Stör-Rundgang im Tropenhaus Frutigen: Der Fischdinosaurier


Stör-Rundgang im Tropenhaus Frutigen | Im Tropenhaus Frutigen gibt es viel zu erleben. Nach dem Wasch- und Wiegetag der Schildkröten wurde eine Erlebnisführung initiiert, die Besuchern nun auch die Welt der Störe näherbringt. Familie Geiger war vor Ort.


Der Stör ist ein lebendes Fossil. Seine prähistorischen Wurzeln reichen über 200 Millionen Jahre zurück, in eine Zeit, als Dinosaurier die Erde bevölkerten und in der Schweiz ein tropisches Klima herrschte. Heute zählt der urtümliche Fisch mit seinem langgestreckten, spindelförmigen Körper, der verlängerten spitzen Schnauze und der schiefen Schwanzflosse zu den gefährdeten Fischarten. Weltweit ist seine Population stark rückläufig; nicht so in Frutigen.

Inmitten der Berner Alpen haben rund 80’000 Sibirische und andere Störarten im 18 Grad warmen, qualitativ hochwertigen Wasser aus dem Inneren des Lötschberg ein Zuhause gefunden. Das Kandertaler Tropenhaus wurde 2009 eröffnet und gilt heute als Pionier auf dem Gebiet der Fischzucht in landbasierten Aquakulturen.

Als Teamleiter der Aufzucht ist Fischmeister Martin Jeremias eng mit den aussergewöhnlichen Tieren verbunden. «Ich liebe ihre Schönheit und ihre ruhige Art», bestätigt er. Sein Tag beginnt mit einer Routine-Kontrolle, bei der er sich vergewissert, dass es seinen Schützlingen gut geht und alle Geräte auf ihre Funktionstauglichkeit geprüft sind. Nach dem Morgenkaffee geht es dann so richtig an die Arbeit. «Wenn ein Fisch krank ist, behandeln wir ihn mit unserer Wunderwaffe: Salz. Neben der Gesundheit der Fische besteht unsere Hauptaufgabe darin, sie nach ihrer Grösse zu sortieren, eine Geschlechtsbestimmung durchzuführen und mit einem Ultraschallgerät nach Kaviar zu sondieren.»

Beim Wiegen und Pflegen der Fische kann man Martin an ausgewählten Tagen im Jahr nun sogar über die Schulter blicken. Die kostenlose Erlebnisführung rund um das Thema Stör soll Besuchern das Tier als solches näher bringen und gleichzeitig aufzeigen, dass Fischzucht auch respektvoll geschehen kann. Dabei spricht Martin auch offen über die fachmännische Tötung der Fische und deren vollständige Verwertung von Kaviar über Frischfleisch bis hin zu Leder.

Kuriositäten gibt es viele. «Störe werden für einen Fisch mit bis zu 50 Jahre ziemlich alt», verrät Martin, als er an einem Samstagmorgen ein Prachtexemplar aus dem Zuchtbecken fischt. Die 7-jährige Jodie streckt zaghaft die Hand aus und berührt die raue Haut. «Fühlt sich seltsam an,» meint sie und wundert sich, dass es dem Fisch nichts ausmacht, nicht mehr im Wasser zu sein, während er gewogen und begutachtet wird. «Störe sind sehr widerstandsfähig», erklärt Martin. «Sie sind ausserdem Rückenschwimmer. Das heisst, dass sie nicht tot oder krank sind, nur weil sie plötzlich auf dem Rücken schwimmen. Störe machen das manchmal einfach zwischendurch.» Für die gesamte Geiger Familie schlichtweg faszinierend.

Gespannt hängen die grossen und kleinen Besucher an Martins Lippen, beobachten neugierig den Prozess des Wiegens und freuen sich, am Schluss des Rundganges die Fische noch selbst füttern zu dürfen. Als die Familie nach einer guten Stunde das grosse Schaubecken mit den besonderen Prachtexemplaren erreicht und genauestens studiert hat, hat nicht nur Martin nach all den Fragen ein ‘Loch im Bauch.’ Auch den Kids knurrt der Magen.

Doch für das leibliche Wohl ist gesorgt! Unter Bananen- und Papaya-Bäumen ist im Erlebnisrestaurant inmitten des Tropengartens schon ein Tisch bereit. Und auf dem Speiseplan stehen neben Tropenfrüchten natürlich auch die Störe. Das ist auch gut so. «Und schliesslich Teil des Kreislaufes», weiss die Familie nach ihrer Erlebnisführung und lässt es sich schmecken

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Kontakt

Tropenhaus Frutigen 

Tropenhausweg 1 

3714 Frutigen 

+41 (0)33 672 11 44 

tropenhaus-frutigen.ch 

 

Stör-Rundgang

Fischpflege und Fütterung: 12. August, und 7. Oktober von 14 bis 15 Uhr 

Eintritt frei 

Führung nur auf Deutsch

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer






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