Panoramawanderung Hochstollen – Wirklich der Gipfel


Im Haslital zählen sowohl die kleinen, als auch die grossen Dinge! Für erstere bürgen die «Haslizwerge», gleichsam Ehreneinwohner der Region, denen Lieder, Bücher und eigene Wege gewidmet sind. Denn wer die wundersamen Wesen erspähen will, muss schon ganz genau hinsehen. Anders verhält sich das beim Hochstollen. Diesen erkennt man auch mit ungeübtem Auge schon von weitem. Doch auch dieser hat sich sein Rampenlicht durchaus verdient. So zumindest das Fazit unserer Gipfeltour.

 


 

Wahre Grösse

Anfänglich wirken seine Dimensionen eher einschüchternd. Stolze 2’480 Meter misst der Riese der Urner Alpen, der mit einem Bein in den Obwaldner Alpen und dem anderen im Kanton Bern steht, doch zu ersterem gehört. Um den Hochstollen zu bewältigen, sind zwischen Käserstatt und Melchsee-Frutt innert 3.5 Stunden beachtliche 1’310 Höhenmeter zu absolvieren. 690 Meter bergauf und 620 Meter bergab. Auf der SAC-Wanderskala ist die Route mit dem Schwierigkeitsgrad «T3» eingestuft. Dieser bezeichnet Bergwanderungen mit teils exponierten Stellen mit Absturzgefahr sowie weglosen Schrofen und Geröllflächen, bei deren Bewältigung schon mal die Hände zu Hilfe genommen werden müssen.

Klingt nicht nach einem Sonntagsspaziergang – und ist es auch nicht! Doch so anspruchsvoll wie die Wanderung nun mal ist, so lohnt sie sich eben auch besonders. Denn wer vom Gipfelkreuz des mächtigen Hochstollens einmal das eindrückliche Panorama genossen hat, hat diese Gipfeltour sicherlich nicht zum letzten Mal absolviert.

 

Geschichtsträchtige Orte

Bereits in der Gondelbahn von Wasserwendi, Twing nach Käserstatt eröffnet sich der Ausblick in Richtung Rosenlaui und die dahinter liegenden Gletscherwelten. Dieses Gebiet ist in den heutigen Geschichtsbüchern als Schauplatz der ersten alpinen Flugrettung verewigt. Vor 69 Jahren stürzte hier –oder genauer gesagt auf dem Gauli-Gletscher – ein amerikanisches Militärflugzeug ab, dessen Insassen im Zuge einer spektakulären, fünftägigen Bergungsaktion lebend geborgen werden konnten.

Hinter der Bergstation trennen sich die Wege. Zweigt der «Zwergenweg» in Richtung Hochmoore und Balisalp ab, so führt unsere Route entlang des Winter-Sesselliftes hoch zur Bergstation Hochsträss. Dort erwartet uns auch schon das nächste Panorama. In der Ferne winkt der Brienzersee. Auf Augenhöhe sind wir nun mit Glogghüs und Rothorn – und unten, tief im Tal, schlummert inmitten satt-grüner Hänge das Kleine Melchtal, auf welcher unsere heutige Begleiterin, Christina Heimann von den Bergbahnen Meiringen-Haslital, einst drei Bergsommer verbracht hat. Und irgendwo dort liegt auch die Älggi-Alp, der geografische Mittelpunkt der Schweiz.

Hat uns das erste Steilstück des Atems beraubt, so können wir uns nun entlang der sanft ansteigenden Linkskurve zum Grat des Fulenbergs von dieser Anstrengung erholen. Kurz vor dem Einschnitt «Wit Ris», von welchem eine unglaublich steile, teils durch Steinschlag beeinträchtigte Route beinahe senkrecht zum Blausee bergab führt, halten wir bei «Meiers Schärm» kurz an. Der Unterstand wurde im Sommer letzten Jahres von einer Privatperson gesponsert.

«Früher – in den 1930er Jahren – als die Maul- und Klauenseuche umging, gab es genau an dieser Stelle eine Wanne. Jeder, der hier vorbei kam, musste entweder umkehren oder sich in der Wanne desinfizieren», erzählt Christina. «Auch noch heute soll der ‘Scherm’ an diese Geschichte erinnern.»

 

Von Gipfelstürmern…

Würde uns zwar jetzt – der Hitze und nicht der Hygiene wegen – so ein Bad willkommen sein, folgen wir dem Weg weiter zum Grad des Hochstollens. Hier wandern wir um einige, vom Wind umwehte Felsköpfe, ehe wir nach einer mit Stahlseilen gesicherten Passage und einem letzten Aufstieg den Gipfel erreichen. Und das eigentlich viel schneller und bedeutend weniger anstrengend, als erwartet!

Oben angekommen, die Belohnung: Grandios ist die Aussicht auf das Grimsel- und Sustengebiet, den Titlis, die Engelhörner, das Wetterhorn und dem tief unten liegenden Melchsee-Frutt mit seinen vielen kleinen Seen. Immer wieder eröffnen Fenster in den vorbeiziehenden Nebelschwaden neue Tiefen- und Fernblicke, die wir mit einem Glas «Gipfelwein» und einem Eintrag ins «Gipfelbuch» gebührend feiern.

 

… zu Abschüssigen

Nach einer längeren Mittagspause folgt sodann der Abstieg über einen steilen schiefrigen Geröllhang und durch abschüssige Wiesen zum Abschütz. Hier könnte man zwar auf direkterem Wege abkürzen, doch lohnt sich die Route über den schönen Wiesengrat zum nahen Wegweiser und Rastplätzchen, wo die Hochstollentour auf den Obwaldner Höhenweg trifft.

Denn es wird nun wieder etwas rauer. Auf teils ausgewaschenen Pfaden schlängelt sich der Weg hinab nach Melchsee-Frutt, vorbei an gehäuften Steinen, die einheimische Älpler-Familien inmitten der steinigen Weidelandschaft gestapelt haben. Diese Familien, so berichtet Christina, leisten jeden Vorsommer das Alpwerk. Hierbei investieren sie, je nach Anzahl der Tiere, unterschiedlich viel Zeit.

An einem Sommer-Melkstand vorbei, führt uns der nun immer flacher werdende Weg zum idyllischen Blauseeli, wo sich ein Vater-Sohn-«Gspännli» soeben im Bergsee-Fischen versucht. Blicken wir hier nun auf den imposanten Hochstollen zurück, ist es kaum zu glauben, dass wir diesen soeben erklommen haben. So bleibt nur noch eines: einen perfekten Tag an der einladenden Feuerstelle am Melchsee mit Sicht auf ‘unseren’ Gipfel gebührend ausklingen zu lassen.

« Zurück

Spotlight

Hochstollen Tour

Hasliberg – Melchsee-Frutt

Dauer:

3.5 bis 4 Stunden

 

Schwierigkeitsgrad:

T3, anspruchsvolle Bergwanderung; Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich (luftige, teils sehr abschüssige Höhenwege)

 

Route:

Wasserwendi/Käserstatt 1’831m – Hochsträss 2’150m – Wit Ris – Hochstollen 2’480m – Abgschütz 2’263m – Blauseeli 1’916m – Melchsee-Frutt 1’900m

 

Spot Tipp:

SBB -Angebot

20% Ermässigung auf:

  • Zug- und Postautofahrt nach Melchsee-Frutt und zurück ab Hasliberg Reuti (oder umgekehrt)
  • Gondelbahnfahrten Stöckalp–Melchsee-Frutt und Mägisalp–Reuti

Angebot gültig bis 18. Oktober 2015 (je nach Witterungs-/Schneeverhältnissen)

Angebot kaufbar an den meisten Schweizer Bahnhöfen oder auf sbb.ch/hochstollen

Kontakt

Bergbahnen Meiringen-Hasliberg AG

Twing

6084 Hasliberg Wasserwendi

+41 (0)33 550 50 50

www.meiringen-hasliberg.ch

 

Melchsee-Frutt Tourismusverein

Sarnerstrasse 1

6064 Kerns

T+41 (0)41 669 70 60

www.melchsee-frutt.ch

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer & Cherez Tschopp






Kommentare