Stadterlebnis Helikopterflug: Zürich & Luzern – Die Welt aus der Vogelperspektive


Zuerst fliegt der Bauch –denn vor Aufregung flattern die Schmetterlinge. Dann jedoch geben die Elemente nach. Das Dröhnen der Rotoren nimmt an Stärke zu. Die Schwerkraft ist überwunden. Wir heben aus dem Stand vertikal ins Bodenlose ab, drehen uns einmal um die eigene Achse und gleiten langsam über den Boden. Sekundenschnell werden die Zentimeter zu Metern, ehe wir nach einer eleganten Schaukelbewegung in die unendliche Weite des Horizonts eintauchen.

 


 

Unter mir entschwindet mehr und mehr die Erde; ich klebe ganz hinten im Sitz und staune, wie sich vor meinen Augen der Traum des Fliegens in seiner Ursprünglichkeit verwirklicht. Als wären es Flügel eines Vogels, kreisen über mir drei Rotorblätter, liefern den Auf- und Vorwärtstrieb. Es ist eine ganz spezielle Kraft, die mich eine neue Dimension erleben lässt; eine Kraft, die ich bei meinen bisherigen Flügen in Passagierjets noch nie so direkt erleben durfte. Dieses Erlebins zaubert mir unwillkürlich ein Lächeln ins Gesicht.

 

Der Senkrechtstarter

Pilot Adrian Fröhlich der Airport Helicopter AHB AG steuert im Cockpit neben mir die Maschine mit allen Vieren. Mit der linken Hand bedient er den Steuerhebel, der die Rotorblätter nach vorne oder hinten kippen lässt und so die Flughöhe reguliert; mit der rechten Hand bestimmt er die Geschwindigkeit. Den Heckrotor kontrolliert er über zwei Pedale mit den Füssen. So kann er –wie schon beim Start demonstriert – den Helikopter um die eigene Achse drehen. «Drei Steuerelemente gleichzeitig zu koordinieren ist natürlich anspruchsvoll», bestätigt Adrian, «aber es ist so wie mit dem Autofahren. Der mechanische Prozess geht in Fleisch und Blut über.» Um diesen Automatismus zu erreichen, müssen Privatpiloten im Zuge ihrer Ausbildung 45 Flugstunden und neun Theoriefächer absolvieren; Berufsflieger und Flugschullehrer wie Adrian noch bedeutend mehr. Diese Tatsache gibt mir Vertrauen, als die ersten Windböen unseren Helikopter zum Schaukeln bringen. Nach tagelangem Nebel herrschen zwar heute ideale Sichtbedingungen für einen Passagier-Rundflug, jedoch windet es heftig. Als sei er betrunken, beginnt der Helikopter zu torkeln. Adrian steuert dem Rütteln entgegen und scherzt zugleich mit mir über die Intercom. Alles ist unter Kontrolle. «Wenn der Heli-Pilot das macht, was er gelernt hat, ist das Heli-Fliegen eine ganz sichere Sache.»

Nach wenigen Minuten haben wir unsere Flughöhe von 300 bis 400 Meter erreicht und sind aufgrund des Rückenwindes mit bis zu 180km/h unterwegs. Den Flugplatz Luzern-Beromünster haben wir schon seit geraumer Zeit aus dem Blickfeld verloren. Wir befinden uns nun über dem Kanton Aargau.

Häuser liegen verstreut und so winzig wie Lego-Steine in der weiten, lichtdurchfluteten Landschaft. Feldwege trennen Äcker von Wiesen. Dunkelgrüne Wälder und blaue Seen bilden einen Kontrast zu den kunterbunten Siedlungen. Wir überfliegen Bremgarten, deutlich erkennbar durch die eindrückliche Flussschleife der Reuss. In der Ferne sind die Ausläufer Zürichs bereits ersichtlich. Unser erstes Etappenziel ist beinahe erreicht.

 

Beflügelter Himmelsbote

Bis hierher hätte es der erste bemannte, motorbetriebene Drehflügler, der im Jahre 1907 seine Jungfernfahrt beging, nie geschafft. Dem sogenannten ‘fliegenden Fahrrad’ gelang es damals nur, bescheidene zwanzig Sekunden lang in der Luft zu bleiben. Doch basierte dieses Fluggerät auf denselben Grundlagen, welche der Erfinder Leonardo Da Vinci bereits im Jahre 1490 zu Papier brachte und die auch den heutigen Maschinen zugrunde liegen: einer Kombination von Spirale (helix) und Flügel (pteron), aus deren sich letztlich der Name ‘Helikopter’ ableitet.

Die heutigen Höhenflüge, die durch dieses Grundprinzip möglich sind, hätte wohl auch Da Vinci nie zu träumen gewagt. Durch ihre Fähigkeit senkrecht zu starten, auf der Stelle zu schweben, seitwärts, rückwärts und vorwärts fliegen zu können und sich um die eigene Achse zu drehen, sind die Einsatzbereiche von Helikopter heute so vielfältig, wie die Maschinen selbst: Helikopter sind Lebensretter, Pioniere, alltägliche Transportmittel und Fluggeräte für Krisenregionen. Adrian wiederum absolviert nicht nur Rund- und Lehrflüge sondern spielt auch regelmässig Lufttaxi, bei Anlässen, wie zum Beispiel beim ‘World Economic Forum’ in Davos. «Es ist diese Vielfalt, die mich besonders begeistert», erklärt er. Seine Leidenschaft entflammte mit 29 Jahren, als ihm bereits «nach zehn Minuten als Passagier klar wurde», dass er das Heli-Fliegen erlernen wollte. Heute ist er ein absoluter Profi.

 

Fenster zur Welt

Sein Können stellt der 41-Jährige aus Beinwil am See unter Beweis, in dem er beim Uetliberg besonders starke Böen spielerisch überwindet und über der Zürcher Altstadt –nach Rücksprache mit dem Kontrollturm –mittels rechter Hand eine elegante Schleife zieht. Als Passagier kann ich so meine Wahlheimat wirklich aus allen Blickwinkeln bewundern.

Das Rattern der Motoren nehme ich dabei schon lange nicht mehr wahr. So monoton ist dieses Geräusch, dass es nach kurzer Zeit in den Hintergrund tritt. Auch meine anfängliche Anspannung hat sich gelegt, sodass ich es wage, durch die offene Seitentüre nach unten auf den Bürkliplatz und die Quaibrücke zu blicken. Die Proportionen der Grossstadt Zürich werden mir erst aus der Vogelperspektive so richtig bewusst und ich sehe Zürich nun mit völlig neuen Augen.

Zwischen Wollishofen und Kilchberg dirigiert Adrian den Helikopter nach rechts in Richtung Albiskette und zieht ihn langsam nach oben. Während sich der 394kg schwere Robinson 22 behutsam und bedächtig langsam auf 1’000 Höhenmetern hochschraubt, blicke ich verträumt aus dem Fenster und erblicke das Restaurant Buchenegg und die, sich dahinter öffnende Zuger Landschaft. Flugs rauschen wir über den glitzernden Türlersee und befinden uns auf Augenhöhe mit unserer zweiten Destination des heutigen Tages: den schneebedecken Giganten der Zentralschweiz. Rigi und Pilatus strahlen in der warmen Nachmittagssonne. Am Fusse des Vierwaldstättersees schmiegt sich das charmante Luzern malerisch ans Ufer. Adrian dirigiert unseren Helikopter direkt über die Kapellbrücke, ehe wir zum Rückflug ansetzen und nach 54 minütiger Flugzeit sachte auf dem Landeplatz Beromünster aufsetzen. Dann hat der Pilot gerade noch Zeit eine heisse «Schoggi» zu geniessen, umnun mit einem grossen Passagier-Helikopter erneut abzuheben. Versonnen verfolge ich, wie sein Fluggerät nach oben steigt und wie ein überdimensionales Insekt aus meinem Blickfeld tänzelt. Es gibt wohl nur eine Erlebnis, das die Erfahrung übertreffen kann, die mir heute zuteil wurde: selbst zu fliegen!

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Rundflüge ab Beromünster: ab CHF 195

Spezialrundflug 54 Minuten (wie beschrieben) ab CHF 780

Helikopter zum Selberfliegen: CHF 490

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www.helikopterflug.ch

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer und Cherez Tschopp






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