Natur- und Tierpark Goldau: Der etwas andere Tierpark


Goldau | Im Jahre 1806 donnerten 40 Millionen Kubikmeter Gesteinsbrocken vom Schwyzer Rossberg ins Tal hinab. Der Goldauer Bergsturz begrub drei Dörfer und kostete 457 Menschen das Leben. Was damals eine Tragödie für die Bewohner war, ist heute für bedrohte Tierarten ein wahrer Segen. Das Bergsturz-Waldgebiet bildet seit mittlerweile über 90 Jahren die wildromantische Kulisse des aussergewöhnlichen «Natur- und Tierparks Goldau.» Familie Geiger war vor Ort.


«Dort ist einer!», ruft die 7-jährige Jodie aufgeregt. Seit 1989 gilt der Fischotter in der Schweiz als ausgestorben, doch im «Natur- und Tierpark Goldau» fanden vor 5 Jahren zwei Prachtexemplare wieder ein neues Zuhause. Nachdem die Bären aus ihrem früheren Gehege in eine Gemeinschaftsanlage mit den Wölfen übersiedelt waren, wurde für die Fischotter in der Nähe des Einganges ein 400 Quadratmeter grosser Lebensraum mit Auenlandschaften, See, Bächen und Höhlen realisiert. An einem winterlichen Samstagmorgen können diese possierlichen Beutegreifer hier bei ihren täglichen Aktivitäten ausgiebig beobachtet werden. Für die Geiger Kids Naturkunde hautnah!

Die Goldauer Fischotter widerspiegeln fast idealtypisch die Philosophie des Schwyzer Tierparks, einer der neun wissenschaftlich geführten Zoos der Schweiz. Auf 42 Hektaren leben in der durch den Bergsturz geformten Landschaft hauptsächlich einheimische und europäische Tiere wie Hirsche, Braunbären, Wölfe, Wildschweine, Geier, Uhus und eben auch Fischotter in naturnahem Tieranlagen. «Exoten halten wir nicht», erklärt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Silvia Nietlispach. «Bei uns steht das Entdecken der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt im Zentrum.» Sie selbst ist neben ihren Aufgaben als wissenschaftliche Mitarbeiterin auch als Rangerin im Einsatz, wobei die Wissensvermittlung im Zentrum steht. Während öffentlichen Fütterungen informiert sie über die Tiere und deren Gewohnheiten – so wie heute auch über die Syrischen Bären «Takis» und «Arko».

Letztere befinden sich trotz der frostigen Temperaturen aktuell nämlich nicht in Winterruhe, wie man vielleicht meinen würde. «Macht ihnen das nichts aus?», fragt der 10-jährige Jay etwas besorgt. Doch Nietlispach beschwichtigt: «Ein Bär muss nicht zwingend Winterruhe halten,» versichert sie. «Unsere Bärenjungen drosseln ihre Aktivität und wir reduzieren das Futter.» Auf dem heutigen Speiseplan steht ein grosser Eisblock, gespickt mit bärischen Köstlichkeiten, die sich die hungrigen «Meister Petz» vor den Augen der faszinierten Geiger Kids erst verdienen müssen. Wie ihre gefährdeten Kollegen – die Bartgeier und der Europäische Wisent – sind die Syrischen Braunbären Teil des Erhaltungszuchtprogrammes des Parks. Darüber und viele andere Fakten erfährt man bei Führungen und im Zuge von Workshops, die der Natur- und Tierpark auch für Schulen anbietet.

Für die Geiger Kids setzt sich die Entdeckungsreise nun weiter fort. Nachdem sie die grossen Jäger wie die Bären oder auch die Wölfe aus sicherer Distanz bestaunt haben, dürfen sie jetzt im grossen Freilaufbereich auf Tuchfühlung mit Sikahirschen und Mufflons gehen. Gierig buhlen die Wildtiere um die Futterwürfel, die an verschiedenen Stellen zu erwerben sind und begleiten die Familie fortan auf Schritt und Tritt. Jay schliesst sogleich Freundschaft mit einem besonders treuen Hirsch, den er «Dave» tauft.

Der Rundgang führt immer wieder direkt durch luftige Anlagen, wie die der Bartgeier und der Eulen sowie vorbei an Abenteuerspielplätzen und Picknickstellen. Neben den Tiererlebnissen und der eindrücklichen Landschaft, die sich besonders vom Aussichtsturm in ihrer Einzigartigkeit erschliesst, sind auch die Skulpturen entlang des Weges ein Highlight, welche die Grössenverhältnisse auch für blinde Menschen begreifbar machen sollen. Es ist ein Tag, der bei Gross und Klein bleibende Eindrücke hinterlässt. Einen Park wie diesen besucht man gerne mehrmals und erfährt Wissenswertes über die Natur um uns – und Tiere, die dort leben oder leben sollten. Ein absolut lehrreiches Erlebnis!

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Familienkarte: CHF 55 

Erwachsene: CHF 20 

Kinder 6-16 J: CHF 10 

Kinder unter 6 J: gratis

Kontakt

Natur- & Tierpark Goldau 

Parkstrasse 40 

6410 Goldau 

+41 (0)41-859 06 06 

www.tierpark.ch 

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer






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