Nyon, Prangins: Zeitreise am Lac Léman 


Nyon, Prangins | Dass Nyon ein ganz spezieller Ort ist, das wussten schon die Römer. Colonia Iulia Equestris war einer der wichtigsten römischen Standpunkte der heutigen Schweiz. Amphitheater, Basiliken und Aquädukte schmückten die Landschaft. Gegründet wurde die Kolonie vermutlich von niemand geringeren als Julius Cäsar persönlich. Wir waren mit der Familie Venne in Nyon unterwegs… 


Als die Stadt 1979 ein neues Parkhaus genehmigte, stoppten die Bauarbeiten schon nach kurzer Zeit, denn sie brachten archäologische Schätze ans Tageslicht. Die Idee vom Parkhaus wurde verworfen und anstatt dessen das Musée Romain errichtet. Dort sind heute die geborgenen Reliquien zu bestaunen. Als wir unsere Hände auf die dicke Steinmauer in der Mitte des Raumes legen, werden über 2’000 Jahre Geschichte sprichwörtlich spürbar.

Ich bin mit Charlie, Claire und ihren beiden Söhnen Toby und Rory, sowie Granny Kathy in Nyon unterwegs und wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Eingebettet zwischen dem Lac Léman und den wunderschönen Weinbergen beginnt für uns in Nyon eine Reise in die Vergangenheit.

Alles beginnt in Rolle, wo wir an einem herrlichen Sommertag von Mario von Digngo mit vier Fahrrädern erwartet werden. Gemeinsam fahren wir nach Prangins. Auf und ab und durch gesäumte Weinberge ziehen wir an malerischen Weingütern vorbei. Da die beiden Buben noch zu jung sind, um alleine auf einem Velo zu fahren, sitzt Rory hinter seiner Mutter Claire im Velositz. Angedockt am Fahrrad von Charlie, tritt Toby auf seinem fast eigenen Velo kräftig in die Pedale – je länger, desto besser! Zwischendurch halten wir immer wieder an, um die Schönheit der Landschaft zu bewundern und freuen uns, als uns auf halbem Wege ein kleines Picknick erwartet. Mit einem Gläschen lokalem Weisswein stossen wir inmitten der Weinberge auf unsere Velotour an, während die Kinder spekulieren, wer von uns wohl am schnellsten fahren kann. Mario ist natürlich ausser Konkurrenz…

Etwas ausser Atem, aber stolz auf unsere zweistündige Tour, kommen wir in Prangins an. Schon von weitem sehen wir die Türme des Châteaus inmitten der prächtigen Parkanlage des Westschweizer Landesmuseums. Hätten wir nicht schon grossen Hunger, wären wir wohl direkt auf Entdeckungstour gegangen. Jeder Winkel will hier erforscht werden! Und so stehen wir – nach einem leckeren Mittagessen im Café du Château – erwartungsvoll vor Hester Macdonald. Die gebürtige Britin, studierte Botanikerin und Gartenbaukünstlerin wird uns in die Geheimnisse des historischen Gemüsegartens von Château de Prangins einführen – und das mit allen Sinnen!

Die Gartenanlage verzaubert alle drei Generationen unserer Gruppe. So aufmerksam beim Zuhören hat sie Toby noch nie erlebt, flüstert Granny Kathy. Doch es geht uns allen so. Fasziniert beschnuppern und ertasten wir die verschiedenen Kräuter, Blumen, Gemüsesorten und Obstbäume und lauschen der Geschichte: Der Aufbau des Gartens sowie die Unterteilung der einzelnen Gartenbeete und Sorten basieren auf dem ursprünglichen Gemüsegarten aus dem 18. Jahrhundert. Dieses historische Erbe wird gehegt und gepflegt. Das Château pflanzt alte, in Vergessenheit geratene Sorten zur Erhaltung und Konservierung an und so werden hier jährlich um die 200 verschiedene medizinische Kräuter, Gemüse- und Obstsorten kultiviert.

Den Kopf voll der Düfte und Eindrücke beenden wir unseren ersten Tag in der Region. Eine ideale Unterkunft für unsere Gruppe bietet die neue Jugendherberge von Nyon, das «Nyon Hostel.» Von dort führt uns einen Tag später die nächste Reise durch Raum und Zeit – von den Römern im Musée Romain durch das Mittelalter im Château de Nyon – und endet im letzten Jahrhundert im Musée du Léman. Dank Museums-Pass haben wir Zugang zu allen drei Museen. Für Kinder sind sie sogar gratis!

Speziell das Musée du Léman hat es uns allen angetan, denn jeder neue Raum lässt nicht nur Kinderaugen staunen. Vom echten Steuerrad eines Dampfers bis hin zur U-Boot Simulation und dem Aquarium erforschen wir alle Aspekte des Alltäglichen und Aussergewöhnlichen am Lac Léman. Perfekt ergänzt wird die Sammlung des Museums diesen Sommer mit der Sonderausstellung «Plouf» – eine Geschichte des Badens am Lac Léman.

Unser Wochenende in Nyon neigt sich dem Ende zu und wir lassen es auf dem Spielplatz neben dem Musée du Léman ausklingen. Wir sind uns einig: Nyon ist wirklich ein ganz spezieller Ort mit all seinen vielfältigen historischen und modernen Facetten.

 

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1 Ticket – 3 Museen. Mit einem Tagespass für CHF 8 haben Besucher Zutritt in die Museen Romain und Musee du Léman und das Schloss Nyon . Für Kinder bis 16 Jahre gratis. Jeden letzten Sonntag im Monat ist der Eintritt in die Museen frei!

Place des Maronniers: Ab Juni bittet hier die Stadt Nyon jeden Sonntag zum Tanz. Musik und Speisen sorgen für gute Laune unter den mächtigen Kastanienbäumen am Eingang zur Stadt; eine spektakuläre Sicht über den Lac Léman inbegriffen.

Château de Prangins offeriert diverse Ateliers und Veranstaltungen für Gross und Klein. Es besteht z.B. die Möglichkeit, Kindergeburtstage zu feiern oder an Ferienkursen teilzunehmen. Viele der Ateliers und Gruppenführungen sind auf Französisch, jedoch gibt es auch Angebote in Deutsch und Englisch.

Kontakt

Nyon Region Tourisme 

Avenue Viollier 8 

Case postale 1288 

1260 Nyon 1 

+41 (0)22 365 66 00 

www.nyon-tourisme.ch 

 

Château de Prangins 

Avenue Général Guiguer 3 

1197 Prangins 

+41 (0)58 469 38 90 

www.chateaudeprangins.ch

Text: Isabel Steiner
Fotos: Isabel Steiner






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