Wanderung: Flims Laax Falera – Auf Hochtour


Manches Mal wüssten wir schon gerne, wie unsere Welt wohl vor Millionen von Jahren ausgesehen hat. Nirgendwo in den Alpen lassen die Zeugen früherer Tage tiefer in die Vergangenheit blicken als in der Tektonikarena Sardona. Deshalb wurde dieses Gebiet vor sieben Jahren von der UNESCO zum Welterbe deklariert. Eine Wanderung von Cassons zum Segnesboden verleiht faszinierende Einblicke in die Geschichte der Alpen.

 


 

Zu allererst geben wir uns einen Namen: und zwar AAA – kurz für «anonyme alpine Abenteurer.» Dann brechen wir auf. Drei Zürcher und ihr Weg. Eine Wanderung ins Ungewisse. Denn an diesem nebelverhangenen Tag in Flims wissen wir nicht, was uns wohl am – noch zwei Sessellifte und eine Gondel entfernten – Ausgangspunkt Cassons erwarten wird.

Auf 2’637 Metern dann die Offenbarung: eine unwirtliche Mondlandschaft mit atemberaubender Fernsicht. Unten blühende Almen, von Wäldern begrenzte Seen und verstreute Dörfer. Oben eine mächtige, steinerne Kette mit schroffen Zähnen. Und dazwischen die Überschiebungsfläche mit etwa 250 Millionen Jahre altem Verrucano-Gestein über rund 120 Millionen Jahre altem Schrattenkalk.

Eine umgekehrte Welt, wo alt auf neu liegt und der einstige Meeresgrund sich heute zum Himmel streckt. Markant ist die Linie der Glarner Hauptüberschiebung, dem Markenzeichen der Tektonikarena Sardona, zu der auch dieser Teil von Flims gehört. 2008 wurde das Gebiet zum UNESCO Welterbe ernannt, weil hier der Vorgang der Alpenbildung besonders gut nachvollziehbar ist.

Trotz dieser extremen Bedingungen bilden Überlebenskünstler – hochalpine Polsterpflanzen – Farbtupfer entlang des Wanderweges, der uns innert zweieinhalb Stunden über den Cassonsgrat zum sagenumwobenen Martinsloch – führt. Hier steigen wir zu den Segnesböden hinab, ebenfalls Landschaften von nationaler Bedeutung, die seit 1996 unter Schutz stehen.

Von der bewegten Geschichte des Gebietes erzählen die grossen Felsblöcke am Ende der Ebene. Ursprünglich befand sich hier nämlich ein Tal, das vor etwa 9’500 Jahren durch den Flimser Bergsturz verschüttet wurde, sodass die heutige Schwemmebene und Moorlandschaft entstand.

An gurgelnden, eiskalten Bachläufen vorbei wandern wir zum Wasserfall, dem Ursprung des sogenannten ‘Flimser Wasserweges’ und folgen dem Weg weiter zur Station Naraus. Als das Wetter plötzlich kippt, sind wir froh, gerade noch den letzten Sessellift zurück nach Flims Dorf zu erreichen. Im Café Legna sinken wir später müde und erschöpft in die Stühle und stossen auf die Erlebnisse der AAA sowie auf die Flimser Bergbahnen an, die uns schliesslich eine Ganzkörperdusche erspart haben.

Die Zeitreise nimmt schon auf dem Weg zur Bergstation ihren Anfang. Denn die rote Cassonsbahn ist die älteste weitgehend erhaltene Pendelbahn der Schweiz und somit von seilbahngeschichtlicher Bedeutung. Und doch ist sie mit ihren fast sechzig Jahren ein absoluter Jüngling im Vergleich zu den über 300 Millionen Jahre alten Gesteinen, zu denen sie führt.

Auf 2’637 Metern erzählt das Phänomen der Glarner Hauptüberschiebung die Geschichte der Formation der Alpen, denn hier wurden bei der Kollision der Kontinentalplatten nicht – wie man wohl erwarten würde – jüngere über ältere Schichten geschoben, sondern umgekehrt. Betragen die Altersunterschiede am Cassonsgrat 130 Jahre, so sind es beim gegenüber liegenden Atlas und Piz Segnas stolze 200 Millionen Jahre.

Wir folgen den Spuren der Zeit entlang des Grates zum Martinsloch. Schon Generationen fasziniert hier nicht nur die Sage vom heldenhaften Martin und dem bösen Riesen – die auf den beiden Seiten der Tschingelhörner unterschiedlich erzählt wird. Ein besonderes Spektakel stellen auch die Sonneneinstrahlungen durch das 22 mal 19 Meter grosse Felsenfester dar, durch welches alle Jahre an bestimmten Tagen die Dorfkirche von Elm direkt beleuchtet wird.

Genau wie die Schattenspiele an den Tschingelhörnern, so ändert sich auch bei jedem Besuch das Antlitz der Segnesböden. Denn die Wasserläufe wechseln ständig ihren Lauf und schaffen hierbei neue Muster, Seen und Moore. Die kesselförmig eingefasste Schwemm-Ebene ‘Plaun Segnas Sut’ – der untere Segnesboden – wurde 1996 ins nationale Inventar der Flachmoore von besonderer Schönheit und Bedeutung aufgenommen.

Ein spektakulärer Naturpfad führt uns dort durch eine landschaftliche Vielfalt an Bächen, Quell- und Moosflure sowie alpinem Rasen zum Wasserfall am Ende der Ebene, von wo aus wir in Richtung Naraus abzweigen. Hier besteht die Möglichkeit, alternativ über den Trutg dil Flem, dem Flimser Wasserweg, zurück nach Flims Dorf zu wandern. Diese Strecke führt über sieben Kilometer und sechs Brücken durch einmalige Schluchtenlandschaften und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet (Spot berichtete).

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Spotlight

Praktisches

Route: Flims Dorf-Cassons-Cassonsgrat-Martinsloch-Segnesböden-Nauraus-Flims Dorf

Marschzeit 4-5 h

Aufstieg 100 m

Abstieg 833 m

 

Schauplatz der Geschichte

Führung mit GeoGuide Sardona:

Jeden Sonntag bis 18. Oktober 2015

  • einfacher Rundgang, SAC T1
  • reine Gehzeit 1/2h; Aufstieg 40 m; Abstieg 40 m; Distanz 2 km
  • höchster Punkt: Fil de Cassons
  • Treffpunkt: 10:30 Uhr und 12:30 Uhr an der Bergstation Cassons
  • gratis, angeboten von Flims Laa Falera Tourismus

 

Sardona Pauschalangebot

  • 3 Übernachtungen in der ausgewählten Kategorie inkl. Frühstück in einem Partnerhotel Ihrer Wahl
  • 2 Bergbahn-Tageskarten
  • 15% Rabatt auf die Wanderkarte der Region Flims Laax Falera im Massstab 1:25‘000 (erhältlich bei den Gästeinformationen Flims, Laax & Falera)
  • kostenlose Benützung des Ortsbusses
  • allfällige Taxen
  • buchbar bis 15. Oktober 2015 ab CHF 210/Person

Kontakt

Flims Reservation:

+41 (0)81 927 77 77

 

Flims Bergbahnen:

+41 (0)81 927 71 05

 

Gästeinformation Flims Laax Falera:

+41 (0)81 920 92 00

 

www.flims.com

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Cherez Tschopp






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