Genussreise Murtensee: Sommer, Sonne, Nidelkuchen


Genussreise Murtensee | Im Velojahr von Schweiz Tourismus werden zahlreiche neue Routen lanciert. Eine besonders schöne Tour führt am Murtensee zu den kulinarischen Highlights der Region.


Es ist Mai. Wie ein glitzerndes Meer liegt der Murtensee vor uns. Wildblumenwiesen umrahmen das gleichnamige Zähringerstädtchen auf der kleinen Anhöhe am Ufer. Dahinter ziehen Rhabarber- und Spargelfelder symmetrische Linien bis zum Horizont. Die sanften Wellen der lieblichen Landschaft werden erst an den fernen, schneebedeckten Gebirgsbrocken der Berner Alpen gebrochen, die wie stille Wächter Spalier stehen. So früh in der Velosaison ist die Luft noch rein und voller Düfte: Blauregen, Flieder und frischer Backware. Wir atmen genüsslich ein. Die ungewöhnliche Kombination passt perfekt zum Programm. Unsere heutige Velotour vereint auf 28 Kilometer die landschaftlichen und kulinarischen Highlights der Region. 

Der Morgen hat gut begonnen. Mit der BLS sind wir von Zürich aus entspannt angereist und haben direkt am Bahnhof Murten unsere E-Bikes bezogen. Kaum eine Viertelstunde später treten wir nun gemütlich in die Pedale. Das erste Highlight ist nah. Durch das berühmte Berntor erreichen wir das Herz der 800-jährigen mittelalterlichen Altstadt. Das ursprüngliche «Städtli» ist eine Besonderheit. Schützend umrahmt eine fast vollständig erhaltene Stadtmauer die malerischen Gassen. Als einzig begehbare Ringmauer der Schweiz eröffnet sie uns einen verträumt-romantischen Ausblick auf die verschachtelten Dächer und Giebel der Altstadt und den nahen See. 

Unten, zu unseren Füssen, ist der Samstagsmarkt in vollem Gange und auch in den Cafés herrscht reger Betrieb. «Zeit für unsere erste Stärkung», beschliesst unsere Begleiterin Gaëlle vom Tourismusbüro und führt uns zur «Bäckerei Aebersold», stadtbekannt für den «Nidelkuchen», der Spezialität von Murten. Während wir uns das köstliche Rahm-Hefegebäck munden lassen, zieht Gaëlle ein gelbes Kuvert mit dem Programm aus der Tasche, das speziell für die Kulinarik-Tour erstellt wurde. Neben einer Karte mit handerlesenen Restaurants, in denen die beigelegten Gutscheine eingelöst werden können, sind auch Spielkarten inkludiert. «Die Leute sollen sich Zeit nehmen», erklärt Gaëlle mit einem Lächeln. «Diese Tour ist etwas für Geniesser.»

Und damit brechen wir auf und lassen die Zähringerstadt hinter uns. Wir passieren eine Mühle aus dem 17. Jahrhundert, die heute ein Museum ist und erreichen nach der Marina den Sandstrand von Salavaux. Von hier aus können wir bereits unsere nächste Station erspähen: Die Weinberge des Mont Vullys auf der gegenüberliegenden Seeseite. 

«Die Region ist ein Eldorado für Velofahrer», verrät Gaëlle, während wir zügig weiter fahren. «Es gibt so viele ruhige Strassen und Velowege, dass ich fast nie das Auto benutze.» Ich nicke zustimmend. Obwohl wir mit E-Bikes unterwegs sind, kann ich mir die Tour auch ohne Antrieb gut vorstellen. So, als könnten sie meine Gedanken lesen, brausen just in diesem Moment zwei Strassenvelofahrer an mir vorbei. Etwas verlegen stelle ich meine Unterstützungsstufe auf «Eco» zurück. 

Wenig später begrüsst uns der Mont Vully, ein Kraftort überzogen mit Weinreben. Beim «Cru de l’hopital», einem der grössten der 22 Weinbauern der Region, kehren wir zur Degustation ein. «Unser Wein ist 100 Prozent organisch und DEMETER zertifiziert», berichtet Winzer und Önologe Christian Vessaz stolz. Seit 2002 bewirtschaftet er das historische Rebgut, welches einst Wein für das regionale Krankenhaus herstellte. «Ich liebe es in und mit der Natur zu arbeiten», fährt er fort. «Es ist aufwendiger, aber es lohnt sich!» Und tatsächlich: Man kann den Unterschied schmecken. Während Vessaz uns verschiedene erlesene Tropfen degustieren lässt – Chasselas, Pinot Noir, Traminer und Assemblage Rouge – und über die speziellen Charakteristiken jeder Traubenart schwärmt, wird klar, dass beim Weinbau eines genauso wichtig ist wie das Terroir: Die Leidenschaft. 

Könnten wir noch lange verweilen, so ist im «Restaurant du Port» im Weindorf Môtier bereits der Tisch für unser Mittagessen gedeckt. Eine weitere Spezialität der Region wird uns geboten: Gebackene Eglifilets aus dem Murtensee mit Kräuterkartoffeln und Salat aus der Drei-Seen-Region. Ein Gaumenschmaus, der für neue Energien sorgt und uns für unsere Rückfahrt nach Murten beflügelt. 

Gebe es hier zwar eine Variante über den Gipfel des Mont Vully auf 653 m.ü.M. mit einem 360° Panorama der Seen Murten, Biel und Neuenburg, so wählen wir dennoch die gemütlichere, bewaldete Alternative. Zurück in der Zähringerstadt haben wir gerade noch genug Zeit für ein kurzes Kartenspiel, eine Abkühlung im See und ein Stück Nidelkuchen, ehe unser BLS Zug schon zur Heimfahrt bereit steht. Unsere Wangen sind gerötet und ein Ferienfeeling hat sich eingestellt. Es muss wohl an der Sonne liegen, dem ‘Meer’, dem Velofahren und dem guten Essen. Als ich mich später an meinem Fensterplatz zurücklehne, bemerke ich die anderen Velofahrer in der Landschaft. Sie strahlen genauso, wie der funkelnde Murtensee.

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Spotlight

Genussreise um den Murtensee 

1. Mai bis 31. Oktober 

Anreise: mit der BLS nach Murten, bls.ch 

Tipp: RailAway Kombi inkl. 20% Vergünstigung auf Velomiete (Rent a Bike Murten) und Genussbüchlein 

Länge: 28 km via SchweizMobil Routen 44, 59 und 480 // Abkürzung mit der LNM Schifffahrt Murtensee möglich 

Preis: CHF 45 inkl. Mittag-/Abendessen, Vully-Wein/Softdrink, Nidelkuchen oder Gâteau du Vully mit Kaffee und Geschenk 

Weitere Informationen: bls.ch/bijouland und regionmurtensee.ch

Text: Emily Mawson
Fotos: Region Murtensee, Tim Williams und Sam Anderson






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