Bouldern: Freude an der freien Bewegung


Bouldern | Nachdem sich erst das Sportklettern an künstlichen Wänden mit Gurt und Seil als städtischer Trendsport etablierte, hat nun der Boulder-Virus die Schweiz erfasst. Auch die Familie Geiger liess sich unterwegs mit Pesche Wüthrich von der Faszination anstecken.


 

Der 10-jährige Jay überlegt, schaut nochmals ganz genau und überlegt weiter. Dann wagt er den Sprung. Er stosst sich ab und greift mit der rechten Hand nach dem nächsten Griff. Er wird fündig, krallt sich fest; doch sein Tritt geht ins Leere. Einen Moment lang baumelt er über dem Abgrund im Nirgendwo und fällt dann zu Boden. Doch es macht nichts. Sein Fall ist kontrolliert und wird von einer dicken gelben Matte, dem sogenannten «Crashpad», abgefedert. Jay lacht, steht auf und startet, ohne zu zögern, den zweiten Versuch.

Letzten Sommer packte Jay der Klettervirus, als er in der Mythenregion dem Höhensport zum ersten Mal frönte. Heute erlebt er das Klettern in seiner reinsten Form: Ohne Seil und Haken. Er kann auf Absprunghöhe schwierige Moves ausprobieren und an seiner Technik feilen. Bouldern ist ein Sport für jedermann, der keine besondere Vorkenntnisse oder Fitnessniveaus voraussetzt. «Das Wichtigste ist, etwas lernen und eine neue Dimension an sich selbst entdecken zu wollen. Der Spass kommt dann von selbst», verrät Pesche Wüthrich. Und er muss es ja wissen.

Von früher Kindheit an war Pesche vom Klettern und Bouldern fasziniert. «Als Sohn einer Kanderstegerin war ich sozusagen vorbelastet», schmunzelt er. Schon als kleiner Junge beobachtete er Bergsteiger mit dem Fernglas und träumte davon, eines Tages selbst Felsen und Gipfel zu erklimmen. Im Alter von 10 Jahren war es dann soweit. Er stand zum ersten Mal ganz oben am Berg. Danach liess ihn das Fieber nie mehr wieder los. Pesche wurde Teil der ersten Teenager- Generation in der Schweiz, die sich dem Sportklettern verschrieb. Heute gibt er sein umfangreiches Wissen auf verschiedenste Weise weiter. Er leitet mit «Big Wall» seine eigene Kletterschule, ist Markenbotschafter der Outdoor-Spezialistin TRANSA, arbeitet dort Teilzeit im Verkauf und engagiert sich für aktuelle und zukünftige Generationen im Klettern und Bouldern. Er organisiert regelmässig Kurse und Schulungen, die Menschen unterschiedlicher Levels zusammenbringen.

Wie typischerweise bei den Kursen hat es Pesche auch heute in der Winterthurer Kletterhalle 6a+, einem Partner der TRANSA, mit einer gemischten Gruppe zu tun. Sind Papa Dani, Jay und seine Schwestern Jessica (12) und Jodie (7) bereits mehr oder weniger erfahren, so ist Mama Marie eine blutige Anfängerin. Mit gebührendem Respektabstand begutachtet sie zunächst die Route B1, die Pesche nach dem Aufwärmen für sie ausgewählt hat. Nach einigen Tipps vom Profi wagt sich auch Marie in den Parcours und meistert zu ihrer Überraschung das erste «Problem» mühelos, während Pesche unten «spottet.» Dabei achtet er darauf, dass sich niemand unter Marie befindet und leitet sie bei schwierigen Passagen an.

«Versuche mehr aus den Beinen zu klettern und klettere am langen Arm», rät Pesche. Gerade für Anfänger ein besonders wichtiger Tipp, die zumeist schneller, als sie eigentlich aufhören möchten, physisch ermüden. Eine Erfahrung, die auch Marie nicht erspart bleibt. Während sie mit den Kids eine willkommene Trinkpause einlegt, dürfen sich nun Papa Dani und Pesche unter ihren wachsamen Augen am besonderen Spielplatz austoben. Trotz müder Arme und Finger sind Marie und die Kids wenig später für eine zweite Runde motiviert – Der Bouldervirus schlägt eben schnell zu und erfasst mitunter auch die ganze Familie!

 

Faszination Bouldern

Bouldern:

Bouldern leitet sich aus dem englischen Wort «Felsblock» ab und bedeutet eigentlich, «sich am Felsblock bewegen.» Der grösste Unterschied zum Klettern ist die Höhe. Weil man nur so hoch bouldert, dass man sicher von der Wand abspringen oder fallen kann, ohne sich zu verletzen, benötigt man weder ein Seil, noch Haken oder einen Sicherungsgurt.

 

Kletterhalle 6a+ und TRANSA Kletter Shop:

2014 wurde der erste Transa Kletter Shop in einem 18 m² grossen Würfelbau zu Füssen einer 17 Meter hohen Kletterwand in der damals neuen Kletterhalle 6a+ eröffnet. Die Winterthurer Kletterhalle ist das Herzensprojekt der Winterthurer Simon Riediker und Aaron Richiger, die sich dafür einsetzten, der stetig wachsenden lokalen Kletterszene ein passendes Angebot zu bieten. Die Stadt Winterthur, Organisationen wie zum Beispiel der SAC und viele freiwillige Helfer machten es schliesslich möglich. Heute ist die ehemalige Rieter-Halle, in deren Räumlichkeiten lange Zeit Systeme und Maschinen für die Spinnereivorbereitung hergestellt wurden, ein Eldorado für Kletterer und Boulderer.

Klosterstrasse 17, 8406 Winterthur, +41 (0)52 544 45 68, sechsaplus.ch

Big Wall Kletterschule von Pesche: Winkelriedstrasse 41, 3014 Bern, +41 79 686 76 59, bigwall.ch 

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Spotlight

Spot Tipp: Zum Bouldern benötigt man viel Energie. Wichtig ist es vorab zu essen, sich aufzuwärmen und zwischendurch Trinkpausen einzulegen.

Kontakt

Transa Filiale Zürich 

Lagerstrasse 4 

8004 Zürich 

+41 (0)848 084 811 

transa.ch

 

Text: Carina Scheuringer 
Fotos: Carina Scheuringer 






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