Biwakieren: Nacht im Sternenzelt 


Biwakieren | Ein geplantes Biwak in den Bergen ist, bei guten Verhältnissen und Temperaturen, ein unvergesslich schönes Erlebnis. Doch wie kann man sich eine Nacht im Biwak vorstellen, was muss man mitbringen und wo darf man in der Schweiz biwakieren? Wir sind diesen und anderen Fragen für Sie nachgegangen…


«Die Gebirge sind stumme Meister und machen schweigsame Schüler», schrieb Johann Wolfgang von Goethe und er hatte recht. In unendlicher Schönheit ruhen die Berge erhaben über unserer lauten, hektischen Welt; holen uns in ihre Stille, erden uns und schenken uns Weitsicht fernab der Grenzen unseres Alltages.

Selten ist dieses Naturerlebnis intensiver als in einer Nacht ohne Zelt im Freien inmitten des Gebirges. Wenn die letzten Lichtstrahlen am Horizont verschwinden und der nächtliche Himmel zu leuchten beginnt, schärfen sich die Sinne. Plötzlich nimmt man die Umgebung viel bewusster wahr: Das Rauschen des Windes und die Stimmen der Tiere auf ihren nächtlichen Streifzügen. Man versucht Geräusche zu orten und zuzuordnen und ist gleichzeitig überwältigt von der Schönheit des funkelnden Sternendaches, welches unweigerlich jegliche Blicke in seinen Bann zieht, bis letztlich doch die Müdigkeit Oberhand gewinnt. Dann schläft man – immer mit einem Ohr den Geräuschen lauschend – bis die Natur am Morgen mit dem ersten Lichteinfall erneut zum Leben erwacht und hat einen Logenplatz für das schöne Farbenspiel der frühen Stunde.

Eine Nacht wie diese, ist ein kleines Glück, wie es kein Luxushotel Naturfreunden zu schenken vermag. Doch sollte dieses Erlebnis gut vorbereitet sein. Was hierfür alles benötigt wird und wo dieses erhältlich ist, bzw. wie man in der Schweiz überhaupt biwakieren darf, verraten zwei Expertinnen in den folgenden Interviews…

 

Nachgefragt bei Steffi Suter, passionierte Biwakiererin und Ausrüstungsberaterin bei TRANSA

Wie bereitet man sich für eine Nacht im Biwak vor? 

Steffi: Es hängt davon ab, wie exponiert man sein wird. Dementsprechend muss man den Rucksack packen. Man sollte vorab verschiedene Wetterberichte anschauen, um abzuschätzen, worauf man sich einlässt. Im Sommer sind in den Bergen speziell Gewitter ein grosses Thema. Ausserdem sollte man die Karte der Region im Detail studieren und wenn möglich vorab eruieren, wo ein guter Schlafplatz sein könnte.

Wie wählt man den richtigen Biwakplatz aus? 

Steffi: Ein guter Platz ist ein sicherer Platz. Das bedeutet, dass der Platz nicht steinschlag- oder absturzgefährdet sein sollte. Flüsse sind zwar romantisch, können aber in der Nacht unvermutet anschwellen, also sollte man das Nachtlager nicht direkt am Ufer aufschlagen. Wassernähe ist jedoch generell praktisch, denn so kann man sich in Flüssen Gesicht und Hände waschen und muss weniger Trinkwasser mitbringen. Des Weiteren ist es angenehm, nachts windgeschützt zu sein.

Wann sollte man das Nachtlager aufschlagen? 

Steffi: Nicht zu früh, aber auch nicht zu spät – man möchte ja kein Notbiwak errichten müssen! Es ist sicher von Vorteil, sich Zeit zu nehmen und das Camp bei Tageslicht aufzuschlagen. Man sollte aber unaufdringlich sein und warten, bis die Tagestouristen den Berg verlassen haben.

Was ist dein praktischer Geheimtipp: 

Steffi: Eine Mütze mitnehmen! Besonders in den Bergen wird es in der Nacht kalt. Dann verliert man viel Wärme über den Kopf. Ich habe ausserdem immer eine kleine Kaffeemaschine im Gepäck, denn es gibt für mich nichts Schöneres, als im Schlafsack, bei Sonnenaufgang einen Expresso zu trinken.

Was macht den Reiz des Biwakierens für dich aus? 

Steffi: Mit einer Biwak-Ausrüstung ist man leichtgewichtig unterwegs und kann sich so schneller und agiler im Gelände bewegen. Ohne Zelt reichen je nach Verpflegung schon 10 kg Gepäck. Das Biwakieren selbst ist ein sehr intensives Erlebnis. Man ist schutzlos, braucht mehr Mut, doch wird dafür reicher belohnt, denn man ist näher dran an der Natur. Ich liebe es, draussen zu schlafen und zu sehen, was der Himmel macht, ohne dass mir das Zelt die Aussicht versperrt. Man sollte aber keine Angst vor Spinnen, Käfern o. ä. haben.

Wo biwakierst du am liebsten? 

Steffi: Ich bin besonders gerne im Jura unterwegs. Dort gibt es viele verlassene Gebiete und wilde Wälder, in denen man dem Massentourismus nicht begegnet.

 

Wie vor jeder Bergtour beginnt auch eine erfolgreiche Nacht im Freien mit guter Planung. Doch was gilt es zu beachten? Anne Roches, Fachleiterin Natursport-Naturschutz vom Schweizer Alpen-Club SAC gibt Auskunft: 

Wo darf man in der Schweiz biwakieren?

Anne Roches: Grundsätzlich ist rücksichtsvolles Biwakieren und Campieren oberhalb der Waldgrenze in der Schweiz erlaubt – ausser an Orten, wo es explizit verboten ist: z.B. im Schweizerischen Nationalpark, in den eidgenössischen Jagdbanngebieten (Wild-schutzgebiete), in den Wildruhezonen während der Schutzzeit und in vielen Naturschutzgebieten. Zudem verbieten einige Gemeinden das wilde Campieren auf ihrem Boden (z.B. Zermatt oder Bern). Ein Notbiwak ist grundsätzlich erlaubt. Man sollte auch die Erlaubnis des Grundeigentümers einholen, wenn man auf privatem Boden schlafen will oder jene des Bauern/Hüttenteams in der Nähe einer Alp- oder Berghütte.

Wie findet man heraus, wo die Schutzgebiete liegen? 

Anne Roches: Eine Übersicht bietet das Portal map.wildruhezonen.admin. ch. Auf kantonaler und kommunaler Ebene helfen kantonale Geoportale weiter (kkgeo.ch). Jedoch führen diese nicht alle Naturschutzgebiete auf. Deshalb ist es wichtig, die Tafeln vor Ort zu beachten. Auch besonders sensible Lebensräume können für das Campieren ungeeignet sein (siehe map.geo. admin.ch.) Der SAC hat auf www.sac-cas.ch/campieren-biwakieren die relevanten Gebiete für das Campieren und Biwakieren auf einer Karte zusammengestellt.

Welche Verhaltensregeln sind vor Ort zu beachten? 

Anne Roches: Die eigene Sicherheit ist wichtig: Wähle einen Platz, der sicher vor Blitzeinschlägen, Steinschlag, Lawinen oder Hochwasser ist. Flüsse und Bäche können auch bei schönem Wetter plötz-lich anschwellen. Beachte unbedingt die Informationstafeln vor Ort. Du bist ein Gast in der Natur. Dort leben Wildtiere, die nicht gestört werden sollten. Vermeide also grössere Aktivitäten und Lärm vor allem in der Dämmerung und lasse Esswaren nachts nicht offen herumliegen. Wähle für die Notdurft einen Platz abseits von Gewässern, vergrabe oder decke die Exkremente zu. Nimm sämtlichen Abfall wieder mit ins Tal und verwende nur biologisch abbaubares Spülmittel für den Abwasch. Falls du ein Feuer machen willst, beachte Feuerverbote, benutze mög-lichst bestehende Feuerstellen und vermeide Feuerschäden. Als Grundregel gilt in der Natur: Nimm nichts als deine Eindrücke mit und lasse nichts zurück als deine Fussspuren.

 

Empfehlenswerte Webseiten

Übersicht: www.sac-cas.ch/campieren-biwakieren 

Kartenportal des Bundes: map.geo.admin.ch

Kantonale Geoportale: www.kkgeo.ch

Verhalten: www.respektiere-deine-grenzen.ch

Abfall und WC: www.sac-cas.ch/saubereberge

Aktuelle Waldbrandgefahr: www.waldbrandgefahr.ch

 

5 Dinge zum Biwakieren 

Bei allem, was man in die Berge mitnimmt, stellt sich die Frage, wie sehr man es wirklich braucht. Schliesslich muss man es ja tragen! Hier fünf Produktetipps für eine warme Nacht im Naturhotel. 

1) Highlight Absolut 0: Ein leichter Schlafsack aus wind-und wasserfestem Bezugsmaterial; mit Daunenfüllung CHF 439.90

2) Neo Air Xtherm SV: Aufblasbare Vierjahreszeiten- Matte mit ThermaCapture Beschichtung und Reflective Barrier™ Technologie für Wärme und Komfort. Limitiertes Produkt zum 40-jährigen Jubiläum! CHF 289.90

3) Western Mountaineering Hot Sac VBL: Wasser- und dampfundurchlässiges Schlafsackinlett mit refektieren-der Innenschicht. CHF 139

4) Petzl Tikkina: Kompakte Stirnlampe mit guter Leuchtkraft, langer Leuchtdauer und breitem Lichtkegel, ideal zum Campen oder Biwakieren, CHF 24.90

5) Alu-Zeltunterlage: Schützt vor Feuchtigkeit und vor mechanischen Verletzungen, CHF 12.90

Weitere Tipps: Taschenmesser, Feuerzeug, Verpflegung (und evt. Gaskocher/ Pfanne), Isolierflasche, Müllsack, Toiletten-papier, Erste-Hilfe-Set

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Bi̱·wak: behelfsmässiges Nacht- lager im Freien *Duden, www.duden.de

Der Begriff «Biwak» bezeichnet in der Schweiz die Übernachtung ohne Zelt unter freiem Himmel, in einem Iglu oder in einer Schneehöhle.

 

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Text: Carina Scheuringer
Fotos: Ruedi Thomi und Carina Scheuringer






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