UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona: Wo die Berge Kopf stehen


UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona: Meine letzte Geografiestunde in der Schule ist zwar schon eine Weile her, doch ist mir ein Bild besonders in Erinnerung geblieben: Die aus dem Zusammenstoss der Kontinente Afrika und Europa resultierende Alpenfaltung; anschaulich illustriert mit bunten Tüchern. Fast zwei Jahrzehnte später nun aber die Erkenntnis: Alles falsch! 


Der Beweis? Die Glarner Hauptüberschiebung, erkennbar als eine gerade auffällige, oft gelbliche Linie, die vom Süden her steil aus dem Rheintal hochsteigt und sich nach dem Erreichen ihrer Scheitelhöhe unter dem Piz Sardona gegen Norden absenkt. Seit Generationen stellt sie Geologen vor ein Rätsel, denn das Gestein der oberen Schichten ist rund 100-200 Millionen Jahre älter als das der unteren. Die Erklärung: Während der Gebirgsbildung wurden die Alpen nicht – wie lange vermutet – aufgetürmt, sondern gedehnt, geschoben, abgerissen, aufgefaltet und abgetragen.

Kein anderes Gebiet verleiht bessere Einblicke in die Entstehung der Alpen als die Tektonikarena Sardona. Mehr als tausend wissenschaftliche Publikationen wurden in den letzten 200 Jahren in Bezug auf diese Region veröffentlicht. Aufgrund ihres unermesslichen universellen Wertes wurde sie 2008 in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen.

Insgesamt 13 Gemeinden in drei Kantonen (Graubünden, Glarus und St. Gallen) haben Anteil am Welterbe Sardona. Im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit wurden in den letzten Jahren zahlreiche innovative touristische Angebote realisiert, wie zum Beispiel der Sardona- Welterbe-Weg, die Geo-Guide- Führungen, der Forscherrucksack und der Besucherpavillon.

Für jedermann erschliesst sich das Welterbe in Elm, wo die Tschinglenbahn – als einzige Seilbahn – direkt in das Herzstück des Welterbegebietes führt. Das sagenhafte Martinsloch, eine etwa zwanzig Meter hohe Öffnung in den spitzen Tschinglenhörnern, lädt hier zu spannenden Geschichtsstunden ein: Zum Beispiel im Zuge einer Wanderung auf den Firstboden oder zum Loch selbst. Oder auch bei Kaffee und Kuchen bei Susi Zentner auf der Tschinglenalp.

 

Vor fünf Jahren zog Maya Kobi-Largo vom Wallis ins Glarnerland und wurde dort zum GeoGuide-Sardona. Im Interview erzählt sie von ihrer Arbeit und dem UNESCO-Welterbe: 

Was ist ein GeoGuide? 

Ein GeoGuide ist ein zertifizierter Guide, der die Highlights des UNESCO-Welterbes Tektonikarena Sardona und des Geoparks kennt und über vertiefte geologische Kenntnisse verfügt. Er kann nicht nur über die Geologie Auskunft geben, sondern auch über Fauna und Flora. Jeder GeoGuide hat zudem einen anderen beruflichen und persönlichen Hintergrund. Deshalb setzt jeder GeoGuide seinen eigenen Schwerpunkt.

Welche Führungen bieten die GeoGuides an? 

In der Regel arbeitet der GeoGuide auf eigene Rechnung und bietet sein eigenes Programm an. Je nach Vorlieben und Vorkenntnissen eines GeoGuides reicht die Bandbreite von einer einstündigen Führung in einem Besucherzentrum bis zu einer mehrtägigen Bergtour. Vermehrt werden GeoGuides aber auch für Angebote des Tourismusbüros eingesetzt, wie z.B. geologische Naturwanderungen.

Warum wurdest du zum GeoGuide? 

Bereits im Wallis habe ich als Wanderleiterin gearbeitet und Gruppen geführt. Weil mich die Geologie schon immer interessiert hat, entschloss ich mich, mich noch zum GeoGuide ausbilden zu lassen. Ich habe mich auch speziell auf Schulen spezialisiert. Draussen in der Natur haben wir ein riesiges Lehrbuch direkt zum Staunen, Anfassen, und Verstehen. Es ist mir ein Anliegen, dass junge Menschen wieder den Bezug zur Natur finden.

Was sind deine persönlichen Geheimtipps im Welterbe-Gebiet? 

Eigentlich finde ich das ganze Welterbe eine fantastische Region. Im Glarnerland gehören die Region Elm mit dem Martinsloch und der Tschinglenalp, sowie Äugsten und Fessis zu meinen Lieblingsgebieten. Ebenso faszinierend ist aber auch die Region Flims mit den oberen und unteren Segnesböden und die Ruinaulta. Zudem rate ich jedem, einmal den Sardona-Welterbe-Weg zu absolvieren. Seien es alle sechs Etappen am Stück oder einfach die Wanderungen einzeln über den Sommer verteilt abwandern.

 

Das Welterbe Sardona erleben 

SARDONA-WELTERBE-WEG 

In sechs Etappen führt der 84 km lange Höhenweg von Filzbach nach Flims mitten durch das Kerngebiet des Welterbes und zeigt hierbei die Glarner Hauptüberschiebung immer wieder von neuen Seiten. Die Wanderung ist als Eintagestour, Wochenendtour oder auch als einwöchiges Trekking realisierbar und ist als SchweizMobil Wanderroute Nr. 73 ausgeschildert. Sie ist als Package inkl. Gepäcktransport oder als begleitete Wanderung mit einem GeoGuide buchbar.

BESUCHERPAVILLON WELTERBE SARDONA 

Wie sah die Region um Flims aus, ehe sich der Bergsturz ereignete oder die Verrucano-Gesteine einst entstanden? Im Besucherpavillon oberhalb der Segneshütte in Flims tauchen Besucher in die Vergangenheit geologischer Phänomene der Region ein. Offen von Ende Juni bis Mitte Oktober. Eintritt kostenlos.

FORSCHERRUCKSACK 

Mit dem Forscherrucksack inkl. Hammer, Lupe, Schaufel, Thermometer, Begleitbüchlein und vielem mehr wird die Familienwanderung für junge Entdecker zum Erlebnis. Sie erfahren Wissenswertes zur Welterberegion sowie ihren Gesteinen, Tieren und Pflanzen. CHF 39

Weitere Informationen: www.unesco-sardona.ch

 






Kommentare