Hüttentour: Mitten durchs Welterbe Sardona


Hüttentour im UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona | Das Welterbe Sardona weiss viele Geschichten zu erzählen. Denn an keinem anderen Ort der Welt sind die Spuren der Gebirgsbildung so deutlich erkennbar wie hier. In einer dreitägigen Hüttentour mit einem GeoGuide Sardona lernen wir, diese Spuren zu lesen.


Wir treffen uns zum «Zmittag» im Kraftort Sankt Martin, einer über 700 Jahre alten Walsersiedlung ganz zuhinterst im Calfeisental. Stolz zeigt uns der gebürtige Deutsche André Riehle die geschichtsträchtige Siedlung, in die er und seine Frau Anne sich so verliebten, dass sie das ganze Dorf mit Partnern erwarben und heute gemeinsam führen.

Mit hausgebackenem Kraftbrot gestärkt, beginnen wir hier unsere Drei-Tagestour und wandern entlang der Tamina empor. Der Anstieg ist sanft. Steile Kalksteinwände werden von begrünten Flyschbergen abgelöst. Die wechselnde Geologie widerspiegelt die Entstehungsgeschichte der Alpen. Kein anderer Ort lässt besser im Buch der Zeit lesen, als das Welterbe Sardona. Thomas Buckingham, GeoGuide Sardona und Geologe des Welterbes, führt uns in die Geheimnisse ein und schärft unseren Blick für die Besonderheiten am Weg.

Schon von weitem sehen wir die Sardona Hütte, unser heutiges Nachtlager. Ein letzter Anstieg vorbei an Wasserfällen bringt uns auf das kleine Plateau. Hier kühle ich mich im einladenden Badetümpel ab, ehe ich mich zu den anderen zum «Znacht» und zur frühen Nachtruhe geselle. Morgen haben wir viel vor!

Der zweite Tag beginnt mit einem Blick zurück auf das idyllische Calfeisental im Morgenlicht. Dann steigen wir in Richtung Trinser-Furggel auf. Nach etwa 1,5 Stunden haben wir es geschafft und unter uns liegt das Hochtal von Bargis. Wir überqueren die Kantonsgrenze von St. Gallen nach Graubünden. Der imposante Flimserstein vor uns bildet den Abschluss des Welterbes Sardona gegen Süden.

Als nächstes laufen wir um das Trinserhorn, «Piz Dolf» auf Rätoromanisch, und gelangen zum Oberen Segnesboden. Die Hochebene mit dem Flachmoor und den immerzu wechselnden Wasserläufen ist ein Überbleibsel einstiger Gletscherzungen, die bis tief ins Tal reichten. Über «La Siala» wandern wir weiter Richtung Tschingelhörner. Dort angekommen, erwartet uns das berühmte Martinsloch. Auch die Glarner Hauptüberschiebung ist hier eindrücklich zu erkennen. Entlang einer markanten Linie wurden alte Verrucano-Gesteine (250-300 Mio. Jahre) auf viel jüngere Flysch-Gesteine (35-50 Mio. Jahre) geschoben. Gewaltige Kräfte führten so zur Entstehung der Alpen. Dieses anschauliche Wissen, das uns Thomas zwischen Fotopausen und Quellwassererfrischungen unermüdlich vermittelt, unterstreicht die Schönheiten der Natur und lässt mich ungläubig staunen.

Es ziehen Wolken auf und wir beeilen uns, noch vor dem Regen an unser zweites Etappenziel zu gelangen. Am Rand der Tschingelhörner befindet sich der Segnespass in Richtung Elm und oben am Kamm thront die «Segnespass Mountain Logde.» Dort werden wir von der Gastwirtin Sabine und einem «Hüttenkafi» herzlich empfangen. Auf der Terrasse mit Ausblick zum Glärnisch lassen wir den Tag ausklingen. Das Gewitter zieht an uns vorbei und wir geniessen den malerischen Sonnenuntergang. Als die Dunkelheit einbricht, übermannt mich die Müdigkeit. Es ist schön, im Rhythmus des Tageslichtes zu leben und abends von den vielen Eindrücken eines lehrreichen Tages überwältigt zu sein.

Mit den ersten Sonnenstrahlen starten wir unseren letzten Wandertag. Unter uns liegt ein Nebelmeer; das Überbleibsel der unruhigen Wetterlage am Vortag. Wir beginnen den Abstieg zur Tschinglenalp. Nach einer guten Stunde haben wir die steilste Etappe geschafft und es ist Zeit für unser «Znüni» bei Susi in der Tschinglen Wirtschaft.

Gäbe es von der Tschinglenalp nun zwar eine Seilbahn hinunter ins Tal, so entscheiden wir uns, auch die letzten Höhenmeter zu laufen. Durch die beeindruckende Tschinglenschlucht folgen wir den «Expedition Tschinglen»-Tafeln und sind erstaunt, wie viel wir nach dieser kurzen Tour mit Thomas bereits wissen. Faszinierend ist das Welterbe Sardona – und umso mehr, wenn man die Spuren der Zeit entlang der wunderschönen Wanderwege zu lesen weiss. Eine empfehlenswerte Tour besonders in Begleitung eines GeoGuide Sardona, die wir mit einem Besuch im Welterbe Besucherzentrum in Elm abschliessen.

 

 

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Das UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona bietet weltweit einzigartige Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Alpen. Die bekanntesten Phänomene sind die Glarner Hauptüberschiebung und das sagenumwobene Martinsloch.

Kontakt

Geschäftsstelle 

IG UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona 

Städtchenstrasse 45 

7320 Sargans 

+41 (0)81 723 59 20 

www.unesco-sardona.ch 

www.sanktmartin.info 

www.sardonahuette.ch 

www.segnespass.ch 

www.tschinglenbahn.ch 

Text: Jessica Schmid
Fotos: Jessica Schmid






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