Klettersteig Mürren: Eisenzeit mit besten Aussichten


Mürren-Schilthorn, Klettersteig: Die Mürrenfluh hoch über dem Lauterbrunnental ist ein Ort, an dem Grenzen verschoben werden. Hier stürzen sich waghalsige Abenteurer im freien Fall ins Tal und balancieren mutige Ferratisten auf Stahlseilen 600 Meter über dem Abgrund. Doch ob Normal- oder Extremsport, die Besucher packt vor allem eines: Der einmalige Ausblick!


Schon die Anreise in das Hintere Lauterbrunnental ist spektakulär. Links und rechts stehen Felsgiganten Spa-lier. Bis zu 600 Meter hoch sind ihre senkrecht abfallenden Flanken, über die unzählige Wasserfälle ins Tal stürzen. Herrscht unten friedliche, ländliche Idylle, so wartet oben am Felsenvorsprung das grosse Abenteuer. Hier üben sich Basejumper im freien Fall und wagen sich Ferratisten auf Drahtwegen an den Rand des Abgrundes.

2008 wurde entlang der Felsabbrüche der Mürrenfluh ein 2,2 Kilometer langer Klettersteig realisiert, der vom auto-freien Luftkurort Mürren – mit einer Höhendifferenz von 300 Meter – bergab ins benachbarte Gimmelwald führt. Er bedient nicht nur Alpinisten, die den Nervenkitzel auf ge-sicherten Wegen suchen, sondern fungiert auch als Zustieg zur Basejump-Absprungstelle «High Ultimate.» Kurzum: Der ideale Ort für Abenteurer unterschiedlichster Art, um ihre individuellen Grenzen auszuloten – wie hoch auch immer diese gesteckt sein mögen! Einzige Voraussetzung für alle: Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Für John Faber ist beides kein Problem. Gemeinsam mit Lokalmatadorin Danielle wird der Fotograf heute den Klettersteig in Angriff nehmen und plant – im Gegensatz zu den beiden Extremsportlern, die sich mit ihm die Gondel hoch nach Mürren teilen – den ganzen Weg zu laufen.

In der Nähe des Sportchalets auf der Hauptstrasse von Mürren ist der Einstieg schnell gefunden. Zunächst gibt sich die Route unscheinbar und ganz ohne wildes Gefälle; beinahe wie eine sportliche, alpine Wanderung. Dies ändert sich jedoch abrupt an den ersten Felsvorsprüngen, wo die Basejumpers in Richtung Absprungstelle «High Ultimate» abzweigen.

Für einen Moment wird es hier nun auch für die Ferratisten äusserst luftig, denn am «Hammereck» führt der Steig plötzlich direkt in die senkrecht abfallende Felswand. Ist diese extrem exponierte Stelle zwar dank zahlreicher Trittstiegen technisch einfach, so ist sie doch psychisch herausfordernd. Der Blick hinab zur Talstation der Schilthornbahn, die nun 600 Meter direkt unter den Füssen von John und Danielle liegt, stellt ihren Mut und ihre Schwindelfreiheit auf die Probe. Doch die beiden lassen sich nicht beirren.

Wie Routiniers klettern sie weiter und folgen dem anschliessend im Gehgelände verlaufenden Weg durch den Wald bis zur ersten von zwei Schluchten. Es sind entspannende Zwischenpassagen, an denen die Ferratisten die grossartige Aussicht auf das Trio Eiger, Mönch und Jungfrau so richtig geniessen können, ehe ihnen die nächste Schlüsselstelle wieder die volle Aufmerksamkeit abverlangt.

Zwei Stahlseilbrücken an donnernden Wasserfällen stehen nun auf dem Programm. Die Benutzung der Tyrolienne ist nur im Beisein eines Bergführers gestattet. Nach der Umgehung ist auch das letzte Highlight nicht mehr weit: Die 80 Meter lange schwingende Nepalbrücke, die sie nochmals die 600 Meter Luft unter den Füssen spüren lässt. Für John die wohl grösste Überwindung am heutigen Tag, die ihm letztlich den wohl grössten Erfolgsmoment beschert.

Klettertechnisch war die Route nur mässig anspruchs-voll, jedoch hinsichtlich der Landschaftsdramatik allemal fordernd – vor allem aber lohnenswert!

 

KLETTERSTEIG MÜRREN-GIMMELWALD: 

Technische Daten 

Länge des Klettersteiges: 2,2 km

Höhendifferenz: 300 m

Zeitaufwand: ca. 3 Stunden

Länge der Tyrolienne: 60 m

Länge der Nepalbrücke: 80 m

Seildurchmesser Sicherungsseil: 11 mm

Seildurchmesser Tyrolienne: 11 mm

Seildurchmesser Nepalbrücke: 26 mm

Durchmesser der Verankerungen: 20 mm

Durchmesser der Trittbügel: 20 mm

Saison: Juni bis Oktober

Einstieg: Beim Sportchalet in Mürren (ca. 10 Gehminuten von der Schilthornbahn-Station)

Preise: Die Begehung des Klettersteiges ist ohne Bergführer kostenlos. Der Verein Klettersteig Mürren-Gimmelwald ist jedoch für Spenden dankbar. Beim Klettersteig befinden sich Kassen zur Deponierung freiwilliger Beiträge.

Ausrüstung: Klettersteig-Ausrüstung (Klettergurt, Klettersteigset und Helm), Handschuhe, feste Bergschuhe, Rucksack mit Hüftgurt, Sonnen- und Regenschutz, Taschenapotheke, Mobiltelefon, Wasser und Verpflegung.

Tipps: Unerfahrene Kletterer sollten den Klettersteig beim ersten Mal in Begleitung eines Bergführers benutzen. Der Preis für Erwachsene beträgt CHF 125/Person ab vier Personen und beinhaltet die Materialmiete. Die maximale Gruppengrösse beträgt acht Personen pro Bergführer. Die Tyrolienne kann nur mit einem Bergführer benutzt werden. Ohne Bergführer muss sie mittels Seilbrücke umgangen werden.






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