Absolut aussergewöhnlich


Selbst den Lausannern fällt es schwer, ihre Stadt in Worte zu fassen. Sie wissen nur eines ganz gewiss: Gewöhnlich ist Lausanne sicherlich nicht! Und da haben sie auch Recht. Denn eben genau dieses Besondere macht den Charme der Metropole des Waadtlandes aus.


«Lausanne hat Wurzeln, Geschichte», beginnt Christine Seuret ihre Stadtführung. Über die Brücke Charles-Bessières führt sie uns zum Anfang: Dem Hügel der Kathedrale Notre-Dame. Schon im 4. Jahrhundert siedelten hier Menschen. Davon zeugen die Spuren, die Archäologen vor langer Zeit aus der Erde pinselten. Darunter behauene Feuersteine sowie Reste von Waffen und einfachen Behausungen.

Aussergewöhnlich geschichtsträchtig 

Als die Kathedrale erbaut wurde, war Lausanne Bischofssitz und Wallfahrtsort. Im Mittelalter pilgerten 60’000 Menschen über den Jakobsweg oder die Via Francigena hierher, während der Anteil der Stadtbevölkerung nur ein Zehntel betrug. Weit verbreitet war der Glaube, dass man im grössten Gotteshaus des Landes ungetauft verstorbene Kinder von der ewigen Verdammnis befreien könne. Ausserdem gab es eine Marienstatue, der das sogenannte Befreiungswunder nachgesagt wurde. Dafür war natürlich keine Reise zu weit.

Damals sah die Cathédrale de Lausanne noch anders aus. Weil sie von allen Seiten vollständig von Molassesandsteinfelsen einfasst war und man sie nicht, wie heute, einfach umgehen konnte, führte ein Durchgang mitten durch den Kirchenbau. Bei näherer Betrachtung kann man seine Umrisse auch heute noch in der Fassade entdecken.

Auch im Inneren hat Notre-Dame Geschichten zu erzählen. So wie die der Rosette aus dem 13. Jahrhundert, mit 105 Medaillons eine der bedeutendsten Europas. Oder die des grössten Musikinstrumentes der Schweiz, einer 40 Tonnen schweren Orgel mit 7’396 Pfeifen und rund 100 Registern. Und natürlich die des Nachtwächters, dessen Ruf seit über 600 Jahren die Lausanner Nacht begleitet.

Aussergewöhnlich traditionsreich 

«Traditionen werden in Lausanne gross geschrieben», bestätigt Christine, während sie uns von der Kathedrale die achthundert Jahre alten Escaliers du Marché hinab zum Marktplatz führt. Dank der Hanglage stehen in der Cité Geschichte und Moderne nicht nur dicht beieinander, sondern auch übereinander und sind manches Mal sogar ineinander verwoben.

Das stete Wechselspiel zwischen Alt und Neu findet auf dem Place de la Palud inmitten der Fussgängerzone seinen Höhepunkt. Umgeben vom geschäftigen Markttreiben eines Mittwochvormittags befinden sich hier das Rathaus aus dem 17. Jahrhundert sowie der älteste Brunnen der Stadt. Letzteren umringt eine Gruppe von Kleinkindern. Grosse Augenpaare fixieren erwartungsvoll die dahinter liegende Wanduhr, die zu jeder vollen Stunde zwischen 9 und 19 Uhr Waadtländer Geschichten zum Besten gibt. So zum Beispiel die Legende des lokalen Helden Major Davel, der die Stadt einst vergebens von der Bernern zu befreien versuchte.

Aussergewöhnlich abwechslungsreich 

Am anderen Ende der Fussgängerzone geht die Zeitreise weiter. Dort führt der zweite der drei Hügeln von Lausanne vorbei an der stattlichen Rue de Bourg – einst eine der wichtigsten Lebensadern der Stadt und heute eine beliebte Shopping- Strasse – zur ehemaligen Klosterkirche Eglise Saint-François. Spätestens jetzt wird klar, warum den Lausanner Frauen die schönsten Beine der Schweiz nachgesagt werden. Wenngleich sich auch jeder Ausblick lohnt, gehen die Hügel doch ganz ordentlich in die Beine.

Einmal oben angelangt, geht es auch gleich wieder hinab. Inmitten imposanter historischer Gebäude, in welchen Banken und vielerlei Geschäfte integriert sind, gleiten wir mittels Rolltreppen in die Tiefe. Unten, ganz unten, und zwar im längst trocken gelegten Flussbett, dann die grosse Überraschung: Das andere Lausanne. Das Lausanne der Hypermoderne.

Flon heisst das Trendquartier und neue Aushänge-schild der Stadt. In der Fussgängerzone des ehemaligen Lagerhallenviertels stehen futuristische Würfel und atmen Fassaden aus kissenartigen Membranen. Und zwischen grossflächig verglasten Häusern wächst ein wundersamer Baum aus stilisierten Ästen und Wurzeln. Es hat den Anschein, als wäre das ganze Viertel ein modernes Kunstwerk.

Aussergewöhnlich persönlich

Zwischen Designer-Boutiquen, Cafés und Trendrestaurants dann ein besonderes Schmuckstück: La Malle au Trésor. Eine Zeitkapsel, die in eine andere Welt entführt. Eine Welt, in der das Reisen noch ein Lebensabenteuer war und mit Schrankkoffern unternommen wurde.

Bis zu 160 Jahre alt sind die getreuen Wegbegleiter, denen der Kunsthandwerker Pierre Ilg neues Leben einhaucht. Gemeinsam mit selbst entworfenen, neuen Kreationen in allen Grössen und Formen stapeln sie sich in seinem Atelier und laden zum Träumen ein; die Verkörperung einer Leidenschaft fürwahr! Der Wahl-Lausanner zählt zu einer Garde von Kunsthandwerkern, von denen es leider nur noch wenige gibt. Vielleicht eine Handvoll weltweit, schätzt er. Doch damit sein Handwerk nicht ausstirbt, ist er bemüht, sein Wissen weiterzugeben. Nur das richtige Gefäss dafür fehlt ihm noch.

Ebenso grosszügig mit ihrem Wissen ist die junge Unternehmerin Pauline Martinet. Die Co-Inhaberin der Boutique Chic Cham ist gleichzeitig die Herausgeberin und Autorin des ungewöhnlichen Stadtführers «Places we love», einer Sammlung persönlicher Geheimtipps. Bereits in der zweiten der Stadt ummünzen lassen. Denn ist dieses nicht nur ebenso breit gefächert, sondern vor allem aussergewöhnlich qualitativ hochwertig. So sind Museen wie das Olympische Museum oder die Collection de l’Art Brut im wahrsten Sinne des Wortes einzigartig und zeugen vom Geist einer offenen und lebendigen Stadt.

In diesem Sinne kann abschliessend nur ein Resümee gezogen werden: Aufgrund der vielen Aussergewöhnlichkeiten – und da wurde die traumhafte Lage am Lac Léman noch gar nicht erwähnt – ist es wohl tatsächlich unmöglich, Lausanne in einem Satz oder Gedanken zusammenzufassen. Diese Stadt lässt sich nicht einfach kategorisieren und in eine Schublade stecken. Dafür ist sie wahrhaft zu aussergewöhnlich. Und das macht Lausanne wiederum zu etwas ganz Besonderem!

 

Lausanne Tourisme

08:00-17:00 Montag-Freitag

09:00-17:00 Samstag-Sonntag

www.lausanne-tourisme.ch 

Lausanne Transport Card: Alle BesucherInnen erhalten bei Ankunft in ihrem Hotel eine Lausanne Transport Card. Damit haben sie freie Fahrt mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln der Stadt und auch diverse Vergünstigungen. www.lausanne-tourisme.ch

« Zurück

Was unternehmen?

SPOT INSIDER-TIPPS

Kulturstadt Lausanne

Lausanne ist eine vielfältige und lebendige Kulturstadt mit etwa 20 Museen, über 30 Theater und Konzerthäusern sowie zahlreichen Festivals:

1

Collection l’Art Brut

«Art Brut» nannte der französische Maler Jean Dubuffet autodidaktischen Kunstwerke, die abseits des etablierten Kunstsystems und oftmals am Rande der Gesellschaft geschaffen wurden. Im Château de Beaulieu widmete er ihnen die «Collection l’Art Brut», die vor vierzig Jahren erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Jubiläumsausstellung «Jean Dubuffet und die Art Brut – Ursprünge der Sammlung» von 5. März bis 28. August. www.artbrut.ch

2

Musée de l’Elysée

Musée de l’Elysée gilt als Kompetenzzentrum für die Bewahrung und Aufwertung unseres fotografischen Erbes. Die Sammlung aus über einer Million Objekte dokumentiert die gesamte Geschichte der Fotografie, von den frühen Erfindungen bis hin zur Digitalfotografie und deckt alle künstlerischen, sozialen, politischen und kulturellen Formen des sich ständig ändernden Mediums ab. www.elysee.ch

3

Opéra de Lausanne

Die Opéra de Lausanne verkörpert über 250 Jahre Musiktradition in Lausanne und präsentiert neben Opernaufführungen auch Ballett-abende und philharmonische Konzerte. Vom 8. bis 10. Mai wird hier wieder das weltberühmte Béjart Ballet Lausanne auftreten, welches seit über 25 Jahren die Choreografien von Maurice Béjart der Öffentlichkeit präsentiert. www.opera-lausanne.ch

4

Festival de la Cité

Innovativ, urban, unkonventionell – vom 5. bis 10. Juli werden die Strassen und Plätze der Lausanner Altstadt erneut in einen Ausnahmezustand versetzt, denn es findet zum 45. Mal das «Festival de la Cité» statt. Geboten werden über 400 Gratisvorstellungen mit Musik, Tanz und Shows. www.festivalcite.ch

5

Cully Jazz Festival

Das Cully Jazz Festival verwandelt das bezaubernde Cully im Herzen von Lavaux in eine Festivalstadt. Vom 8. bis 16. April werden auch dieses Jahr wieder über 70 Gratis- und 30 kostenpflichtige Konzerte veranstaltet. www.cullyjazz.ch

Weitere Tipps: Das Olympische Museum, mudac (Design und zeitgenössische, angewandte Kunst), Komplex Théâtre de Vidy-Lausanne und Fête de la Musique

 

 

Aktivitäten 

Cathédrale de Lausanne:

www.cathedrale-lausanne.ch 

La Malle au Trésor:

www.la-malle-au-tresor.ch 

Chic Cham:

www.chiccham.com 

L-A-T-E-L-I-E-R:

www.l-a-t-e-l-i-e-r.ch 

Eligo Restaurant:

www.eligo-restaurant.ch 

 

Praktisches 

Places we love:

www.placeswelove.ch 

 

 

 

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer, LT/www.diapo.ch, swiss-image.ch






Kommentare