Schlitteln: Schilthorn – Wenn die Kufen rufen


Noch vor den Festtagen liess sich der Winter vergebens bitten. Nun jedoch scheint er die verlorene Zeit wettmachen zu wollen. Mürren ist in einen strahlend weissen Mantel gehüllt. Strassen und Wege sind tief verschneit. An Häusern und Bäumen glitzern Eiskristalle wie kostbare Diamanten. Und vom Himmel tänzelt – der noch zaghaften Sonne zum Trotz – schon Nachschub in Form von flauschig weichen Flocken.

 


 

Es ist es kalt, klirrend kalt. Doch gleichzeitig auch bezaubernd schön. Denn im autofreien «Dorf auf der Mauer» ist das Räumen der weissen Pracht nebensächlich. So bleibt vielerorts die Schneedecke vollends unberührt und schafft eine Idylle wie auf Postkarten.

 

Der Mürrner Hausberg

An Morgen wie diesen rufen die Kufen. Es ist ein Ruf, dem ich gerne folge. Wie einen Hund an der Leine ziehe ich meinen Holzschlitten durchs Dorf, stapfe vorbei an Holzhäusern und Ställen bis zur Talstation der über 100-jährigen Allmendhubel-Bahn. Wenig später auf 1’907 Höhenmetern angekommen, bläst mir ein lebhafter Wind Neuschnee ins Gesicht und versucht, mich in Richtung Piste zu treiben. Doch ich habe es nicht so eilig.Ich verankere mein Gefährt vor dem Bergrestaurant im Schnee und lasse zuerst den Ausblick auf mich wirken. Auf der gegenüberliegenden Talseite ragt das wuchtige Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau in den blauweissen Himmel. Schroffe Kanten sind umgeben von fein ziselierten Flankenund wuchtigen Gletscherzungen. Es ist ein Anblick, bei dem einst schon den Briten der Atem stockte. Zum Glück, darf man heute sagen. Denn den britischen Gästen ist nicht nur der Bau der Allmendhubel-Bahn zu verdanken. Auch wurde auf ihre Drängen zeitgleich eine 3.4 Kilometer Bobsleigh- und Schlittenbahn eröffnet, die vom Hausberg zurück ins Dorf führte.

 

Spurenjäger auf Kurven

1969 wurde dieser berühmt-berüchtige ‘Bob Run’ für die Dreharbeiten des James-Bond Films «Im Auftrag ihrer Majestät» nach über dreissig jähriger Pause zurück ins Leben gerufen. So liegt er mir heute buchstäblich zu Füssen. Ich nehme auf meinem Davoser Platz, schiebe kräftig an und nehme – auf den Spuren der Leinwand-Helden – schliesslich die Fahrt auf. Die eine Hand am roten Riemen, die andere hinten am Schlittenende, spüre ich im Eilzugtempo den rauen Fahrtwind. Innert Sekunden erreiche ich die erste Kurve, verlagere mein Gewicht und brettere unbekümmert weiter. Zum Glück ist das Schlitteln so das Fahrradfahren – als Kind gelernt, vergisst man es nie; wenn auch manche Kehren sogar Könner in den Tiefschnee stürzen und wie Schneemänner aussehen lassen.

 

Auf dem Davoser nach Mürren

Stetig abfallend führt mich der Schlittelweg immer weiter durch das Blumental, das ich im Sommer noch mit der Spot Testfamilie, Familie Geiger, bewandert hatte. Nun, von Schnee bedeckt, sieht das Gelände viel weitläufiger aus, als ich es in Erinnerung hatte. Vorbei an schneebeladenen Tannen eröffnet sich der Blick über Mürren. Auch die Gipfel des Dreigestirns blitzen erneut aus der Wolkendecke. Lockeren Schrittes kommt auf halber Strecke ein Tourengeher des Weges. Während ich an ihm vorbeisause, bleibt er stehen und geniesst die wieder einkehrende Stille der verschneiten Bergwelt. Etwas weiter unten, bei den kleinen Holzscheunen, schaffe es auch ich, anzuhalten und für einen Moment die Wintermärchenwelt wirklich wahr zu nehmen. Dann jage ich weiter talabwärts, bis ich schliesslich etwas atemlos wieder bei der Talstation der Allmendhubel-Bahn ankomme. Dort lasse mich gleich nochmals per Standseilbahn auf den Hausberg hochtragen. Vom Schlitteln konnte ich schliesslich schon als Kind nicht genug bekommen.

 

Spot Tipp:

In der Wintersaison 2014/2015 eröffnet der neue Schlittelweg Apollo. Der breite, sonnige Weg führt von der Station Schiltgrat über Schiltalp und Gimmeln zurück nach Mürren.

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Spotlight

Praktisches

Startort:

Allmendhubel, 1’907 m ü. M.

 

Erreichbarkeit Startort:

Standseilbahn

 

Zielort:

Talstation der Allmendhubel-Bahn,  1’650 m ü. M.

 

Höhendifferenz:

257 Meter

 

Länge:

3 Kilometer

 

Schwierigkeitsgrad:

einfach

 

Schlittelmiete vor Ort:

ja

 

Abendbeleuchtung:

nein

 

Verpflegungsmöglichkeiten:

am Start und am  Ziel

Text: Carina Scheuringer
Fotos: www.markus-zimmermann.com






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