Schlitteln: Auf zwei Kufen durch die Schweiz


Schlitteln ist der klassische Winterspass für Jung und Alt. Über 180 Schlittelbahnen in der Schweiz bieten Adrenalin, Spass und prächtige Kulissen. Wir präsentieren Ihnen unsere sechs Highlights des Winters 2018 und einige praktische Tipps:


Einmal anlaufen, schnell auf den Schlitten springen, sich mit vollem Gewicht in die Kurve legen, den pulvrigen Schnee im Gesicht spüren und wie ein Blitz den Hang hinab in Richtung Tal jagen: Heute liegt das Schlitteln aus unseren Kindheitstagen wieder voll im Trend. Spätestens dann, wenn der erste Schnee fällt, wird selbst in den Städten jede noch so bescheidene Erhebung zum provisorischen Mini- Wintersportgebiet umfunktioniert. Neben diesen Hügelchen stehen landesweit in den offiziellen Schneesport- Destinationen über 180 Schlittelwege zur Auswahl.

Gut geplant, ist halb gewonnen 

Viele Bergbahnen und Destinationen erteilen auf einer automa-tischen Hotline Auskünfte zu den aktuellen Wetter- und Pistenverhältnissen. Informieren Sie sich alternativ auch unter snow. myswitzerland.com vorab und wählen Sie mit Kindern ein familienfreundliches Angebot. Auf der Homepage von Schweiz Tourismus finden Sie eine Liste mit 115 ausgewählten Schlittelbahnen.

Die richtige Ausrüstung 

Schlitteln ist ein unkompliziertes Wintervergnügen für jedermann; es muss jedoch auf die Sicherheit geachtet werden! Kinder sollten unbedingt Helme tragen und auch für Erwachsene empfiehlt sich ein Kopfschutz, am besten in Kombination mit einer Skibrille, damit trotz Fahrtwind eine klare Sicht gewährleistet ist. Neben einem fahrbaren Untersatz und einem robusten Schuhwerk mit Profilsohlen zählen Schneehosen, Winterjacken und wärmende Handschuhe ebenso zur Grundausstattung. Als Bremshilfe und zugleich Anti-Rutschhilfe ist ausserdem eine Rodelsohle, die direkt an der Unterseite der Schuhe befestigt wird, ratsam (siehe Box).

Schlitteln einmal anders

Viele Destinationen offerieren spezielle Schlittel- Erlebnisse, wie etwa bei Vollmond, bei Sonnenaufgang oder in Kombination mit kulinarischen Angeboten. Manche vermieten auch aussergewöhnliche Untersätze; darunter zum Beispiel Airboards, «Zipflracer», Snowscooter und Snowbikes.

1) Bergün: Auf weltberühmten Schienen zum Kufenspass: Das Schlittelabenteuer von Preda nach Bergün vereint mitten im wilden Albulatal zwei unvergessliche Erlebnisse und bietet mit der zweiten Strecke von Darlux noch einen rasanten Geheimtipp für besonders Mutige. 

Erst kommen die Schienen! Rund 15 Minuten dauert die Fahrt von Bergün nach Preda und ist ebenso kurvenreich, wie spektakulär. Seit 2008 zählt die mehr als 100 Jahre alte Albula- und Berninalinie der Rhätischen Bahn zum UNESCO Welterbe. Sie ist ein Paradestück der Bahnpionierzeit; eine Meisterleistung in Sachen Bautechnik und Linienführung. Harmonisch in die eindrückliche Naturlandschaft eingebettet, führt die Strecke in kunstvollen Schlangenlinien und über raffinierte Kunstbauten durch das schroffe Albulatal. Die Nasen am Fenster plattgedrückt, bringt sie auch uns während der kurzen Reise zum Staunen.

Beinahe zu schnell erreichen wir Preda. Doch das Aussteigen lohnt sich, denn auf die Schienen folgen nun die Kufen. Und es ist längst kein Geheimtipp mehr: Die sechs Kilometer lange Schlittelstrecke zurück nach Bergün entlang der gesperrten Albula Passtrasse ist unter Schlittelfans sehr beliebt. Dennoch verteilt sich der kurzweilige Ansturm gut. Bis wir ohne Eile, die Helme festgeschnallt und die Handschuhe angezogen haben, sind die meisten Schlittler bereits auf dem Weg ins Tal. Die täglich nachts neu präparierte Piste liegt nun nahezu einsam vor uns.

Aufgeregt werfen wir uns schwungvoll ins Vergnügen. Die Strecke ist abwechslungsreich und gut gesichert; das Tempo stets dosierbar. Schnelle Schlittler schaffen die Abfahrt nach Preda in sportlichen 30 Minuten. Sonntagsfahrer wie wir benötigen fast doppelt so lang. Doch das Langsamfahren hat auch seine Vorteile, denn entlang des Weges gibt es viel zu sehen. Tierspuren zum Beispiel, die in den Wald führen. Oder den gewaltigen Viadukt, bekannt schon von der Zugreise, unter dessen Bögen die Piste direkt hindurchführt.

Abends kann bis 23:00 Uhr geschlittelt werden. Preda-Bergün ist die erste beleuchtete Schlittelbahn der Schweiz und die längste ihrer Art in Europa. Der krönende Abschluss, zurück in Preda, ist dann ein Outdoor-Käsefondue, zubereitet über glühendem Feuer, ab sechs Personen.

Tageskarten: CHF 39/Erwachsene, CHF 28 mit Halbtax, CHF 19 mit GA, CHF 19.50/Kinder 6-15 J., CHF 9.50 mit Halbtax, Einzelfahrten erhältlich // Saisonstart am 15. Dezember 

Geheimtipp Darlux: Die Schlittelbahn Darlux ist die sportliche Alternative zur Abfahrt von Preda. Um an den Start zu gelangen, fährt man mit der Sesselbahn zur Mittelstation von Darlux. Hier kann man sich noch im Bergrestaurant verköstigen, oder sich gleich ins vier Kilometer lange Schlittelvergnügen stürzen. Befahrbar ist diese Strecke mit Holzschlitten und Rodeln. Plastikbobs sind für beide Schlittelbahnen in Bergün nicht geeignet. 

Spot Tipp: Reservieren Sie Ihre Schlitten am besten im Voraus online: www.schlitteln-berguen.ch/schlitten-mieten oder www.marksport.ch 

Bergün Filisur Tourismus, Plazi 2A, 7482 Bergün/Bravuogn, +41 (0)81 407 11 52, www.berguen-filisur.ch 

2) Fideriser Heuberge: Die Fideriser Heuberge bieten persönlichen Wintertourismus ohne Hektik und langes Warten. Das Skigebiet im Prättigau ist klein, schneesicher und vor allem sympathisch. Der 12 km lange Schlittelweg ist ein absolutes Highlight

Praktisches: Länge: 12 km // Strecke: Berghäuser Arflina & Heuberge – Talstation (Sägerei Areal in Fideris) // In drei Worten: Bergfahrt mit Adrenalin-Kick

Die Talstation für die Busse ins Skigebiet befindet sich beim Sägerei Areal in Fideris. Sie bildet den Ausgangs- und Endpunkt für das Schlittel-Erlebnis. Nach der Bergfahrt sind die Berghäuser Arflina und Heuberge nach einer Stärkung die Ausgangspunkte für die nicht minder abenteuerliche Schlittel-Fahrt zurück ins Tal. Schlitten können vor Ort gemietet werden.

Spot Tipps: Zwischen 14:30 und 16:00 Uhr ist Sperrzeit für die bergwärts fahrenden Busse (Sägerei- Heuberge). Da zu dieser Zeit mit keinem Gegenverkehr zu rechnen ist, eignet sich die Sperrzeit am besten als Schlittel-Abenteuer mit Kindern. Nachtschlitteln – mit oder ohne Fondueplausch – ist ab 6 Personen möglich (die Personen müssen nicht derselben Gruppe angehören). Ein besonderes Highlight sind zudem die Vollmondfahrten.

Kontakt und Infos: www.heuberge.ch, +41 (0)81 300 30 70, Auskunft Schneesituation: now.myswitzerland.com

3) Kronberg: Lange Zeit war der Kronberg ein kleines Skigebiet im Appenzellerland. Als sich jedoch der Winterbetrieb der alten Lifte finanziell nicht mehr rentierte, war ihr Ende zugleich ein Neuanfang. Heute bietet der Kronberg anstatt Skipisten Wanderwege, ein Kinderland und die längste Schlittelpiste der Ostschweiz.

Praktisches: Länge: 7 km // Strecke: Kronberg-Gipfel nach Jakobsbad // In drei Worten: Prächtiges, ungestörtes Schlittelvergnügen

Mit der Luftseilbahn erreicht man den Kronberggipfel auf 1’663 m. ü. M. und überblickt ein eindrückliches Panorama vom Säntis bis zum Bodensee. Nach Speis und Trank im Bergrestaurant erwartet Abenteurer beim Gipfelkreuz der Einstieg in den 7 km langen Schlittelweg, der zwar mit wenigen Kurven versehen, dafür jedoch mit einigen Steilhängen gespickt ist. Wie eine Skipiste, wird er täglich mit einem Pistenfahrzeug präpariert, ist aber Brettersportlern nicht zugänglich.

Insider Tipps: Jeden Vollmond-Freitag kann vom Kronberg bei Mondschein und im Strahl der Stirnlampe zu Tal geschlittelt werden (Termine: 29. Dezember, 26. Januar und

23. Februar). Schlitten können bei der Talstation gemie-tet werden. Die Luftseilbahn fährt jeweils zur vollen und halben Stunde, bei starker Nachfrage auch mit Zwischenfahrten; letzte Bergfahrt für Schlittler ist um 16:00 Uhr.

Kontakt und Infos: www.kronberg.ch, +41 (0)71 794 12 89, Automatische Auskunft: +41 (0)71 794 14 14

4) Kerenzerberge: Das kleine, aber feine Wintersportgebiet hoch über dem Walensee schafft es, den Spagat zu meistern: Hier findet man sowohl ursprüngliche Natur, Ruhe und Erholung wie auch Winterspass für alle. Ein besonderes Erlebnis ist der 7 km lange Schlittelweg.

Praktisches: Länge: 7 km // Strecke: Habergschwänd bis zur Talstation in Filzbach // In drei Worten: Abwechslungsreich, aussichtsreich und familienfreundlich

Mit der Sesselbahn erreicht man die Bergstation Habergschwänd, wo Besucher sich im Berggasthaus für das Schlitteln stärken können. Eingebettet in eine traumhafte Schneelandschaft mit herrlicher Aussicht auf den Walensee und die Churfirsten führt die Schlittelpiste Kerenzerberg mal mit rasantem Gefälle und mal mit gemütlichen Zwischenstücken hinab ins Tal.

Insider Tipps: Freitags und samstags kann man bei guter Schneelage bis 21:00 Uhr unter Sternen schlitteln und sich im Bergrestaurant bis Mitternacht mit Fondue verwöhnen lassen. Schlitten, Airboards und trendige «Ski-bockerl» können vor Ort gemietet werden. Die Eventfirma «Rafters» bietet für Gruppen verschiedenste Erlebnisprogramme wie Iglu-Bauen, Winterolympiaden, Airboard und Eisschnitzen an. Diese sind perfekt mit einer Schlittel- Partie kombinierbar. (www.rafters.ch)

Kontakt und Infos: www.kerenzerbergbahn.ch, +41 (0)43 888 53 02, Automatische Auskunft: +41 (0)55 614 16 16

5) Belalp: Neben dem Grossen Aletschgletscher befindet sich hoch über Brig das sonnenverwöhnte und schneereiche Skigebiet Blatten-Belalp, welches nicht nur für seine «Belalp Hexe» bekannt ist. Ein Geheimtipp ist auch der Schlittelweg.

Praktisches: Länge: 9,9 km // Strecke: Bergstation Schönbiel/Belalp/ Chiematte nach Tschuggen/Blatten // In drei Worten: Abenteuerlich, sportlich und gesellig

Der Start der Schlittelpiste befindet sich an den Bergstationen Belalp, Chiematte oder Schönbiel und führt über die Mittelstation Tschuggen bis nach Blatten. Nach einem gemütlichen Einstieg verläuft die Route nach der Chiematte durch das urchige Dörfchen Alpe Bel, dann eher flach durch den Wald und nimmt nach Tschuggen nochmals Fahrt auf, bis sie über eine rasante Piste nach Blatten führt. Der Abstand zwischen den Haarnadelkurven ist jeweils gross genug, dass nicht allzu oft abgebremst werden muss. Zum geselligen Verweilen an der Strecke laden die Restaurants auf der Belalp, im Feriendorf Tschuggen und in Blatten ein.

Insider Tipps: Bei den Belalp Bahnen können «Ghosky- Schlitten» für CHF 12 gemietet werden. Donnerstags bis samstags gibt es Sonderfahrten der Belalp Bahnen bis 22:50 Uhr. Der Skipass ist auch für die Schlittelabfahrt am Abend gültig. Unter der Nummer +41 (0)58 386 99 99 kann bis 20:00 Uhr ein PubliCar bestellt werden.

Kontakt und Infos: www.belalp.ch, +41 (0)27 921 60 40

6) Grindelwald | Ob mit Schlitten oder Velogemel , ob rasant oder gemütlich: Auf der sonnenverwöhnten Bussalp hoch über Grindelwald stehen verschiedene Routen zur Auswahl. Ein besonderes Highlight ist der längste Schlittelweg Europas.

Die Luft ist wie frischgewaschen.Der Himmel ist wie blank geputzt. Kein einziges Wölkchen versperrt die Sicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Das Dreigestirn steht wie ein Begrüssungskommando Spalier, als wir auf der Bussalp gemütlich aus dem gelben Grindelwaldbus steigen. Hier muss man sich die einmalige Panoramarundsicht auf 1’800 m.ü.M. nicht erst mit einer schweisstreibenden Wanderung verdienen!

Nicht nur wegen der unkomplizierten Anreise ist die Bussalp schon lange kein Geheimtipp mehr. In den letzten Jahren hat sich die Sonnenterrasse über Grindelwald als Paradies für Nicht-Skifahrer und als Mekka für Schlittler einen Namen gemacht. Neben bestens präparierten Winterwanderwegen stehen vier Schlittelwege, gemütliche Gastronomie und ein Familienschneepark mit «Snow Tubes» zur Verfügung.

Einer der beliebtesten Schlittelwege ist der sogenannte «City Run»; beginnend auf der Bussalp. Die acht Kilometer lange, abwechslungsreiche Abfahrt führt am Lochsteinen und Weidli vorbei zur Busstation «Oberäll.» Bequemer und kindertauglicher ist die Variante «Family Run», welche die rasanten Abschnitte auslässt, während am anderen Ende des Spektrums der «Bussalp Run» eine weitere Alternative bietet. Letzterer führt auf 1,5 Kilometer neben der Strasse schnell hangabwärts zum Heliplatz.

Doch der absolute Höhepunkt und das Aushängeschild in Sachen Schlitteln ist die vierte und gleichzeitig längste Schlittelbahn Europas. Diese belohnt einen 2.5 stündigen Fussmarsch auf den Gipfel des Faulhorns mit einer 12,5 Kilometer langen Abfahrt, die 1’600 Höhenmeter überwindet. Ihr Name, «Big Pintenfritz», soll übrigens auf einen ehemaligen Faulhorn-Wirt zurückgehen, der die Strecke einst nach einer Wette eröffnet haben soll. Ein unvergessliches Erlebnis, das sich am besten mit einem köstlichen Fondue besiegeln lässt!

Spot Tipp Nachtschlitteln: Späte Abfahrten haben ihren besonderen Reiz. Auf der Bussalp kann man auf dem unbeleuchteten «City Run» Schlitteln unter Sternen mit einem Fondueplausch kombinieren. Für dieses Nachtschlitteln müssen der Bus und die Mietschlitten reserviert werden. Auch eine separate Tischreservation ist erforderlich. 

Geheimtipp First-Waldspitz-Bort: Fernab von Hektik und Alltag führt ein gemütlicher Schlittelweg von First nach Bort. Unterwegs laden Restaurants zum Verweilen ein. 

Kontakt und Info: Grindelwald Tourismus, Dorfstrasse 110, 3818 Grindelwald, +41 (0)33 854 12 12, www.grindelwald.ch 

Schlitteltageskarte: CHF 47/Erwachsene, CHF 38 mit GA/HT, CHF 8/Kinder Busfahrt Grindelwald- Bussalp: ab CHF 12

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Text: Carina Scheuringer
Fotos: www.swiss-image.ch/Christian Perret, GM Castelberg & M Haas, zVg, Andrea Badrutt Digitalfoto Chur und www.bilder.gr






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