UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona: Flims – Das Erbe der Natur


Aussergewöhnlich ist die Flimser Bergwelt, offenbart sie doch gleich mehrere geo-logische Phänomene. Ein neuer Besucherpavillon, eine neue App und zahlreiche spezielle Wanderrouten verleihen faszinierende Einblicke in das Welterbe-Gebiet. 


Was 1972 als innovative Idee zum Schutz unersetzbarer Güter begann, hat sich zu einer wichtigen Institution entwickelt: Über 1’000 Kultur- und Naturerbe-Stätten in über 160 Ländern widerspiegeln heute den Reichtum unserer Welt. In der Schweiz umfasst die Liste der UNESCO aktuell zwölf Stätten und beinhaltet mit der 330 Quadrat-kilometer grossen Tektonikarena Sardona eine Region von ausserordentlicher pädagogischer und wissenschaftlicher Bedeutung.

Rund um den Piz Sardona kann man mit blossem Auge die komplexen tektonischen Prozesse erkennen, die diese Gebirgslandschaft über Jahrmillionen hinweg geformt haben. Um dieses einzigartige Erbe zu bewahren, teilen die drei Kantone Glarus, St. Gallen und Graubünden die Verantwortung, langfristig für das Gebiet Sorge zu tragen und sein wertvolles Erbe den Menschen näher zu bringen.

Auf den Spuren unserer Erde 

In der Bündner Ferienregion Flims sind gleich mehrere aussergewöhnliche geologische Phänomene zu entdecken. An der Abrisskante des Flimser Bergsturzes und mit Blick auf die Glarner Hauptüberschiebung wurde deshalb im Juli der «Besucherpavillon Welterbe Sardona» eröffnet. Unter dem Motto «Sehen, Staunen, Verstehen» entführt er Besucher auf eine Zeitreise zurück zu den Ursprüngen der Region und beantwortet dabei Fragen wie: Wie sah Flims vor dem Bergsturz aus? Wie kann man sich die Glarner Hauptüberschiebung vorstellen, als sie noch aktiv war?

Es sind faszinierende Einblicke in 280 Millionen Jahre Geschichte, die das Gebiet aus völlig neuem Blickwinkel zeigen und unseren Wandertag berei-chern. Noch ehe wir den Pavillon bei der Segnes-hütte erreichen, erfolgt bereits die Einstimmung in die Thematik bei den Liftstationen. Info-Tafeln prüfen unser Wissen und machen Unvorstellbares fassbar: So vergegenwärtigt jeder Schritt, den wir sodann zwischen Naraus und dem Besucherzentrum zurücklegen, stolze 42’000 Jahre Erdgeschichte.

Naturkunde im Freien 

Entlang des Weges erzählen stumme Zeitzeugen von längst vergangenen Tagen. Grünlich-graues Verrucano-Gestein berichtet von einem einstigen Wüstenklima; Kalke aus der Jurazeit von einem immer tiefer werdenden Meer, und Gipsgestein von einer mehrfach umspülten und wieder trocken-gelegten Landschaft. Selbst die Abrissstellen des Flimser Bergsturzes, das grösste alpine Bergsturzereignis, sind bis heute klar erkennbar.

Friedlich schlummert der Ferienort Flims auf rund 1’100 Meter über Meer auf dem Übergang der Gleitfläche im Norden zur Schuttmasse im Süden. Zu seinen Füssen liegt eine dicht bewaldete, unüberschaubare Hügellandschaft mit türkis-blauen Seen und der wilden Rheinschlucht Ruinaulta. Über dem Dorf ragen schroffe Felswände bis 350 Meter hoch und liegen vereinzelt grosse Felsbrocken verstreut, als hätte ein Riese mit Murmeln gespielt.

Der Panoramaweg zwischen Naraus und dem Unteren Segnesboden setzt all diese faszinierenden Elemente in Szene und offenbart zugleich wunderbare Tief- und Weitblicke auf die umgebende Berglandschaft. Unmittelbar beim Übergang zur Schwemmebene überschreiten wir nach etwa einer Stunde Wanderzeit die offizielle Eintritts-schwelle ins Weltnaturerbe – eine von zirka zwanzig in der Tektonikarena, die «Wanderern den Schritt ins Welterbe bewusst machen sollen.»

Sodann eröffnet sich uns die kesselförmig eingefasste Schwemm-Ebene Plaun Segnas Sut (Unterer Segnesboden), ein Flachmoor, so schön und bedeutungsvoll, dass es vor zwanzig Jahren in das Bundesinventar aufgenommen wurde. Auf seiner Rückseite ragen die mächtigen Zähne der Tschingelhörner empor – mit dem sagenumwobenen Martinsloch und der geschichtsträchtigen Glarner Hauptüberschiebungslinie.

Bewegendes Sardona 

Beim Highlight unserer Wanderung angekommen, haben wir nun die Wahl: Nach einem Besuch des Pavillons und einer Essenspause in der Segnes-hütte können wir das Welterbe-Gebiet entweder auf eigene Faust entlang der Ebene erkunden oder uns von der neuen «UNESCO Sardona App» über 600 Höhenmeter und entlang zehn Stationen zu den wichtigsten Highlights beider Hochebenen führen lassen. Später führen sowohl der Wasserweg «Trutg dil Flem», als auch die Variante Nagens-Postbus- Laax wieder zurück ins Tal.

Unserer jüngsten Teilnehmerin Andrina zuliebe, die mit ihren 23 Monaten doch auch selbst gerne ein Stückchen des Hochmoores begehen und ein paar Steinchen in die Rinnsale werfen möchte, entscheiden wir uns für die familiengerechte Route und spazieren entlang des Flachmoores durch ein Mosaik an Bächen, Kiesbett-, Quell- und Moosflure und alpinem Rasen zum tobenden Wasserfall und dann wieder an der Segneshütte vorbei bis nach Nagens. Dort angekommen, kehren wir auf Sirup und Kuchen ein und lassen den Tag, bei fröhlichem Gebimmel der Kuhglocken, ausklingen. Ein gelungenes Wandererlebnis, das Lust auf mehr macht!

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Spotlight

 

Besucherpavillon Welterbe Sardona 

Erreichbar mit den Bergbahnen ab Flims oder dem Nagens Shuttle ab Laax Bergbahnen und einer kurzen Wanderung ab der Bergstation Nagens oder ab der Bergstation Naraus; Eintritt gratis, geöffnet bis 23. Oktober 2016 

Sardona App 

Die mobile Applikation «UNESCO Sardona» führt durch die UNESCO Welterbe- Region und vermittelt anhand ausgewählten ‘Adventures’ Hintergrundinformationen zu Schwerpunktthemen wie Geologie, Wasser oder Kultur.

Kontakt

Gästeinformation Flims +41 (0)81 920 92 00 

www.flims.com 

UNESCO-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona 

Städtchenstr. 45 

7320 Sargans 

+41 (0)81 723 59 20 

www.unesco-sardona.ch

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer






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