Pizol: Wo die Berge Kopf stehen


Manche Orte sind so wertvoll, dass die Menschheit über sie wachen muss. Dazu zählt die Tektonikarena Sardona. Im Juli 2008 wurde das knapp 330 Quadratkilometer grosse Gebiet von der UNESCO als Welterbe in ihrer Liste aufgenommen. Wir erkunden die Region zu Fuss und treffen dabei sowohl auf Klassiker als auf Geheimtipps. 

Den Auftakt macht die 2-Seen-Wanderung auf dem Pizol im Heidiland. Im Gegensatz zu ihrem grossen Bruder, der bekannten 5-Seen-Wanderung, bietet sie zwar nur zwei Gewässer, jedoch sind diese doppelt schön, denn es widerspiegelt sich in ihnen eine ganz besondere Naturlandschaft. 


Eine messerscharfe Linie zieht sich durch die Tektonikarena Sardona zwischen Murgsee, Pizol und dem Martinsloch. Sie zeugt von den gewaltigen Kräften und faszinierenden Prozessen, die einst beim Zusammenstoss der beiden Kontinente Europa und Afrika zur Entstehung der Alpen führten. An keinem Ort ist die Geschichte besser nachvollziehbar als an der sogenannten Glarner Hauptüberschiebung. Deswegen wurde das Gebiet 2008 von der UNESCO zum Welterbe gekürt.

Hunderte Kilometer beschilderte Wege durchkreuzen das Welterbe Sardona, welches auf dem Grenzgebiet der Kantone St. Gallen, Glarus und Graubünden liegt und seinen Namen vom Piz Sardona, dem Ort, an dem sich die Kantonsgrenzen treffen, ableitet. Wer also auf Augenhöhe mit dem einzigartigen Phänomen treten möchte, tut dies am besten zu Fuss. An einem sonnigen Samstagnachmittag begeben wir uns so im Gebiet des Pizolgletschers auf Wanderschaft und wählen zum Auftakt die weniger bekannte der zwei Seenwanderungen, die 2-Seen- Wanderung von Pardiel zur Pizolhütte.

Wo der Blick ins Unendliche reicht 

Der Morgen beginnt in der Schwebe. Von Bad Ragaz trägt uns eine moderne Gondelbahn hinweg über grüne Wälder auf 1’633 Höhenmeter zum Einstieg in den Heidipfad. Flach und aussichtsreich ist der Panoramaweg, den wir uns anfänglich mit hölzernen Geissen teilen, welche die verschiedenen Stationen der Themenwanderung markieren. Durch mit Blumen übersäte Wiesen und vorbei an der Kinderkneippanlage und dem Hängemattenwald, erreichen wir die Alp Schwarzbüel und bestaunen dort die berühmte Vier-Länder-Aussicht von der Bündner Herrschaft über das Rheintal bis zu den Churfirsten.

Noch eine kleine Stärkung und schon sind wir für den anschliessenden Aufstieg bereit. Knapp über 600 Höhenmeter gilt es nun zu überwinden. Über die Baumgrenze steigen wir durch moorige Alpweiden zum Viltersersee hoch. Still und verheissungsvoll glitzernd liegt der klare Bergsee eingebettet in eine grüne Hochebene und lässt die Welt um ihn in seinem Spiegelbild Kopf stehen. Zu Land wiegen sich andächtig die Wollgräser im Rhythmus fröhlich bimmelnder Kuhglocken.

Beinahe sind wir versucht, hier länger zu verweilen, vielleicht sogar im frischen Nass Abkühlung zu suchen; jedoch ist das Ziel noch längst nicht erreicht. Hinter dem Alphüttli windet sich der Weg den Hang empor zum nächsten Aussichtspunkt, der den Gonzen besonders schön ins Bild rückt und erste Einblicke auf die Gipfel des Welterbes eröffnet. Noch einige Serpentinen weiter und der Aufstieg ist zur Hälfte geschafft. Nun sind die noch verbleibenden Höhenmeter abschätzbar. Oben wartet schon der strahlend blaue Wangsersee mit seinen doppelten Gipfeln im Spiegelbild.

Wo Geschichte am Wegrand liegt 

Hier bei der Pizolhütte ist der Start zu einem Schwei-zer Klassiker, der 5-Seen-Wanderung, welche durch das UNESCO-Welterbe führt. Der müden Beine wegen begnügen wir uns heute aber damit, die stummen Zeugen längst vergangener Zeiten von der Sonnenterrasse aus zu betrachten. Karseen, Moränenwälle, Schwemmebenen und Schotterflure lassen im Buch der Geschichte lesen und geben Aufschluss über die Entstehungsgeschichte der Alpen.

Fasziniert richten wir am Rückweg nach Pardiel unsere Blicke einmal nicht nur nach oben und in die Ferne, sondern achten auch auf die kleinen Indizien am Weg – wenngleich dies angesichts der Aussicht am neuen Pizol Panorama Höhenweg nach Laufböden zugegebenermassen nicht immer leicht fällt. Ein letztes Mal blicken wir zurück zum Wangsersee und versprechen, diesen möglichst bald zwecks weiterer Erkundungen wieder zu besuchen.

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Spotlight

SPOT TIPPS: PRAKTISCHES 

Die 2-Seen-Wanderung kann in beide Richtungen (bergauf oder bergab) begangen werden. Für Wanderer, die gerne bergauf aber ungern bergab gehen, empfehlen wir folgende Route: Pardiel – Pizolhütte – Panoramaweg – Laufböden – Sessellift nach Pardiel (ca. 15 Minuten Fahrtzeit)

Wanderzeit: je nach Richtung 2.5 bis 4 Stunden

Höhendifferenz: je nach Richtung +600 / -600 m

Anforderungen: mittel

Verpflegungsmöglichkeiten: Pardiel, Alp Schwarzbüel, Pizolhütte

Tipp: Diese Tour gibt es auch als Geocaching

Kontakt

Pizolbahnen AG 

Loisstrasse 50 

7310 Bad Ragaz 

+41 (0)81 300 48 30 

Infoline: +41 (0)81 300 48 20 

www.pizol.com

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer und Paweł Leśkiewicz






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