Kinderklettern: Klettern einmal anders


Kinderklettern | Für Kinder fördert das Klettern im Fels nicht nur die Motorik und die Koordination, sondern stärkt auch das Selbstbewusstsein und die Teamfähigkeit. Aber vor allem ist es ein Abenteuer und Riesenerlebnis, das Spass macht. 


Wie man klettert, muss man Kindern nicht erklären, denn Klettern ist für sie die natürlichste Sache der Welt. Sie haben ein besseres Kraft-Körpergewicht- Verhältnis als Erwachsene. Sie bewegen sich auch von Natur aus noch richtig, während dieses motorische Gedächtnis mit dem Älterwerden oft verloren geht. Kinder folgen zudem ihren Instinkten; setzen ihren gesamten Körper ein und haben keine Angst vor möglichen Gefahren, jedoch Spass an ihren Entdeckungen. Das demonstrieren die Geiger Kids, Jessica (12), Jay (10) und Jodie (7), bereits in der TRANSA Filiale in der Europaallee, als sie an der sieben Meter hohen Kletterwand ihr neues Equipment auf die Probe stellen. René Kämmerer hat sie im Vorfeld hervorragend beraten. Klettergurte, Helme und Finken sind optimal an ihre individuellen Bedürfnisse angepasst und gewährleisten so hohen Tragekomfort und bestmögliche Sicherheit.

Fasziniert lauschen die Kids nun seinen Erklärungen, wie ein Karabiner funktioniert und was beim Klettern alles zu beachten ist. Dass Einkaufen ein derartiges Erlebnis sein kann, wussten sie nicht und sind hellauf begeistert. Mama Marie tut gut daran, René nach drei Stunden von ihrem wissbegierigen Nachwuchs zu befreien. «Kann René morgen nicht mit uns kommen, wenn wir im Fels klettern?», fragt Jay noch beim Abschied und wird enttäuscht. Denn auch morgen muss René leider arbeiten.

Dafür steht Jonas Thibault von der Kletterschule «Kletterwelt» (Seite 99) schon bei der Talstation der Rotenfluebahn bereit, als wir am nächsten Morgen am Fusse der Mythen eintreffen. «Kann ich die Finken schon anziehen?», so Jodie aufgeregt, noch ehe wir in die Gondel einsteigen. Wir müssen lachen denn noch liegt eine Wanderung zwischen uns und unserem Klettergarten, der «Chli Schije» am Ibergeregg Pass.

Haben wir zwar heute die Kombination aus Wandern und Klettern gewählt, wäre der Pass auch direkt mit dem Auto oder Postauto erreichbar. Vom Restaurant Passhöhe direkt an der Busstation und vom Parkplatz wäre es sodann nur ein ca. 30 bis 40-minütiger Fussmarsch zum Klettergarten. Am Weg muss man gut nach den blauen Pfeilen Ausschau halten, welche die möglichen Abzweigungen anzeigen.

Als wir schliesslich einen von diesen Pfeilen gesichtet haben, versammeln wir uns bei Jonas, der uns eine Einführung in die Verhaltensregeln in der bald viel unberührteren Natur gibt. Jonas verweist insbesondere auf die Wildtiere, die wir vielleicht durch Lärm stören könnten und ermahnt uns, keine Abfälle zu hinterlassen. Kids und Erwachsene nehmen interessiert Notiz. Es ist ein Thema, dem leider viel zu oft zu wenig Achtung geschenkt wird. Daher sind wir Jonas dankbar für seine vielen praktischen Tipps.

Ein paar Gehminuten später wird das Terrain immer wilder und der Pfad, der sich durch die Geröllhalde windet, immer schmaler. In der Ferne hören wir bereits das Klimpern der Karabiner in den Wänden der «Chli Schije» und plötzlich stehen wir unmittelbar davor. Man kann sich den Klettergarten vorstellen, wie eine Ansammlung von vielen unterschiedlich hohen Steintürmen, die eine tolle Aussicht in Richtung Stoos, Schwyz, Rigi und den Vierwaldstättersee bieten. Wir setzen die Helme auf und steigen mit gebührlicher Vorsicht weiter.

Einmal eine passende Wand gefunden, bereitet Jonas die erste Route vor und versammelt die Kinder und ihren klettererfahrenen Papa Dani direkt am Fels, um das Wichtigste aller Themen mit ihnen zu besprechen: Die Sicherheit. Mit grosser Aufmerksamkeit verfolgen die Kids die Erläuterungen ihres Lehrers, stellen Fragen und folgen später absolut gewissenhaft seinen Instruktionen.

Wir sind genug Personen vor Ort, um die Kids zu sichern und können so zwei unterschiedliche Routen einrichten. Die Jüngste macht den Anfang und erreicht – wie später auch ihre Geschwister – in Windeseile das erste Ziel. Als Jodie uns von der Spitze des Felsens fröhlich zuwinkt, können wir nur staunen. Unser erster Versuch hätte wohl anders ausgesehen und mit Sicherheit auch viel länger gedauert. «Erwachsenen muss man viel mehr erklären,» bestätigt Jonas. «Sie wollen vorab genau wissen, wie man klettern muss. Kindern lässt man besser einfach starten und instruiert sie stattdessen direkt in der Wand. Doch das Klettern ist wichtig für sie, denn es schult die Motorik, die Koordination, das Selbstbewusstsein und die Teamfähigkeit, weil man einander vertrauen muss.»

Die Klettererfolge der Geiger Kids geben Jonas  recht. Schnell ist auch die zweite Route geschafft und die Kids gönnen sich an einer der vielen Grillstellen ihre wohlverdiente Pause mit Zwischenverpflegung im willkommenen Schatten der Bäume.

Jonas vertreibt ihnen die Wartezeit auf die Grillwürste mit seinem spannenden Wissen über die vielfältige Bergflora und -fauna und bringt sie immer wieder zum Staunen. «Stimmt es wirklich, dass eine Glockenblume die Farbe wechselt, wenn man sie in einen Ameisenhaufen legt?», fragt Jodie mit ungläubigen Augen und nimmt sich vor, auf dem Rückweg dieses Experiment selbst durchzuführen.

Doch auf das Essen folgt nun zuerst das absolute Highlight des Tages: Das Abseilen von einem zirka 10 Meter hohen Felsvorsprung mit Überhang. Die Kids lassen sich in ihrer Vorfreude kaum bremsen. Jeder von ihnen will den Anfang machen.

Und hätten wir nicht in einer Stunde unser Postauto zurück ins Tal, so hätte sich diese letzte Übung sicher bis zum Untergehen der Sonne fortgesetzt, so gross war die Begeisterung. Nicht nur die Kinder konnten es kaum fassen, wie schnell die Zeit im Klettergarten verflogen ist und lassen uns schon vor dem Aufbruch wissen, dass sie bald wieder hierher zurückkehren möchten – und das vorzugsweise mit Jonas und, wenn René nicht arbeiten muss, auch mit ihm.

Wir Erwachsenen waren ebenso mächtig beeindruckt von diesem ganzheitlichen Erlebnis: Dem Einkauf bei Transa, dem tollen Klettergebiet so nahe bei Zürich und den Instruktionen von Jonas, die weit über das Thema Klettern hinausgingen.

 

Kinderklettern 

Gut vorbereitet 

Gute Klettergurte müssen im Falle eines Absturzes die dabei entstehenden Zugkräfte in einer Weise ableiten, dass der Träger nicht verletzt wird, und gleichzeitig Tragekomfort bieten. Für die Geiger Kids stimmte der «DMM Tomcat», der in der Grösse anpassbar ist. CHF 79.90, www.transa.ch 

Halt an der Felswand

Die «Gripit» von La Sportiva sind individuell anpassbar. Das Schnellschnürsystem lässt sich mittels Klettverschluss voreinstellen. Die Sohle ist vorne hochgezogen und hat keine Kanten, um den Abstand zwischen Fels und Fuss so gering wie möglich zu halten. CHF 79.90, www.transa.ch 

Die Wahl des Zubehörs

Neben dem Klettergurt, den Kletterfinken und natürlich den richtigen Kletterhelm ist auch das Zubhör entscheidend. Zum Klettern braucht man ausserdem Seile, Sicherheitssystem, Karabiner und ein Magnesiumsäckchen. TRANSA Mitarbeiter wie René Kämmerer bieten eine fundierte Beratung zum Thema Klettern. www.transa.ch  

Sicher verbunden

Karabiner sollten einen einfach zu bedienenden Schraub-Verschluss haben und bequem in der (Kinder-) Hand liegen. Ist ein Modell dann auch noch so leicht und optisch ansprechend wie der Ascent Lite von Wild Country, dann findet er schnell seine «Anhänger.» CHF 19.90, www.transa.ch 

 

KINDERKLETTERN: INTERVIEW MIT FABIO LUPO

Warum ist das Kettern ein gut für Kinder? 

Fabio: Kinder wollen die Welt entdecken und da Teile der Welt steil oder senkrecht sind, gehört das Klettern eben dazu. Ausserdem profitieren Kinder von den zahlreichen positiven Eigenschaften des Kletterns – genauso wie Erwachsene auch. Dazu gehören nicht nur komplexe koordinative Bewegungsanforderungen, räumliche Wahrnehmung, Kräftigung der Rücken- bzw. Rumpfstabilisationsmuskulatur, sondern auch der gesunde Umgang mit Gefahren. Dies zu lernen, schafft Sicherheit, mindert irrationale Ängste und fördert die Selbstsicherheit der Kinder. Und natürlich bietet das Klettern unendlich viele Spielmöglichkeiten.

Ab welchem Alter kann man beginnen? 

Fabio: Sobald es das Kind wünscht. Man muss ja nicht gleich die höchsten Wände erklimmen. Das Klettern beginnt im Garten, auf Spielplätzen, im Wald und vielleicht entwickelt sich diese Vorliebe bis hin zum Felsklettern oder Bergsteigen.

Was sollte man als Eltern beachten? 

Fabio: Sicherheit entsteht durch den Erwerb von Wissen und Fertigkeiten, durch das Erleben und Erfahren. Die Frage ist wie etwas gemacht wird. Ein «Patzer» beim Lernen darf keine negativen Folgen haben. In Bezug auf das Klettern heisst das: Man sollte es einem Kind nicht verbieten, zu klettern, sondern überlegen, wie es das Klettern mit möglichst geringer Verletzungsgefahr erlernen kann.

Welche Kinderkurse bietet ihr? 

Fabio: Wie bieten im Moment Schnuppernachmittage und Familienferien als Gruppenangebote an. Auf Anfrage führen wir auch andere Kurse durch, z.B. für Gruppen befreundeter Familien. Als Einstieg oder auch im Winter bietet sich ein Kurs in der Kletterhalle an.

Wie wählt ihr als Instruktoren geeignete Wände für Kinder aus? 

Fabio: Wir schauen, dass die Wand verschiedene Möglichkeiten bietet. Einfachere und schwerere Routen, niedrige und höhere, mit der Idee, dass kein Kind überfordert ist, aber sich auch gleichzeitig alle weiterentwickeln können.

Was ist wichtig, dass den Kindern der Kletterunterricht Spass macht? 

Fabio: Wir haben zwar Kurskonzepte und Spielesammlungen. Damit es aber richtig Spass macht, plaudern wir zuerst mit den Kindern, um heraus zu finden, was ihre Wünsche und Ziele sind. Kinder sind extrem kreativ.

Fabio Lupo ist Psychologe und Kletterlehrer und leitet die Kletterwelt. Familienangebote und Informationen: fabio.lupo@kletterwelt.ch, www.kletterwelt.ch 

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«Sorgfältig ausgewähltes Kletterzubehör erhöht die Sicherheit in der Kletterwand. Zu einer sicheren Kletterausrüstung gehören, neben Klettergurt und Kletterseil, auch geeignete Karabiner in ausreichender Stückzahl.» Transa

«Klettern ist wichtig für Kinder, denn es schult die Motorik, die Koordination, das Selbstbewusstsein und die Teamfähigkeit» Jonas Thibault, Kletterwelt

Kontakt

Transa Travel & Outdoor 

Europaallee 

Lagerstrasse 4 

8004 Zürich 

+41 (0)848 0848 11 

www.transa.ch 

MO-FR: 9-20 Uhr, SA: 9-18 Uhr 

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer und Jonas Thibault






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