Melchsee-Frutt: Bergseen


Melchsee-Frutt | Die 4-Seen-Wanderung in der Jochpassregion führt vorbei an spiegelglatten Seen und durch eine malerische Berglandschaft von Melchsee-Frutt nach Engelberg. Doch beim Wandern mit Kindern entdeckt man noch vielerlei Interessantes wie zum Beispiel Raupen, Käfer, Blumen, kleine Fische und schöne Steine…


Anfänglich hatten wir sogar erwogen, die Strecke zwischen dem Melch- und dem Tannensee zu Fuss zu begehen. Zum Glück jedoch entschieden wir uns im letzten Moment dagegen. Denn hätten wir gleich zu Beginn des Wandertages schon den neuen «Fruttli-Weg» entdeckt, so hätten wir wohl nur einen der vier Seen gesehen. Schon schwer genug fiel die Trennung vom ersten Spielplatz direkt an der alten Bergstation, doch der freundliche Fahrdienstleiter des Fruttli-Zuges kam uns zu Hilfe: «Zu allen vier Seen wollt ihr wandern?», fragte er ungläubig die 7-jährige Hannah, die stolz von unserem Vorhaben berichtete. «Na, wenn die Beine müde werden oder die Zeit zu knapp wird, könnt ihr ja mit dem letzten Zug um 16:30 Uhr wieder mit mir zurückfahren.»

Hannah lachte und ich machte mir eine mentale Notitz. Plan B um 16:30 Uhr bei der Tannalp. Man weiss ja nie…

Zwanzig Minuten später steigen wir nun beim Staudamm des Tannensees aus dem gelb-blauen Zug, schnallen die Rucksäcke um und sind zum Wandern bereit. Während wir Erwachsene zunächst den schönen See bestaunen, der in schillernden Farben von azurblau bis türkis vor uns liegt, spurtet Hannah auch schon los; dicht gefolgt von den anderen vier Kids. Zum Glück ist die Hochebene flach und gut einsehbar. So müssen wir Grossen uns nicht beeilen, denn spätestens am Ende des Staudammes werden wir die Kids sicher wieder einholen, wenn der Weg direkt am Ufer entlang verläuft. Am Wasser lassen sich ja bekanntlich endlose Stunden verbringen.

Aber Hannah und ihre grosse Schwester Avril (10) haben es dann doch nicht so eilig. «Schau, wie schön!», ruft die Kleine und zeigt zurück zum Melchsee. Wie ein grüner Teppich breiten sich die erst kürzlich gemähten Alpwiesen zu ihren Füssen aus. Kühe grasen gemächlich in der spätmorgendlichen Sonne und der Melchsee ruht in der Ferne; ein leuchtender Farbfleck inmitten der Berge.

«Dort hinten, der Gipfel, ist der Hochstollen», erkläre ich Hannah. «Da bin ich schon einmal hochgestiegen.» «Nein!», ruft sie staunend: «Das ist doch viel zu hoch!» Und ich erwidere: «Warte nur ab, später wirst du auch ganz oben sein und ins Tal blicken.» Ein skeptischer Blick und Hannah läuft weiter. Avril und ihre Freunde Freddy (11), Toby (13) und Harry (15) haben im glasklaren Uferwasser einen Schwarm Jungfische entdeckt. Und auch ein paar flache Steine, die sich bestens zum Hüpfen eignen. Toby macht den ersten Versuch. Dann kommen alle anderen an die Reihe, bis Harry schliesslich murrt: Der grosse Hunger hat sich eingestellt. Bei Teenage-Jungs so etwas wie eine Notsituation.

Während Hannah entzückt Blumen am Wegrand betrachtet und Schmetterlinge zählt, eilt die restliche Truppe schnurstracks zur nächsten Feuerstelle. Gott sei Dank lodert dort noch das Feuer der letzten Besucher, sodass sich Harry nicht allzu lange gedulden muss, bis die erste Wurst auf seinem Teller liegt. Als wir Erwachsene dann auch beim Tisch Platz nehmen, sind die Kids schon dabei, Marshmallows aufzuspiessen.

Höher, immer höher klettert die Sonne, bis uns der Fruttli-Zug an die Zeit erinnert. Noch ein kurzer Halt im Berggasthaus Tannalp, um die Wasserreserven aufzustocken und schon wandern wir an der Kapelle und Alpkäserei vorbei in Richtung Engstlensee.

Als nach einer kurvenreichen Strecke der Weg plötzlich neben uns steil abfällt und imposante Tiefblicke auf das Tal und die Engstlenalp preisgibt, bleibt Hannah stehen und fasst mich zur Sicherheit an der Hand: «Jetzt sind wir wirklich ganz hoch oben», stellt sie fest. «Du hattest recht.»

Und so geht es nun nur noch bergab. Immer schmäler wird der mit Stahlseilen gesicherte Weg; schmiegt sich an den Felsen am Abgrund. Doch er gehört nicht uns alleine. Eine Herde Ziegen marschiert uns seelenruhig entgegen, streicheln und verwöhnen. Und ehe wir uns versehen, ist es plötzlich 15 Uhr! Nicht mehr weit wäre nun der Engstlensee, doch wir kommen viel zu langsam voran. Und es ist keine Änderung in Sicht.

Avril hat am Weg «Furry» aufgelesen, eine Raupe, die unbedingt ihr neues Haustier werden soll. Die 10-Jährige sammelt frische Blätter und sucht eifrig nach einer Art Behälter, um es «Furry» für den Transport nach Hause gemütlich zu machen. Eine zeitaufwändige Arbeit.

Und so bleibt keine Wahl. Plan B tritt in Aktion und wir schaffen es gerade noch rechtzeitig für den letzten Fruttli-Zug zurück zur Tannalp. Dort werden herzlich begrüsst: «Na, sind die Beine schon müde», scherzt der Fahrdienstleiter und hat dann noch einen guten Vorschlag «Wollt ihr am Rückweg nicht noch rasch beim Fruttli-Weg vorbeischauen? Der gefällt sicher auch der Raupe «Furry»…

Eine tolle Idee finden wir und steigen unweit der letzten drei Stationen des Themenweges beim Distelboden aus. Die Begeisterung ist speziell bei den Jüngsten besonders gross – «Können wir diesen Weg das nächste Mal gehen?», schallt die Frage. Und wir sind ganz Ohr. Schliesslich waren wir sicherlich nicht das letzte Mal auf der Frutt und haben ja noch zwei weitere Seen auf unserer Liste…

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Kontakt

Sportbahnen/Tourismus Melchsee-Frutt 

Sarnerstrasse 1 

6064 Kerns 

+41 (0)41 669 70 60 

www.melchsee-frutt.ch 

Sommersaison bis 22. Oktober 2017

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer






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