Davoserschlitten: From Davos with love


Holz ist nicht einfach nur Holz. Holz sind die Bretter, die die Welt bedeuten. Das wissen nicht nur die Skifahrer schon seit Generationen, sondern auch die Davoser. Denn aus ihrer Feder stammt der meist benutzte Schlitten der Welt. Und dieser ist nicht nur «ein Stück Lebensgeschichte», sondern auch ein Stück Liebesgeschichte, wie Paul Ardüser aus erster Hand bezeugen kann. Vor zwei Jahren brachte der Schreiner den «Davoser» wieder zurück in seine Heimat. 


Mit dem «Davoser» ist es genau so, wie mit dem Emmentaler. Beide eroberten die Welt, bis die Welt plötzlich den Spiess umdrehte und sie eroberte. Heute gibt es Holzschlitten und Grosslochkäse in tausendfacher Ausführung zu spottgünstigen Preisen und aus aller Welt. Doch mit den Schweizer Originalen hat die gängige Massenware wenig gemein. Schliesslich macht ein Kulturgut wie einen echten «Davoser» oder einen Emmentaler AOP das aus, was sich nicht kopieren oder billig erwerben lässt: Geschichte, Tradition, hochwertige Handwerkskunst, Pioniergeist und vor allem Leidenschaft. Eben Dinge, aus denen beide auch ursprünglich gewachsen sind.

Holz, das lebt 

Als Paul Ardüser Senior vor nahezu 100 Jahren im Erdgeschoss seines Wohnhauses eine Schreinerei eröffnete, war es selbstverständlich, dass er auch Schlitten herstellte. Bereits Mitte der 1880er Jahre hatte sich der «Davoser» nach dem ersten internationalen Schlittenrennen im Bündner Bergdorf einen Namen gemacht. Die spezielle Konstruktion – mit fünf Latten aus Eschenholz, Metallkufen, Holzzapfen und einem Zugeisen – war fortan das Referenz-Modell, der Schlitten aller Schlitten, auf dem Generationen weltweit Spuren in den Schnee zeichneten.

Auch Ardüsers gleichnamiger Enkel verbrachte als Kind seine Winter auf einem «Davoser.» Wie schon sein Vater und sein Grossvater vor ihm freute sich Paul jedes Jahr aufs Neue, seinen Schlitten beim ersten Schnee hervorzuholen und stundenlang die Hügel hinunter zu brettern. «Ein Schlitten ist die Bühne des Lebens», ist er heute überzeugt. «Er verkörpert Tradition, Erinnerungen aus der Kindheit, vielleicht sogar die erste Liebe. Er ist ein Liebhaberobjekt, mit dem man Momente einfängt, Geschichten schreibt und Erinnerungen aufleben lässt – und das über Generationen hinweg.»

Die Rückkehr des Davosers 

Bis heute ist der «Davoser» eng mit seinem Heimatdorf und den Menschen verbunden. Doch produziert wird er längst anderswo. Denn als der Bergschlitten unverhofft zu Weltruhm ‘schlitterte’, versäumte man es leider, den Namen oder die Baupläne langfristig zu patentieren und so verlagerte sich die Produktion bereits in den 1950er in das kostengünstigere Ausland. Danach wurde der «Davoser» Jahrzehnte lang überall hergestellt – nur nicht in Davos. Bis Paul sich 2015 dazu entschloss, ihn wieder nach Hause zu bringen, damit die Davoser die Zukunft ihres Schlittens wieder selbst gestalten konnten.

Ausschlaggebend war ein glücklicher Zufall. Für das 150-jährige Jubiläum des Schweizer Wintertourismus wurde die Schreinerei Ardüser vom lokalen Tourismusbüro beauftragt, ein überdimensionales Modell des historischen Originals zu bauen. Das Projekt liess seine Macher nicht mehr los. «Wir fragten uns, warum wir eigentlich nicht überhaupt wieder echte «Davoser» bauen. Und zwar ohne Schnickschnack, sondern einfach nach altem Handwerk», erinnert sich Paul. Und somit war die Idee geboren.

Doch ganz so einfach wie es den Anschein hatte, war es natürlich nicht! Vergebens suchte Paul nach den Plänen seines Grossvaters und erstellte den Prototyp letztlich anhand alter Modelle des Wintersportmusuems Davos und Gespräche mit den wenigen traditionellen Schlittenbauern, die es heute noch gibt. «Es war eine lange Tüftelei,» bezeugt Remo Brülhart, der nun das ‘Projekt Schlitten’ leitet. «Wir haben eigene Schablonen gebaut, mit der Dicke der Kufen und der Metallbeschichtung experimentiert, bis alles stimmte.» Betrachtet man heute eines der in sieben Stunden liebevoller Handarbeit verdübelten – und nicht verleimten – Unikate, so war es die Mühe allemal wert! Die «Davoser» der Schreinerei Ardüser sind Kunstwerke, die nicht nur gut aussehen, sondern auch perfekt fahren – und das für Generationen. Dafür sorgt nicht zuletzt die lebenslange Garantie.

Eine Liebesgeschichte 

Als Paul sein Herzprojekt mit Unterstützung der Fachhochschule HTW Chur mittels Crowdfunding lancierte, wurde er schlichtweg überrannt. Eigentlich wollte er nur innert 100 Tagen genug Geld sammeln, um 20 Schlitten zu bauen. Doch bereits nach sieben Tagen waren die nötigen CHF 13’000 erreicht. Für ihn eine unerwartete Überraschung, die das bezeugte, was Paul schon immer insgeheim wusste: Der «Davoser» gehört nach Davos!

Und so verbirgt sich heute im Gästezimmer des Wohnhauses seiner Kindheit ein kleines Lager voll mit Schätzen: Handgemachte Schlitten, Geschenkideen und Accessoires wie Kindersitze. Jeder «Davoser» trägt eine eigene Nummer, ist mit einem Zertifikat versehen und kann auf Wunsch eine Widmung erhalten. Jedes Stück soll die Liebesgeschichte «Davoser» weiterführen und zugleich viele neue Lebensgeschichten schreiben.

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Spotlight

Echte Davoser:

«Wir bauen unsere Schlitten mit heutiger Handwerkskunst nach alter Tradition und sehr alten Vorbildernaus dem Wintersportmuseum Davos.Wir benutzen keinen Leim, um die Holzstücke zusammen zu halten. Am Ende ölen wir die Schlitten und lackieren sie nicht, wie so oft heute. Die Sattel-Stücke fräst die Firma CNC Holz in Susch; die Holmen lassen wir bei der Firma Winkler im Kanton Aargau vorfertigen und die Kufen von der lokalen Metallbaufirma Tinner GmbH machen. Durch diese tollen Partner wird der Schlitten zu einer echten Schweizer Geschichte.»

Weihnachtsgeschenke:

Wenn es nicht gleich ein grosser Schlitten sein darf, so bauen Paul Ardüser und sein Team auch gerne einen Mini-Schlitten händisch für Sie: CHF 39.90 300mm(L) x 120mm(B) x 90mm(H)– mit fünf Latten aus Eschenholz, Metallkufen, Holzzapfen und einem Zugeisen – war fortan das Referenzmodell, der Schlitten aller Schlitten, auf dem Generationen weltweit Spuren in den Schnee zeichneten.

Schreiben Sie doch mal wieder! Die originelle Schlitten-Bausatz-Karte der Schreinerei Ardüser besteht aus einer Sperrholzplatte mit Eichenfurnier sowie einem schlichten weissen Papier auf der Rückseite, das ganz normal beschrieben oder – für einen Aufpreis – auch speziell bedruckt werden kann. Der Schlitten lässt sich ohne Leim zusammenstellen. Ab CHF 17.90

Auf der Webseite der Schreinerei finden Sie noch weitere Geschenkideen und Angebote.

Kontakt

Ardüser Schreinerei 

Grischunaweg 2 

7270 Davos 

+41 (0)81 410 01 01 

www.ardueserschreinerei.ch

www.davoserschlitten

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Remo Brülhart






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