125 Jahre Rhätische Bahn – Auf die Bahn gebracht


Die Weichen waren gestellt. Das Bähnler-Sein lag Gian Brüngger sozusagen im Blut. Schon sein Vater war bei der Rhätischen Bahn. Genau wie dessen Vater vor ihm. So ist es vielleicht wenig überraschend, dass Brünggers Geschichte an Board der Albula-Bahn beginnt.


Recht im Zuge

Ihr ungeborenes Kind sei in der Steisslage, hatte der Arzt Brünggers Mutter bestätigt und sie sicherheitshalber ins Frauenspital nach Chur geschickt. So bestieg die werdende Mutter im Juli 1947 in Samedan den roten Zug. Als die Bahn in den Albula-Kehren ihre Schlingen zog, wurde ihr plötzlich ganz unwohl. Eine beigezogene Mitreisende tastete den Bauch ab und meinte lächelnd, „vielleicht hatten Sie ja noch Glück.”

Die freundliche Unbekannte sollte recht behalten. Baby Gian hatte sich tatsächlich gedreht. Es sei nicht das erste Mal, dass die Rhätische Bahn Hilfshebamme spiele, schmunzelte der Churer Arzt später. Auch dem Kanton selbst hatte die Schmalspurbahn schliesslich schon neues Leben eingehaucht.

Wie ein roter Faden zieht sich die Rhätische Bahn heute auf 384 Streckenkilometer durch den flächenmässig grössten Kanton der Schweiz. Dabei verbindet sie nicht nur Täler, Dörfer, Kulturen und Sprachregionen, sondern repräsentiert mit ihren meisterlichen Kunstbauten die ‘Glanzzeit des Eisenbahnalters.’ Doch war sie selbst eine schwere Geburt.

 

Zug um Zug

Es sollten viele Projekte verworfen werden, bevor die Erschliessung der südöstlichen Schweiz schluss-endlich ihren Anfang nehmen konnte. Einzig die Stadt Chur hing ab 1858 am Netz der Vereinigten Schweizer Bahnen. So dauerte die Reise von Zürich nach St. Moritz damals heftige fünfzehn Stunden.

Nach 30-jährigen Diskussionen kam die ‘kleine Rote’ schliesslich 1889 auf Betreiben des Holländers Willem Jan Holsboer ins Rollen und bahnte sich fortan unaufhaltsam durch die Bündner Gebirgslandschaft.

Auf die Ersteröffnung der Teilstrecke Landquart nach Klosters folgte bereits 1990 die Fertigstellung der Gesamtstrecke nach Davos. Danach vergrösserte sich das Netzwerk durch den Anschluss weiterer Strecken nach St. Moritz, Disentis/Mustér und Scuol-Tarasp sowie den Fusionen mit der Arosa- und der Berninabahn stetig.

Dabei erstellten Eisenbahnpioniere in handwerklichen Meisterleistungen spektakuläre Brücken, Viadukte und Kehrtunnel – so zum Beispiel den 65 Meter hohen Landwasserviadukt der Albulalinie, der in einem Kreisbogen mit einem Radius von nur 100 Metern verläuft und auf der gegenüberliegenden Felswand direkt in einen Tunnel führt. Dank dieser Kunstbauten zählen heute 30 Prozent der Bahnstrecke der Rhätischen Bahn zum UNESCO Welterbe.

 

Vergangene Zeiten

Gian Brüngger schätzt sich glücklich, in seiner 50-jährigen Amtszeit die Entwicklung der Rhätischen Bahn aus erster Hand miterlebt haben zu dürfen. In den frühen 1960er Jahren, als er seine Bähnler-Karriere als Stationslehrling in Celerina begann, „war fast alles noch so da, wie es Ende des 19. Jahrhunderts begonnen hatte.” Erst später brachten Modernisierungen neue Sicherungsanlagen, Lawinenschutzbauten und schliesslich neue Fahrzeuge.

„Damals war der Bahnhof das Zentrum des Geschehens”, erinnert sich der 67-Jährige. „Es war Eidgenössische Verkaufsstelle sowie Ankunfts- und Abfahrtsort für Menschen, Tiere und Güter. Man transportierte praktisch alles mit dem Zug – sogar die Rennpferde für den Wettkampf in St. Moritz.” So war seine ‘Heimstrecke’, die Albulalinie, für die sogenannten Krokodile berühmt, die mächtigen Lokomotiven, die für Gütertransporte eingesetzt wurden. Diese faszinierenden Erinnerungen zaubern ihm bis heute ein Lächeln auf die Lippen und nähren seine Leidenschaft für die Rhätische Bahn.

 

Grosses Vermächtnis

Um dieses einzigartige Vermächtnis an die nächsten Generationen weiterzugeben, beteiligt sich Brüngger aktiv an Führungen, Foto-Ausstellungen, Wagen-Restaurationen sowie unterhält geführte Wan-derungen entlang der Albulalinie, die bis heute seine Lieblingsstrecke bleibt.

Auch zeigt sich die Rhätische Bahn pünktlich zum 125-jährigen Geburtstag so erlebnisreich wie noch nie. Jubiläumsfahrten bieten 2014 eine eindrückliche Rückschau in die Geschichte der ‘kleinen Roten’ und sprechen gleichzeitig für ihre hoffnungsvolle Zukunft. Denn jedes Jahr transportiert die Bündner Bahn 10’000’000 Gäste und 672’000 Tonnen Güter und ist weiterhin einer der wichtigsten Arbeitgeber des Kantons. So wird sich der rote Faden sicherlich noch lange weiterziehen.

Spot Info: Gian Brüngger ist schon sein ganzes Leben mit der Rhätischen Bahn verbunden. Im Bahnmuseum zeigt seine Ausstellungen Fotos aus 50 Jahren Betriebsgeschichte.

 

Spot Tipp: 

125 Jahre Rhätische Bahn Jubiläumsangebote

  • Tag der offenen Türe: 10. 5., 9-17:00 Uhr, in Landquart
  • Jubiläums-Dampffahrten: Bahnfahrt im Dampfzug quer durch Graubünden. Diverse Daten von Mai – September.
  • Jubiläums-Nostalgie Rundfahrt: Mit Krokodillok und nostalgischen Wagen Landquart-Albulatal-Engadin-Vereina-Landquart. Im Juli & September jeden Donnerstag und Freitag.
  • Nostalgiezug Davos: Im Nostalgiezug von Davos nach Filisur und zurück. Im August Dienstag – Samstag 2 Mal täglich.
  • Erlebniszug Albula: Im Aussichtswagen durchs UNESCO Welterbe RhB von Landquart nach St. Moritz. Sonntags 1.6.-7.9.

 

Railservice, Information & Tickets:

Railservice +41 (0) 81 288 65 65

www.rhb.ch






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