Schlittenhunde-Event: Fideriser Heuberge – Flinke Pfoten


Auf den ersten Blick sieht Danuwa aus wie sein verstorbener Papa Yortok. Er ist muskulös gebaut, hat einen breiten, wunderschön gezeichneten Kopf und ist so flauschig, wie ein grosser Teddybär. Sein dickes, dichtes Fell und die buschige Rute glänzen mit dem Schnee um die Wette. Er ist ein Malamut par excellence. Und Malamuts sind die grössten und ältesten aller Schlittenhunde.

 


 

Wenn Danuwa auch das Aussehen seines Papas hat, so hat er doch einen anderen Charakter. Denn Danuwa ist in der Rangordnung weit unten. Der bald 5-jährige Rüde ist ruhig und zurückhaltend. Diese Gelassenheit spiegelt sich auch in seinen sanften, braunen Augen wider. Umso mehr passt sein Name zu ihm. Danuwa bedeutet in der Sprache der Inuit ‘fester, treuer Freund.’ Tatsächlich ist Danuwa der ruhende Pol des Rudels. Danuwa behält die Übersicht und versucht stets, zwischen den Artgenossen zu vermitteln.

Über Danuwas Besonderheit können Christine und Michael Hanselmann stundenlang erzählen, denn er ist eines ihrer Kinder. In Speicherschwendi im Appenzeller Mittelland besteht ihre «Meute» aus vier Zweibeinern und zehn Vierbeinern – «Tendenz steigend.»

 

Die Hundeflüsterer

Vor nunmehr 16 Jahren sind der ehemalige Polizist und die Krankenschwester auf den Hund gekommen – aus Liebe zum Tier. Seither befinden sie sich im «Schlittenhunde-Fieber» und haben mittlerweile sieben Alaskan Malamutes und drei Grönländer. «Böse Zungen behaupten, wir hätten mehr Hunde- als Kinderfotos», lacht Christine, die sich selbst als Teil des Rudels sieht. Für sie sind Schlittenhunde kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung.

Sicherlich ist es das «Raue, Ungestüme und Wilde», das die Zweibeiner besonders fasziniert. Schlittenhunde sind willensstark und versuchen immer wieder, die bestehende Rangordnung im Rudel zu ihren Gunsten zu verändern. Das liegt, bis ins hohe Alter, in ihrer Natur. Sie verschaffen sich Geltung, versuchen Widerstände zu überwinden und verfügen über enorme Kraft. «Unsere Hunde sind keine Zirkuspferdchen», bestätigt Christine. Somit ist –auch wenn die Tiere den Menschen gegenüber freundlich und aufgeschlossen sind – eine Fahrt mit Schlittenhunden, keine gemütliche Kutschenfahrt. Doch genau das macht das Erlebnis eigentlich auch aus!

 

Um die Pfoten gewickelt

In Workshops in den Fideriser Heubergen ermöglichen Christine und Michael anderen Menschen, diese faszinierenden Tiere hautnah zu erleben. Dabei ist – wie auch im täglichen Leben mit den Hunden – die Schlittenfahrt nur der «Zuckerguss» des Tagesprogrammes.

So beginnt der Event um 10 Uhr morgens. Vom Berghaus Arflina führen die Hanselmanns ihre Gäste zu den Zwingern, wo ihre Hunde die Neuankömmlinge lautstark begrüssen. Dann erfolgt die Zuteilung. Danuwa läuft mit Cherez den Hügel zum «Trail» auf der Clunersee-Ebene hoch, den Michael am Morgen mit dem Pistenbully präpariert hat. Enook («Rohfischfresser») zieht Steven hinterher; bleibt jedoch plötzlich abrupt mitten auf der Skipiste stehen.

Aufgrund seiner Intelligenz wäre Enook für die Rolle des Leithundes wirklich geeignet, aber Enook treibt gerne Schabernack. Steven kann gar nicht so schnell reagieren, da hat dieser Lauser schon einen beachtlichen Haufen in den Schnee gesetzt. «Enook!», sagt Michael nur kurz und meint zu Steven: «Christine kümmert sich schon darum.»

 

Spurenjäger im Schnee

Oben beginnt der gemeinsame Aufbau des Camps, wie es auch bei einer Expedition in der Arktis üblich ist. Nach getaner Arbeit stellt Christine den Teilnehmern jeden Hund einzeln vor und erzählt von den Charakteren, sowie über das Zusammenleben im Rudel. Wenig später gibt Michael Instruktionen zur bevorstehenden ersten Schlittenfahrt.

Als Schlusslichter der Gruppe besteigen Cherez und Steven nacheinander den Schlitten. «Festhalten und ja nicht loslassen!», ruft Michael und gibt den Hunden das Kommando zum Aufbruch. Jaulend stemmen sich diese in die Seile. Cherez nimmt den Fuss von der Bremse und der Schlitten prescht davon. Schnee stiebt auf. Auf schnellen Kufen gleitet Cherez durch die unberührte Winterlandschaft, als wäre sie irgendwo im hohen Norden. Adrenalin schiesst durch ihren Körper. Vor ihr laufen und laufen die flinken Pfoten. Es ist ein Gefühl, das einfach unbeschreiblich ist!

Nach dieser Fahrt werden die Hunde belohnt. Danuwa und Enook sehen Cherez und Steven erwartungsvoll an, während die beiden sie bürsten. Erst nachdem die Hunde mit Trockenfleisch und Wasser versorgt sind, stärken sich die Teilnehmer mit einer wärmenden Suppe. Danach geht es in die zweite Runde, ehe der Tag schliesslich mit einer wohlverdienten Tasse Glühwein zurück im gemütlichen Zelt ausklingt.

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Kontakt

Malamut GmbH

Rehetobelstrasse 45

9037 Speicherschwendi

+41 (0)71 344 38 55

www.malamut.ch

Mehr Information zum Austragungsort Heuberge unter www.heuberge.ch

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Cherez Tschopp






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