Kulturstadt St. Gallen


Kulturstadt St. Gallen | Über 1’400 Jahre soll es her sein, dass der wahrscheinlich aus Irland stammende Mönch Gallus am Ufer der Steinach eine Klause errichtete. Aus den bescheidenen Anfängen ist eine Stadt von internationaler Bedeutung gewachsen, die ihren Ruf nicht nur ihrem aussergewöhnlichen Kulturerbe zu verdanken hat. Wir entdecken die Highlights der weltoffenen Kulturstadt St. Gallen.


Ohne das Kloster gebe es wohl kein St. Gallen. Die Stadt liegt eingebettet im grünen Hochtal der Steinach zwischen dem Bodensee und dem Säntis – idyllisch, jedoch aus stadtplanerischer Sicht eher ungünstig. Doch genau deswegen kam der Mönch Gallus auch hierher. Er suchte keine Verkehrsknotenpunkte, sondern sehnte sich nach der Einöde.

Dennoch wurde die spätere Abtei, deren Grundstein er legte, zu einem der bedeutendsten Klöster des Abendlandes und galt im Mittelalter als «Schreibstube Europas.» Das Vermächtnis ist den Mönchen zu verdanken, deren Erbe St. Gallen bis heute prägt. Sind die Männer Gottes zwar längst verschwunden, so gilt ihre barocke Kathedrale heute als prachtvolles Wahrzeichen der Stadt. Gemeinsam mit dem Stiftsbezirk bildet sie ein Ensemble, so einzigartig und schützenswert, dass es die UNESCO 1983 zum Weltkulturerbe ernannte.

Neben der Kathedrale ist ein weiteres Herzstück der klösterlichen Anlage die 1758 errichtete und bis heute aktive Stiftsbibliothek, deren prachtvoll geschwungener Barocksaal mit seinen holzvertäfelten, säulengeschmückten Bücherschränken und reich stukkierten Deckengemälden zu den schönsten der Welt zählt. Heute besitzt die Bibliothek etwa 170’000 Bücher, veranstaltet regelmässig Wechselausstellungen der 2’000 mittelalterlichen Originalhandschriften und ist ein Anziehungspunkt für Touristen und Einheimische.

Trotz all dieser wertvollen historischen Schätze verdankt St. Gallen seinen Ruf als Kulturstadt jedoch nicht alleine seiner klösterlichen Pracht. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert galt die Kantonshauptstadt zudem als eine der bedeutendsten Textilstädte der Schweiz. Es ist eine facettenreiche Geschichte, der heute das im Jahre 1878 realisierte Textilmuseum Tribut zollt. Es beherbergt nicht nur eine der wichtigsten Textilsammlungen der Schweiz, sondern zeigt auch die Höhen und Tiefen einer faszinierenden Branche von den Anfängen bis in die Gegenwart auf. Charakteristisch für die St. Galler Textilbranche ist seit jeher die starke regionale Verwurzelung, gepaart mit Innovationsgeist und Weltgewandtheit. Als absolutes Highlight der Ausstellung gilt die Handstickmaschine, ein Original um 1890, die Besucher die zeitaufwendige Sticktechnik hautnah erleben lässt.

Ebenfalls im Museumsviertel befindet sich eine Referenz für Kulturbauten: Das sogenannte «Grosse Haus» des Architekten Claude Paillard, dessen Grundriss auf einem Raster aus Sechsecken basiert. Hier ist das Theater St. Gallen untergebracht, mit 200 Jahren das ältestes Berufstheater der Schweiz und das einzige Dreispartentheater der Region. 200 Mal im Jahr hebt sich im Theater der Vorhang. Pro Spielsaison werden mindestens zwanzig Neuinszenierungen produziert und rund 50 Aufführungen auswärts veranstaltet; so zum Beispiel in den stimmungsvollen Räumlichkeiten der Lokremise oder unter freiem Himmel im Klosterhof. Zurzeit steht unter anderem das spektakuläre Musical «Matterhorn» auf dem Programm.

Einen kurzen Fussmarsch entfernt, befindet sich im neoklassizistischen Bau des Architekten Johann Christoph Kunkler (1877) das Kunstmuseum St. Gallen, international bekannt als «Schatzkammer der Ostschweiz.» Inmitten der historischen Mauern trifft hier Geschichte auf modernen Zeitgeist. Reich ist die Sammlung an Gemälden und Skulpturen vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, die seit 2017 erstmals in einer Daueraustellung zu sehen ist. In der Wechselausstellung wird aktuell und noch bis 26. August das Ausstellungsprojekt «GOOD LIFE CERAMICS» von Caro Niederer gezeigt. Die Künstlerin bespielt die Räumlichkeiten des ehemaligen Naturmuseums mit wechselnden Inszenierungen und hat auch ein Café gestaltet, welches mit eigenen Kunstwerken aus ihrer privaten Sammlung sowie von befreundeten Kunstschaffenden bestückt ist. Der perfekte Ort, um einen Kulturtag in St. Gallen ausklingen zu lassen!

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SPOT TIPP 

Ein unvergessliches Erlebnis sind die St. Galler Festspiele, welche ebenfalls unter freiem Himmel im Sommer stattfinden; dieses Jahr vom 29. Juni bis 13. Juli. www.stgaller-festspiele.ch

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Text: Andrea Camen
Fotos: Andrea Camen und swiss-image.ch/Stephan Engler






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