Château de Prangins: Gut mit Geschichte


Es gibt Orte, an denen Geschichte lebendig ist. Orte, an denen Vergangenheit und Gegenwart auf symbiotische Weise einhergehen und die Zeit im Auge des Betrachters liegt. Orte, wie das Château de Prangins. Das charmante Schloss am verträumten Lac Léman ist modernes Museum und historisches Exponat zugleich.


Die Wände des Château de Prangins können zwar nicht sprechen; dennoch haben sie viel zu erzählen. Ursprünglich war das Anwesen Adels-residenz; später Zufluchtsort für einen König im Exil, zeitweiliges Zuhause des Philosophen Voltaire, Privathaus sowie Knabeninternat. Heute ist das Schloss der Westschweizer Sitz des National-museums.

Es ist eine Entwicklung, wie sie sich Finanzier Louis Guiguer wohl kaum hätte vorstellen können, als er das Schloss in den 1730er Jahren im klassizistischen Stil auf den Ruinen einer Burg erbauen liess. Befand sich das Gut auch an einem privilegierten Standort über dem Lac Léman, so zählte für Guiguer vor allem eines: Dass das Land mit einem Adelstitel behaftet war und er sich fortan als Baron bezeichnen durfte.

Das 1’000-seitige Tagebuch seines Grossneffen Louis-François und dessen Gattin Matilda, die vier Jahrzehnte später Prangins bewohnten, offenbahrt spannende Einblicke in das Alltagsleben des «Ancien Régimes» im 18. Jahrhundert. Es ist die Grundlage einer faszinieren-den Dauerausstellung aus dem Jahre 2013.

«Noblesse oblige!» integriert die Innenarchitektur des Schlosses als zentralen Teil der Ausstellung und haucht mit eigens gedrehten Filmen und Tonaufnahmen den früheren Bewohnern neues Leben ein.

Eine Entdeckungsreise im Château de Prangins beschränkt sich nicht nur auf einen klassischen Museumsbesuch. Lediglich ein Tag ist hier eine Reise durch die Jahrhunderte. In anderen Teilen des Gebäudes widmen sich weitere Dauer- und Sonder-ausstellungen diversen Aspekten der Schweizer Geschichte und Kultur, von den ersten Aktivitäten der Menschheit über Mythen und historische Errungenschaften bis hin zur heutigen Zeit. Die Ausstellungen sind in ein spannendes Veranstaltungs- und Aktivitätenprogramm eingebettet, das auch die fünf Hektar grosse Parkanlage und den einzigartigen Gemüsegarten miteinbezieht.

Im umgebenden Park lädt der innovative Themenweg «Spaziergang durch die Aufklärung» zum Flanieren und Tagträumen ein. Über zwanzig Silhouetten zeugen von der Geschichte des Ortes; präsentieren Persönlichkeiten, die eng mit dem Schloss verbunden waren – von Voltaire bis zum Gärtner. Viele ihrer Geschichten sind kaum bekannt und zeigen das Schloss von einer farbenfrohen Seite.

Das Westschweizer Landesmusem ist einzigartig in seiner Lebendigkeit und mit dem öffentlichen Verkehr von der Deutschschweiz einfach und bequem zu erreichen. Es bietet sich sowohl als Tages-, als auch Wochenendausflug an – insbesondere in Kombination mit einer Übernachtung in der Region.

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Spotlight

Spot Tipps

Sonderausstellung «Arbeit. Fotografien von 1860 bis heute» 

Die Ausstellung dokumentiert die Veränderungen im Arbeitsleben der Menschen vom industriellen Zeitalter bis zur heutigen digitalen Zeit. Eine Auswahl an bisher selten gezeigten  Bildern illustriert, wie Berufe entstanden  und auch wieder verschwunden sind. 

Daten: 24. März-15. Oktober 2017 

 

Praktisches 

Anreise ÖV: Mit dem Zug nach Nyon und weiter mit den Bussen Nummer 805 und 811 

Auto: Kostenlose Parkplätze am Seeufer vorhanden 

Museumscafé mit köstlichem Lunch-Menü 

Eintritte: Ausstellungen – CHF 10/Erwachsene, gratis für Schulen und Kinder bis zu 16 Jahre 

Besucherzentrum, Gemüsegarten und Spaziergang durch die Aufklärung – gratis 

Führungen mit Voranmeldung: CHF 120/Gruppe bis 25 P.

 

Gut zu wissen: Das grösste Schloss des 18. Jahrhunderts, das in der Schweiz öffentlich zugänglich ist, belegt auf der Liste der meist besuchten Schlösser der Schweiz Rang vier.

Kontakt

Schweizerisches Nationalmuseum – Château de Prangins

Av. Général Guiguer 3, 1197 Prangins

+41 (0)58 469 38 90

www.chateaudeprangins.ch

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer






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