Obstgartenroute: Wie im Flug nach Herisau


Die Obstgarten-Route von Arbon nach Herisau wird mit dem Flyer E-Bike «Flogo» vom ersten bis zum letzten Meter zur Entspannungstour – und das selbst im Januar.


Der Winter will nicht so recht und die Sonne gemäss Wetterbericht auch nicht. Doch wir wollen. Denn die Temperaturen sind auch im Januar mit frühlingshaften 14 Grad alles andere als winterlich und der Schnee lässt wieder einmal auf sich warten. Wieso also nicht eine Velotour unternehmen? Nicht irgendeine, sondern die erste Etappe der Obstgarten-Route von Arbon über St. Gallen nach Herisau; 25 Kilometer und rund 400 Höhenmeter. Carina schüttelt zunächst den Kopf und sagt: «Ich bin seit meiner Kindheit nicht mehr Rad gefahren.» Doch ich lasse mich von der Idee nicht mehr abbringen und habe für sie zwei Überraschungen parat: Ihre Freundin Sue begleitet uns auf der Tour und zwar nicht mit herkömmlichen Fahrrädern, sondern mit Flyer E-Bikes der neuesten Generation. Für mich ein spannendes Experiment. Seit Jahren ersetze ich mit einem schnellen E-Bike (bis 45 km/h) möglichst viele Autokilometer, lege so alle zwölf Monate rund 5’000 bis 6’000 Kilometer zurück. Auch Sue liebt es, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, besitzt ein Rennrad und ein Mountainbike. Carina hingegen erkundet ihre Umgebung lieber zu Fuss.

Der Tag beginnt mit weiteren, positiven Überraschungen. Die Sonne scheint trotz anders-lautender Vorhersage und die Flyer E-Bikes sind sehr viel kompakter, als wir uns das vorgestellt haben. Am Vorabend hatte ich extra noch die Sitzkonfiguration meines Vans verändert, damit drei Leute und drei E-Bikes bequem Platz finden. Nun stellt sich heraus: Das wäre gar nicht nötig gewesen. Mit den kleinen 20-Zoll-Rädern brauchen die «Flogos» so wenig Platz, dass sie problemlos auch in ein kleineres Auto gepasst hätten. Nur zusammenlegen kann man sie nicht. Doch auch das gäbe es. Das Modell stammt ebenfalls von Flyer und nennt sich «Pluto.» Der Vorteil der kleinen Räder ist aber nicht einzig das Platzersparnis. Kleinere Räder sorgen für ein handlicheres Fahrverhalten, das sich später auch in der Praxis bestätigen wird.

Kinderleicht durch Arbon

Diese Ruhe auf dem Quai in Arbon. Scheu schickt die Sonne ihre fahlen Strahlen durch blaue Wolkenlücken und taucht den Bodensee und die umliegenden Bergketten in ein traumhaftes Licht. Wir können uns fast nicht sattsehen. Das Angewöhnen an die «Flogos» ging flugs – selbst für Fahranfängerin Carina. Im Nu hat sie sich an den fein regulierbaren Extraschub des Elektrobikes gewöhnt und kurvt nun, wie ein alter Profi, zusammen mit Sue über die schön angelegten Wege entlang des Bodensees. Es ist Mittwochmittag. Radfahrer und Fussgänger sind nur sehr vereinzelt unterwegs. An schönen Wochenenden in der warmen Jahreszeit ist hier allerdings die Hölle los. Ein Verkehr, wie auf der Autobahn A1 zwischen Zürich und Bern. Denn der Radweg um den Bodensee ist längst kein Geheimtipp mehr, wird von den Velo- Enthusiasten aus dem angrenzenden Deutschland, Österreich und der Schweiz eifrig genutzt. Ganze Heerscharen von Wanderern und Velofahrern wälzen sich jeweils an schönen Sommertagen durch die malerischen Dörfer entlang des Sees.

Carina ist überrascht, wie sanft der Schub des Motors einsetzt. Panasonic hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet. Der Elektronikkonzern ist ein echter E-Bike-Pionier und mit seinem Antriebssystem schon viel länger auf dem Markt, wie beispielsweise Autozulieferer Bosch. Bereits in den 1970er Jahren begannen die japanischen Elektronikfirmen Panasonic, Sanjo und Yamaha an elektrischen Zusatzantrieben für Fahrräder zu tüfteln. So richtig in Schwung kamen die Entwicklungen aber erst mit der Miniaturisierung von Elektronik, Hardware und Akkus. Um die Jahrtausendwende war Flyer noch einige Jahre der einzige Grossserienanbieter von Elektrofahrrädern. Dann startete der E-Bike- Boom. Von 2007 bis 2014 verzehnfachten sich die jährlichen Verkäufe in der Schweiz auf zuletzt 57’000 E-Bikes. Das lockte natürlich weitere Anbieter. Heute hat so gut wie jede Fahrradmarke auch E-Bikes im Sortiment.

Perfekt unterstützt nach Herisau Mit Fachsimpeln, Quatschen und den Gedanken nachhängend, haben wir bald Herisau erreicht. Vor allem um St. Gallen führen die Strassen teilweise recht viel Verkehr. Carina ist jedoch etwas anderes aufgefallen: «Die Steigungen waren ein Klacks. Ich hätte nie gedacht, dass mit dem Velo Bergauffahren so viel Spass machen kann.» Auch die anfänglich skeptische Sue ist von ihrer Meinung, E-Bikes seien nur etwas für alte Leute, abgekommen. «Ich habe einfach eine Unterstützungsstufe von «High» auf «Standard» zurückgeschaltet und selbst etwas mehr getreten. Das war der perfekte Leistungs-ausgleich zu Carina.» Carina nämlich hat die Unterstützung nicht zurückgenommen, ist alles auf «High» gefahren. Für die Akkus war das kein Problem. Toll zudem die fein abgestufte Elfgang-Nabenschaltung. Damit waren die beiden Damen stets im richtigen Gang unterwegs. Am Ziel in Herisau ist noch genügend Strom vorhanden, um «easy» wieder zurück nach Arbon zu fahren. Aber zuerst wollen wir uns stärken.

Im Café Marktplatz an der Zeughausstrasse werden wir fündig. Hausgemachte Kuchen aller Art. Wir genehmigen uns einen Toggenburger Schlorzifladen und dazu eine heisse Schokolade – beides wirklich sehr lecker. Leider haben wir nicht allzu viel Zeit. Die Sonne ist bald am Untergehen. Das ist der Nachteil bei Frühlingstouren im Winter. Die Tage sind noch wesentlich kürzer.

 

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Spotlight

SPOT TIPPS 

Obstgartenroute

Etappe 1: Arbon-St.Gallen-Herisau

Länge: 25 km

Anforderung: mittel

Kondition: mittel

Höhenmeter: Arbon–Herisau: 400 m

Information: www.veloland.ch 

 

Flyer Flogo: Das Flyer «Flogo» gibt es in verschiedenen Leistungs- und Ausstattungsvarianten auch mit Schutzblechen, Gepäckträger und Licht. Wir sind die «nackte» 25 km/h-Version mit 250 Watt Leistung und der mittleren Akku-grösse (540 Wh) gefahren. Preis: CHF 4’199. Die schnelle Version mit 350-Watt-Motor, der bis 45 km/h unterstützt, ist für knapp CHF 4’500 (Standardausstattung mit 12Ah Akkus) zu haben. Diese ist jedoch dem Motorfahrrad gleichgestellt. Mofa-Nummer, Helm, Rückspiegel, Licht, Mindestalter 14 und Prüfung (Kat. M oder höher) sind Pflicht.

Kontakt

Biketec AG

Schwende 1

4950 Huttwil

+41 (0)62 959 55 55

www.flyer-bikes.com

Text: Martin Platter
Fotos: Martin Platter & swiss-image.ch/Renato Bagattini, Christof Sonderegger






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