Zu Tisch: Zürich – Restuarant Vegelateria – Bewusster leben


Pioniere starten zumeist als einsame Kämpfer. Dies weiss Walter Dänzer aus eigener Erfahrung. Schon als junger Student beschritt der Zürcher unkonventionelle Wege. Er plädierte für eine bewusstere, nachhaltigere Lebensweise, sprach sich für Bauern aus, die ohne Chemie wirtschafteten. Das war in den 1970er Jahren revolutionär. „Damals wurden BioBauern noch als Spinner bezeichnet”, erklärt der heute 66-Jährige.


Aus diesem Grunde arbeitete er als Assistent für Agrarpolitik daran, die Notwendigkeit biologischer Landwirtschaft für eine gesunde Schweiz wissenschaftlich zu begründen. Er hoffte damit die Schweiz voran zu bringen. Doch schätzten seine Professoren an der Uni Zürich diesen Idealismus keineswegs und lehnten seine Doktorarbeit kurzum ab.

Zutiefst enttäuscht kehrte Dänzer der Gesellschaft den Rücken und wurde in den Schweizer Bergen zum Selbstversorger. Zwei Jahre Zeit, die Natur und der spirituelle Lehrer Sri Chinmoy brachten ihm inneren Frieden, Urvertrauen und eine Orientation aus dem Herzen für einen völligen Neuanfang.

 

Die Lösung vorleben

„Ich wusste, dass ich selber etwas unternehmen musste, denn ich hatte ja erfahren, dass Politik und Wissenschaft Bio und Vegi nur blockieren würden. So gründete ich Soyana und stellte BioFleisch- und Milchalternativen her.”Mit seinen Neuheiten reiste Dänzer von Reformhaus zu Reformhaus. Die vorwiegend weiblichen Kunden waren schnell überzeugt. „Doch was sage ich meinem Mann?”, war die meist gestellte Frage. „Am besten gar nichts”, Dänzers Antwort. „Schauen wir mal, ob er’s merkt.”

35 Jahre später produziert Soyana in Schlieren 130 BioVegi-Lebensmittel, die in etwa 400 Läden des BioFachhandels erhältlich sind –darunter eine Vielzahl von wahrlich bahnbrechenden veganen BioLebensmitteln, für deren Entwicklungen Dänzer oft Jahre investierte. 1985 lancierte Soyana das erste Soja-Joghurt der Welt, sowie den ersten Soja-Drink der Schweiz. Fünf Jahre später folgte das Fermentgetränk ‘Chi’; dann Soyananda Frischkäse und ‘Dinki, eine Fleischalternative aus BioDinkel –ebenfalls beides Weltneuheiten. Am stolzesten ist der Pionier jedoch auf seine Alternative zu Sauerrahm. „Das war eine enorme Herausforderung”, verrät er.

 

Der Geschmack überzeugt

Von Grossinvestoren erhielt Dänzer zwischenzeitlich mehrere Angebote, doch schlug er diese immer aus. Warum? “Um unseren KundInnen und der Erde echt dienen zu können, muss ich 100% unabhängig sein.”

Letztes Jahr gründete Dänzer die Vegelateria, das erste vegane BioRestaurant der Schweiz. In der Müllerstrasse 64 werden ausschliesslich Speisen aus pflanzlichen BioZutaten serviert. So gibt es Glacéohne Rahm, Zürcher Geschnetzeltes ohne Kalbfleisch und Cappuccino ohne Milch. Dabei schmecken die Klassiker in ihrer veganen Version herzhaft gut, denke ich und hole mir am Mittagsbuffet noch eine Portion.

Auf dem Gesicht von Dänzer ruht ein zufriedenes, warmes Lächeln und wir stossen zum Abschluss gerne mit einem Chi-Drink mit frischem Ingwer und Kurkumasaft auf seinen Pioniergeist an. Schlussendlich hat sich doch alles gelohnt –und dabei hat Dänzer noch viele weitere Ziele vor Augen.

 

 

 

 

 

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Spotlight

„Wenn der Verstand aufhört zu sprechen, beginnt das Herz zu träumen und das Leben beginnt zu blühen.”Sri Chinmoy

Kontakt

Vegelateria & Amazing Strength Restaurant

Müllerstr. 64

8004 Zürich

+41 (0)44 558 70 35

Mo –Sa 11:00 –21:00 Uhr

www.vegelateria.ch

www.soyana.ch

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer






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