Zürcher Weintour


Der Lattenberg ist der grösste zusammenhängende Rebberg am Zürichsee und gewährt spannende Einblicke in die lange Weintradition im Kanton Zürich. Mit der App ‘drallo’ begeben wir uns in Einstimmung auf die organisierte Weintour am 24. September auf Entdeckungreise.


Der Rebbau hat im Kanton Zürich Tradition. Einst waren es vor allem die Benediktinermönche, die an den edlen Tropfen Geld verdienten. «Damals war die Landwirtschaft ein Gemischtwarenladen», erzählt Doris Menzi, die mit Ehemann Peter in zehnter Generation einen Teil des Lattenbergs bewirtschaftet. «Es wurde Milch und Obst produziert sowie Getreide und Gemüse angebaut. Zusätzlich hatte jeder Landwirt noch einige Aren Reben – zumeist an Hanglagen, da diese schon früh als gute Standorte erkannt wurden. Der Wein davon war allerdings ziemlich sauer.»

Heute ist alles anders. Längst ist Wein zum Genussmittel mit hohem Qualitätsanspruch mutiert. Die Zürcher Landwirte haben sich spezialisiert. Ausgebildete Winzer pflegen ihre Reben mit akribischer Sorgfalt und grossem Fachwissen. Sie keltern authentische Weine, die hohe Anerkennung geniessen und regelmässig bei Prämierungen ausgezeichnet werden.

620 Hektar Rebbaufläche sind in fünf Regionen unterteilt. Mit seinem milden «Weinklima» besonders von der Natur begünstigt ist die Region Zürichsee und stellt mit Stäfa das grösste Anbaugebiet – und mit dem Lattenberg die grösste zusammenhängende Rebfläche im Kanton. Letzterer ist auch das Zuhause der Winzerfamilie Menzi, der man im Zuge einer neuen Erkundungstour virtuell – oder auch zufällig vor Ort – begegnen kann.

In guten Händen 

Der neue Wein-Trail «Weingenuss am Lattenberg» führt mit der Smartphone App «drallo» durch den 8.5 Hektar grossen Rebberg und gibt zugleich Hintergrundinformationen hinsichtlich Tradition, den Menschen, der Herstellung und dem Weingenuss am Zürichsee. Kurztexte, Audio-Dateien und historische Bilder bereichern dieses Erlebnis und lassen auf innovative Weise hinter die Kulissen blicken.

Die App identifiziert automatisch die jeweilige Position des Benutzers, ruft die relevanten Inhalte ab und zeigt auf einer Karte den weiteren Wegverlauf. Für zusätzliche Unterhaltung sorgen Quiz-Fragen, mittels welcher Punkte gesammelt und eine Über-raschung gewonnen werden kann.

Entwickelt wurde «drallo» von der Challenge Earth AG in Winterthur in Zusammenarbeit mit der Zür-cher Hochschule für Angewandte Wissenschaft unterstützt durch den Bund und privater Investoren. Die App soll «Menschen dazu motivieren, ihre Freizeit zu geniessen und bei Spiel und Spass interessante Orte zu entdecken und Neues zu lernen», so die Erfinder. «drallo» ist auf Deutsch kostenlos bei iTunes oder im Google Play Store verfügbar.

Weinanbau hautnah 

Das Konzept zeitigt Erfolg. Begeistert folgen wir der vorgeschlagenen Route und lauschen erstaunt den Zahlen und Fakten: Rund 84’000 Flaschen Wein werden hier jährlich produziert. Dabei wird nichts dem Zufall überlassen. Während wir gemächlich an den Parzellen vorbei schlendern, wo im Drahtverhau vor allem Blauburgunder-, Riesling-Silvaner- und Räuschling-Trauben hängen, ist Familie Menzi fleissig am Schaffen. Sohn Urs, der in nicht allzu ferner Zukunft den Betrieb übernehmen soll, winkt uns vom Traktor aus zu. Nur an wenigen Orten kann er maschinell arbeiten. Den Grossteil der Tätigkeiten führt er – wie schon sein Grossvater – in liebevoller Handarbeit aus. Das Ergebnis kann man wahrlich schmecken! Unter einem völlig neuen Gesichtspunkt verköstigen wir später im Restaurant Sonne ein Glas Wein vom Lattenberg, ehe wir unsere Wanderung entlang des Zürichsee-Rundweges in Richtung Feldmeilen fortsetzen.

Beste Aussichten 

Dieser Rundweg lässt sich ideal mit dem Wein-Trail «Weingenuss am Lattenberg» kombinieren, erschliesst er doch in zehn Etappen insgesamt 124 Kilometer entlang Ufer- und Panoramawegen. Auf unserer Route offenbart er bezaubernde Tiefblicke auf Rapperswil und die linke Uferseite.

Ein letztes Mal die Reben vor unseren Augen, erreichen wir etwa 2.5 Stunden später mit dem Bahnhof Feldmeilen letzt-lich unseren heutigen Endpunkt. Von hier aus könnte man die Route noch Richtung Höcklistein verlängern, jedoch heben wir uns dieses abschliessende Highlight für die organisierte Tour am 24. September auf.

 

«Gewusst, dass…» …

die Weinregion Zürich über eine autochthone, also alteingesessene, einheimische Rebsorte verfügt? Der Begriff ‘Züri-Rebe’ bezeichnet den Räuschling, eine der ältesten Rebsorten am Zürichsee. Mit den Römern sollen die Vorfahren dieser Traube ursprünglich in die Schweiz gekommen und dann am Zürichsee zum Räuschling und im Wallis zum verwandten Heida mutiert sein; jeweils zwei eigenständige Sorten. Heute entfallen rund 12 Hektar der Anbaufläche am Zürichsee auf den Räuschling. Er zeichnet sich durch grosse Beständigkeit und hohe Erträge aus und lässt sich zu hervorragenden, charaktervollen Weinen keltern.

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Spotlight

WEINTOUR am 24. September 2016 

Regionale Weine und feines Essen am Zürichsee

Kulinarische Erlebniswanderung ohne Rucksack und Proviant vom Lattenberg in Stäfa zum Höcklistein in Jona.

Wanderzeit: 3-4 Stunden; Erlebnis insgesamt: 6-8 Stunden

Kosten: CHF 69/Erwachsene, CHF 25/Kinder von 6-12 Jahren (darunter gratis), Interessierte können sich bis 19. September entweder per Flyer, E-Mail oder direkt über zuerich.com anmelden. www.zuerich.com/de/besuchen/veranstaltungen/ kulinarischer-wein-erlebniswanderung

Kontakt

Zürichsee Tourismus 

Hintergasse 16 

8640 Rapperswil 

+41 (0)55 220 57 57 

www.zuerich.com 

www.drallo.ch

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer






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