leicht ansteigend und ist einfach zu begehen. Zu unserer Rechten liegt der Kletterabschnitt ‘Parfum du Siècle’an der 1,5 Kilometer langen, bis 70 Meter hohen, überhängenden Wandflucht. Links fällt der Hang steil ab und gibt atemberaubende Ausblicke in Richtung Norden und Westen frei. Erst an der Alp Chlus öffnet sich das Panorama auch in Richtung Süden. Dort funkelt, im Herzen der Talsohle des Alpsteins, lieblich der Seealpsee.

Silberdistel, Frauenschuh und Eisenhut säumen den Pfad, der sich nach der Alp Chlus in lang-gezogenen steilen Zickzacklinien zum Schäfler empor schlängelt. Dort angekommen, weht uns zur Begrüssung auf der Sonnenterrasse eine Schweizer Fahne entgegen. Wir kehren ein, bestellen ein Glas Apfelsaft und eine Tasse Kaffee und nicken Tobi am Nebentisch zu, der es sich spontan anders überlegt und nun doch lieber zum Seealpsee weiterwandert.

 

Schwindelfreier Säntis

Mit neuen Kräften setzen wir unsere Wanderung entlang des Sattels fort. Neben uns fällt der Hang senkrecht ab, doch die ausgesetzten Stellen sind mit Drahtseilen gut gesichert. So erreichen wir, die Altenalptürme querend, etwas später wohlbehalten den Lötzlisalpsattel. Links unter der Felswand verbirgt sich die Meglisalp, eine Zwischenstation der Route vom Seealpsee zum Säntis. Vor uns zeigt sich der imposante Öhrlikopf. An dessen Seite finden wir zwischen Hinterer und Vorderer Öhrligrueb auch schon die nächste Sattelpassage.

Oberhalb des etwas rutschigen Geröllhanges der Öhrligrueb tritt der Säntis-Gipfel wieder ins Bild. Die moderne Wetterstation glänzt mysteriös in der warmen Nachmittagssonne. An einer Seite ragt der grazile Sendeturm wie eine überdimensionale Nadel 123 Meter in die Lüfte. Das Ziel so nah vor Augen, stapfen wir entlang des Höchniderisattels zur Rossegg, einem mit grünen Inseln durchzogenen Karstgebiet.

Zu guter Letzt folgt die Schlussetappe durch Blau Schnee. Mit besonderer Sorgfalt navigieren wir das wechselnde Terrain aus Schnee und Fels zur sogenannten ‘Himmelsleiter’, die mit Metalltritten und beidseitigen Stahlseilen ausgestattet sicher auf den Säntisgipfel führt. Nach 6-stündiger Wanderzeit haben wir unser Ziel erreicht und beobachten vom Nostalgie-Doppelzimmer im Berggasthaus Alter Säntis aus, wie sich die Dunkelheit langsam über den Alpstein legt.

 

Zum Greifen nah

Am nächsten Morgen stehen wir schon zeitig in den Startlöchern. Noch herrscht tiefste Nacht und nur das Licht unserer Stirnlampen weist uns den Weg zur Aussichtsterrasse, von der wir im Schatten der Dunkelheit in den leuchtenden Kosmos blicken. Das weisse Band der Milchstrasse durchbricht in einer noch nie gesehenen Klarheit den funkelnden Sternenhimmel.

Dann plötzlich der erste Schimmer am Horizont. Die aufgehende Sonne bringt die Hügel nach und nach zum Glühen; Lichtflecke bilden sich auf stillen Gewässern. Langsam erwacht die Welt zu unseren Füssen, leuchtet in der Morgensonne auf, beginnt sich zu strecken und zu recken. Plötzlich mischt sich der Duft von Kaffee unter die frische Morgenluft.

Das Sonnenaufgangsbuffet steht in den Panorama-Restaurants Säntisgipfel bereit –und während für viele Besucher der Tag hier am Wetterberg erst beginnt, geht er für uns mit der Talfahrt der Säntisbahn zu Ende.

 

Weitere Informationen:

Wanderzeit

Ebenalp-Chlus-Schäfler: ca. 1 Stunde

Schäfler-Säntis: ca. 5 Stunden 

Appenzellerland Tourismus AI

Hauptgasse 4, 9050 Appenzell

+41 (0)788 96 41

www.appenzell.ch

 

Appenzellerland Tourismus AR

Bahnhofstr. 2, 9410 Heiden

+41 (0)71 898 33 00

www.appenzellerland.ch  

« Zurück

Wo essen?

Panorama-Restaurants Säntisgipfel

+41 (0)71 277 99 55

www.saentisbahn.ch

 

Alter Säntis

+41 (0)71 799 11 60

www.altersaentis.ch  

 

Wo schlafen?

Aescher

+41 (0)71 799 11 42

www.aescher-ai.ch

 

Ebenalp

+41 (0)71 799 11 94

www.gasthaus-ebenalp.ch

 

Schäfler

+41 (0)71 799 11 44

www.schaefler.ch

 

Berghotel Schwägalp

+41 (0)71 365 66 00,

www.saentisbahn.ch

 

Gasthaus Passhöhe

+41 (0)71 364 12 43

www.saentisbahn.ch

Was unternehmen?

Selbst erleben:

Luftseilbahn Wasserauen-Ebenalp AG

Schwendetalstrasse 82,

9057 Wasserauen

+41 (0)71 799 12 12

Bergfahrt: CHF 20/Erwachsene, CHF 6.50/Kinder (exkl. HT)

www.ebenalp.ch  

 

Säntis-Schwebebahn AG

9107 Schwägalp

+41 (0)71 365 65 65

Talfahrt: CHF 32/Erwachsene, CHF 16/Kinder (6-16 Jahre) (exkl. HT)

www.saentisbahn.ch  

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer






Kommentare